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DVD-Besprechung - The War - Die Gesichter des Krieges
Story:
"The War" ist eine Chronik der Kriegsereignisse des Zweiten Weltkriegs aus der Sicht der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Darstellung der Geschehnisse beginnt mit dem 7. Dezember 1941, dem japanischen Überraschungsangriff auf Pearl Harbor, der gleichbedeutend mit dem Kriegseintritt der USA ist. "The War" folgt dem Feldzug der Amerikaner bis zum Ende des Krieges, der für sie allerdings nicht mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 vollendet ist. Vielmehr endet der 2. Weltkrieg für die Amerikaner erst mit dem Abwurf zweier Atombomben auf Japan und dem kurz darauf folgenden Kaiserlichen Erlass über das Kriegsende vom 14./15. August 1945, gleichbedeutend mit der endgültigen Niederlage Japans.
Meinung zum Film:
Die Dokureihe "The War" besteht in der deutschen Fassung aus vierzehn Episoden mit einer Laufzeit von jeweils rund 52 Minuten, die auf vier DVDs verteilt wurden. In der ursprünglichen Originalfassung waren es nur sieben Folgen mit dementsprechend längerer Laufzeit. Daraus ergibt sich eine monumentale Gesamtlaufzeit von rund 728 Minuten bzw. knapp über zwölf Stunden. "The War" errang bei den "Emmy Awards 2008" drei Auszeichnungen. Die Verantwortung für diese Dokumentarfilmreihe trugen Ken Burns und Lynn Novick. Ken Burns errang besonders durch seine neunteilige Dokumentation über den amerikanischen Bürgerkrieg, "The Civil War", große Anerkennung und gilt mittlerweile als einer der einflussreichsten amerikanischen Dokumentarfilmer. Diese Reihe erschien bereits im November 2006 ebenfalls als Gesamtausgabe bei Polyband. Lynn Novick ist eine langjährige Kollegin von Burns und drehte bereits 1998 mit ihm "Frank Lloyd Wright", eine zweiteilige Dokumentation über das Leben und Werk dieses weltbekannten amerikanischen Architekten. Beide produzieren ihre Arbeiten stets für die nicht-kommerzielle, amerikanische TV-Senderkette "PBS" (Public Broadcasting Service).
"The War" schildert die Auswirkungen des 2. Weltkrieges für den "Durchschnittsamerikaner". Ken Burns wählte zu diesem Zweck exemplarisch vier typisch-amerikanische Provinzstädte und schildert die Folgen des Kriegsgeschehens für deren Einwohner. Das umfasst nicht nur die Einsätze von den "Söhnen der Städte" an den Kriegsschauplätzen, sondern auch die Beiträge der Heimatfront zum Krieg, die durch den Krieg begründeten familiären Konsequenzen sowie die in Folge des Krieges ausgelösten wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen in diesen Städten. Die Dokumentation setzt nicht nur auf größtenteils eindrucksvolles, teilweise recht herbes historisches Filmmaterial aus verschiedenen Quellen wie Propagandafilmen oder Privataufnahmen, sondern auch sehr stark auf aussagekräftiges Fotomaterial. Die eindrucksvolle Inszenierung dieser Bilder ist eine Spezialität von Ken Burns, der die Bilder mit Hilfe von gefühlvollen Zooms und Schwenks zu neuem Leben erweckt. Weitere Quellen umfassen Tagebuchaufzeichungen und zeitgenössische Leitartikel der Lokalzeitungen. Untermalt wird der Film stets durch zeitgenössische Musikstücke. Ein weiteres zentrales Element des Films sind die aktuellen Aussagen von ehemaligen Zeitzeugen, die alle aus den vier thematisierten Provinzstädten stammen. Stets steht hier der "kleine Mann" im Mittelpunkt, neben den Stimmen von Frontsoldaten gibt es auch Beiträge von den Familien der Soldaten oder auch Insassen von Internierungslagern. Der Film schildert hier ausführlich Einzelschicksale, beinahe als Charakterstudie, die sich teilweise auch als roter Faden durch die gesamte Reihe ziehen, und verarbeitet damit in sehr emotionaler Manier die persönlichen Kriegseindrücke.
"The War" ist von der Ausrichtung her nicht nur auf den amerikanischen Kriegsanteil, bzw. für Amerika relevante Ereignisse fixiert, sondern erläutert diese auch ausschließlich aus amerikanischer Perspektive. Der Stil ist eher emotional-patriotisch als sachlich-nüchtern. Das Kriegsgeschehen vor Pearl Harbor wird aufgrund der US-Fixierung fast komplett ausgeblendet, allerdings fehlen auch Hintergründe zur sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gesamtsituation der USA vor dem Kriegseintritt. Die Dokureihe funktioniert vor allem als emotionaler Gesamtüberblick, der jedoch bei einzelnen Themen hinsichtlich des Informationsgrades nie sehr weit in die Tiefe geht und auch keinerlei neue Erkenntnisse liefert. Gerade militärhistorisch interessierte Personen sollten eher zu einer anderen Dokumentation greifen, da hier die Erlebnisse der Frontsoldaten im Mittelpunkt stehen und nicht die strategischen Planungen der Befehlshaber. Gerade hinsichtlich der Darstellung der Japaner nährt "The War" nur völliges Unverständnis des Gegners, eine differenzierte Betrachtung wie bei Eastwoods "Letters from Iwo Jima" darf hier nicht erwartet werden.
Digitale Aufarbeitung:
Wie bei Dokumentationen über die Zeit des 2. WK üblich bietet auch "The War" eine Vielzahl verschiedener Bildquellen, größtenteils älteres Archivmaterial, neben aktuellen Aufnahmen der Zeitzeugen. Somit schwankt die Bildqualität zwar naturgemäß, kann aber insgesamt auf jeden Fall überzeugen. Die Veröffentlichung präsentiert die Dokumentation "The War" mit einer deutschen Tonspur. Als professioneller Sprecher bzw. Erzähler fungiert Udo Wachtveitl, bekannt als Hauptkommissar Franz Leitmayr der "Tatort"-Beiträge des Bayrischen Rundfunks. Aussagen der Zeitzeugen werden als deutsches Voice-over von verschiedenen Sprechern übersetzt. Auf die englische Originaltonspur, in der beispielsweise auch Tom Hanks ("The Green Mile") Artikel aus Lokalzeitungen verliest, muss somit allerdings komplett verzichtet werden. Die deutsche Tonspur ist aber ohne Fehl und Tadel, gut verständlich und ausgewogen abgemischt.
Die Veröffentlichung wird in einem optisch ansprechenden 4-Disc-Bookpak ausgeliefert, das wie ein Buch umgeblättert werden kann und durch einen zugehörigen Schuber abgerundet wird. Als Bonusmaterial liegt ein informatives 16-seitiges Booklet bei, das als Episodenführer fungiert und die Themen und geschichtlichen Hintergründe jeder einzelnen Folge kurz und präzise zusammenfasst.
Fazit:
"The War" ist ein Gesamtüberblick über den Kriegsbeitrag der USA, der ausschließlich die Perspektive der Amerikaner wiedergibt, allerdings nicht ohne Kritik an eigenen Verfehlungen wie der Diskriminierung der Afro-Amerikaner oder der Internierung japanisch-stämmiger Amerikaner. Der Stil ist eher emotional-idealistisch und die Reihe präsentiert sich eher als gesellschaftsgeschichtliche Abhandlung und weniger wie ein militärhistorisch fokussiertes Schlachtengemälde. Die Einzelschicksale und Charakterstudien des "kleinen Mannes" wirken sehr anschaulich, das verwendete Film- sowie Fotomaterial ist durchaus eindrucksvoll und die grauenhafte Fratze des Krieges wird ebenfalls eindringlich dargestellt. Technisch und bezüglich der Optik ist die Veröffentlichung von Polyband sehr gelungen, lediglich O-Ton-Freunde dürften ein wenig verstimmt sein.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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14 Folgen à ca. 52 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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The War
The War
Eindringliche Darstellung des 2. Weltkriegs aus der Perspektive des zeitgenössischen Durchschnittsamerikaners
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007 Regie: Ken Burns, Lynn Novick
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 27.02.2009
Vertrieb :
Impuls Home Entertainment
Verkaufsstart : 27.02.2009
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