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DVD-Besprechung - SPIEGEL TV: Das Goebbels-Experiment
Story:
Joseph Goebbels war einer der wichtigsten Gefolgsmänner Adolf Hitlers und bekleidete von 1933-1945 das Amt des Reichsministers für Propaganda und Aufklärung. Dieses Ministerium beinhaltete die Bereiche Literatur, Presse, Theater, Rundfunk, Bildende Kunst und Film. Der von ihm installierte, sehr fortschrittliche Propagandaapparat war das zentrale Werkzeug zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie. Berühmt-berüchtigt ist nicht zuletzt sein Aufruf zum "Totalen Krieg" im Rahmen der Sportpalastrede vom 18. Februar 1943. Vom Oktober 1924 bis kurz vor Kriegsende 1945 führte Goebbels umfangreiche Tagebücher. Diese erschienen zwischen den Jahren 1992 und 2005 als wissenschaftliche, 29-bändige Gesamtedition des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ). Die Dokumentation "Das Goebbels-Experiment" versucht sich der Persönlichkeit von Joseph Goebbels und deren Werdegang mit Hilfe ausgewählter Tagebucheinträge und dazu passendem filmischen Archvimaterial zu nähern.
Meinung zum Film:
Zusammengestellt und editiert wurde die Dokumentation "Das Goebbels-Experiment" von Michael Kloft ("Brutalität in Stein - Die Bauten der Nazis gestern und heute"), dem Leiter der Abteilung "History" bei Spiegel-TV gemeinsam mit Lutz Hachmeister, einem Experten für Medien- und Kommunikationspolitik und ehemaliger Leiter des Adolf-Grimme-Instituts. Die Dokumentation feiert mit dieser Fassung ihre deutsche DVD-Premiere. Sie wurde im Auftrag des ZDF, unter Beteiligung der BBC, produziert und durch die Filmstiftung NRW gefördert. Der Dokumentarfilm beschränkt sich ausschließlich auf unkommentierte Tagebucheinträge von Joseph Goebbels, die in der deutschen Fassung von Udo Samel, in der englischen Fassung von Kenneth Branagh, sehr professionell vorgetragen werden. Ergänzt wird dieser Vortrag durch entspechendes, historisches Filmmaterial und vereinzelte aktuelle Standortaufnahmen.
Die Konzeption des vorliegenden Films ist, wie der Titel bereits suggeriert, sehr experimentell geraten. Die Auszüge aus dem Tagebuch sollen die Persönlichkeit von Joseph Goebbels, aber auch die Widersprüche, mit denen er lebte, veranschaulichen. Eine Vorgehensweise, die beim Zuschauer ein gewisses Vorwissen erfordert und bei unzureichend informierten Zuschauern vielleicht sogar Gefahr läuft, eine Fehleinschätzung der Person hervorzurufen. So fielen die Tagebucheinträge auch nicht zufällig in die Hände der Nachwelt, denn Goebbels wollte diese selbst später publiziert, oder für die Nachwelt überliefert sehen. Tagebücher sammeln zudem eben subjektive Eindrücke. Hinzu tritt die Problematik, dass Goebbels manipulativ große Begabungen aufwies und somit durch die Tagebücher sicherlich auch eine bestimmte Zielsetzung verfolgte. Ein weiteres Problem ist die Selektion, also die Aufgabe aussagekräftige Textstellen innerhalb des mehrere tausend Seiten umfassenden Gesamtwerks zu finden und diese dann auf eine lediglich eindreiviertelstündige Dokumentation herunterzubrechen. Weiterhin musste für diese Textstellen noch aussagekräftiges Bildmaterial ausfindig gemacht werden, um den erzählerischen Vortrag zu unterstützen bzw. zu veranschaulichen.
Gerade zu Beginn der Dokumentation wirkt die Herangehensweise der Macher durchaus effektiv, da dem Zuschauer hier in anschaulicher Manier die sehr komplexe und widerspruchsbehaftete Persönlichkeitstruktur von Goebbels vergegenwärtigt wird. Hinzu tritt interessantes, teilweise neu entdecktes Archivmaterial, abseits des inszenierten Wochenschaumaterials, und gewährleistet auch Einblicke hinter die Fassade der inszenierten Wirklichkeit. Mit zunehmender Filmdauer offenbaren sich aber eindeutige Schwächen der Dokumentation. Politische Großereignisse werden zu häufig ausgeblendet, die krankhafte Beziehung zu Hitler kommt zu kurz, Passagen zu den Gaskammern werden ignoriert und die zeitlichen Sprünge sind teilweise extrem groß. Es kommt auch vor, dass für sich nicht aussagekräftige Passagen angeführt werden, z.B. Goebbels zwischenzeitliche Enttäuschung über Hitlers Pläne, weitere erläuternde Einträge aber einfach ignoriert werden. Mit zunehmender Spieldauer leidet auch die Gewichtung zwischen Bild- und Tonmaterial. Die Bilder scheinen die Oberhand zu gewinnen, reduzieren sich aber zunehmend auf schon oftmals wiedergekäutes Wochenschaumaterial. Gerade die Kriegszeit wird im Schweinsgalopp durchlaufen und die Textauswahl, wie. Goebbels "private Besuche" in Prag oder Venedig, wirken nicht wirklich zentral. Die inhaltliche Zuspitzung und damit die Zentrierung der Filmstruktur gehen somit ebenso verloren wie der Experimentalcharakter. Ein weiterer Makel ist das Fehlen längerer Redeausschnitte von Goebbels, die auch zentral für seine Person bzw. Funktion waren.
Digitale Aufarbeitung:
Die Dokumentation bedient sich größtenteils älteren Archivmaterials. Aktuelle Aufnahmen, in Form von Standortbesichtigungen, gibt es nur vereinzelt. Dementsprechend dürfen bei der Bildqualität keine Wunder erwartet werden. Beide Tonspuren verfügen über einen sehr guten, klaren Klang.
Im Bonusbereich findet sich zunächst eine Ausgabe von Alexander Kluges TV-Kulturmagazin "News & Stories" mit dem Titel "Der Heimatfrontdiktator - Gespräch mit den Autoren" (45:02). In den ersten 25 Minuten diskutiert Alexander Kluge hier mit Lutz Hachmeister über die Dokumentation und Goebbels als Person, in den letzten 20 Minuten folgt dann eine Sitzung mit Michael Kloft. Insgesamt ist dieses Feature durchaus interessant und auch teilweise informativ ausgefallen, wirkt allerdings thematisch doch etwas sprunghaft. Die beiden Features "Sprachaufnahmen mit Udo Samel" (18:51) und "Im Studio mit Kenneth Branagh" (13:52) widmen sich beide den Tonaufnahmen der gelesenen Tagebucheinträge und ähneln sich somit. Zwar ist der Einblick in diese Arbeiten recht anschaulich ausgefallen, ein insgesamt 5-10-minütiger Einblick hätte diesen Zweck aber auch schon erfüllt.
Fazit:
"Das Goebbels-Experiment" wirkt zu Beginn in der Tat experimentell, in Verbindung mit seltenem Archivmaterial, aber auch effektiv montiert und auf die Widersprüchlichkeit des Charakters von Goebbels fokussiert. Mit zunehmender Laufzeit wirkt die Auswahl der Tagebucheinträge aber nicht mehr so überzeugend, das Gleichgewicht zwischen Bild- und Tonmaterial geht verloren, die Zeitsprünge wirken teilweise sehr drastisch und der Erkenntnisgewinn hält sich stark in Grenzen. Letztendlich wäre es wohl doch effektiver gewesen sich auf einen biographischen Teil zu konzentrieren der dann mit erläuternden Tagebuchzitaten anzureichern bzw. zu unterfüttern gewesen wäre.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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106:32 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Der Heimatfrontdiktator - Gespräch mit den Autoren
- Sprachaufnahme mit Udo Samel
- Im Studio mit Kenneth Branagh
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Das Goebbels-Experiment
Das Goebbels-Experiment
Nicht jedes Experiment kann erfolgreich sein...
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Großbritannien, 2005 Regie: Lutz Hachmeister Drehbuch: Lutz Hachmeister, Michael Kloft
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 27.02.2009
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