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DVD-Besprechung - SPIEGEL TV: Berlin ´45
Story:
Der Sturm auf Berlin:
Am 21. April 1945 erreicht die "Rote Armee" der Sowjetunion die Außenbezirke der deutschen Reichshauptstadt Berlin. Die Dokumentation begleitet mit Hilfe des Filmmaterials russischer Armee-Kameraleute die erbitterte letzte Schlacht um Berlin, die schließlich mit dem russischen Triumph und der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands am 9. Mai 1945 endet.
Berlin - der erste Sommer im Frieden:
Nach dem Ende des Krieges beginnt am 8. Juli 1945 ein Kamerateam der US-Luftwaffe das einwöchige "Special Film Project 186", das die Zerstörung der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin am Boden dokumentieren soll. Die Dokumentation zeichnet mit Hilfe dieses farbigen Filmmaterials ein Bild des zeitgenössischen Nachkriegsberlins, ihrer Bewohner und deren Lebensumständen.
Meinung zum Film:
Bei dem vorliegenden Spiegel TV-Doppelpack "Berlin `45" handelt es sich erneut um eine Wiederveröffentlichung. Enthalten sind die beiden Dokumentationen "Der Sturm auf Berlin" (82:10) aus dem Jahr 2000 und "Berlin - der erste Sommer im Frieden" (92:06) aus dem Jahr 2001. Der Regisseur dieser beiden Dokumentarfilme war Alexander Czogalla ("Invasion in der Normandie - Die Todfeinde von Omaha Beach"), der mit Nicola Burfeindt für ihre gemeinsame Dokumentation "Eschede, 10:59 Uhr - Zehn Jahre nach der ICE-Katastrophe", im Jahr 2008 sowohl für den Deutschen Fernsehpreis als auch für den "Goldenen Prometheus", als Fernsehjournalist des Jahres, nominiert war.
"Der Sturm auf Berlin" konzentriert sich ausschließlich auf Schwarz-Weiß-Filmmaterial russischer Armee-Kameraleute sowie Propagandamaterial der Sowjets. Die Aufnahmen sind allerdings weniger spektakulär als angenommen werden könnte, da sich diese Kameramänner nicht an vorderster Front befanden. Zudem ist das Bild der Kämpfe aufgrund dieses sowjetischen "Bildmonopols" sehr einseitig ausgefallen. Kommentiert werden die Bilder von einer weiblichen Erzählerin aus dem Off, deren Stimme so nüchtern klingt, dass es beinahe wie abgelesen wirkt und die somit beim Zuschauer eine stark einschläfernde Wirkung entfaltet. Verlesen werden auch Aufzeichnungen deutscher und sowjetischer Schrifsteller zum Geschehen, Tagebucheinträge aus dieser Zeit oder Wehrmachtsberichte. Die Kommentare selbst sind eine wenig tiefgründige Chronik der Geschehnisse. Besonders ärgerlich ist die ständige Verwendung hohler Phrasen wie "Die Stadt gleicht einem einzigen Schlachtfeld" und Banalitäten wie "Nach den Kämpfen lagen viele Tote auf den Straßen". Extrem minimalistisch ist auch die sonstige Präsentation ausgefallen, die lediglich aus einer ziemlich armseligen, farbigen Kartenübersicht der Stadtbezirke von Berlin besteht. Der Film dokumentiert inhaltlich die sinnlosen, mit großen Opfern verbundenen Verteidigungsanstrengungen des letzten deutschen Aufgebots, dessen Niederlage von vornerein lediglich eine Frage der Zeit darstellte. Allerdings war Hitler bis zum Schluß nicht bereit zu kapitulieren und wollte das Deutsche Volk, das ihn ja seiner Meinung nach so enttäuscht hatte, lieber mit in den Untergang reißen.
"Berlin - der erste Sommer im Frieden" schließt inhaltlich direkt an die vorige Dokumentation an und widmet sich der Lage Berlins in der Nachkriegszeit, im Juli des Jahres 1945. Das farbige Bildmaterial entstammt ausschließlich den Archivaufnahmen des amerikanischen "Special Film Project 186" und wird durch aktuelle Zeitzeugenaussagen von Prof. Egon Bahr (ehemaliger Bundesgeschäftsführer der SPD), Markus Wolf (ehemaliger Leiter des Auslandsnachrichtendienstes der Stasi) und Prof. Wolfgang Leonhardt (Autor von "Die Revolution entlässt ihre Kinder") ergänzt. Aus dem Off kommentiert das Geschehen wiederum ein Erzähler. Zudem werden schriftliche Quellen wie Aufzeichnungen deutscher Schriftsteller, Zeitungsschlagzeilen oder Tagebucheinträge verlesen. Vollkommen überflüssing sind lange zurückliegende, eingespielte Reden von NS-Größen, die mit bestimmten mittlerweile in Trümmern liegenden Gebäuden verknüpft sind. Offensichtlich bilden die teilweise sehr unspektakulären Aufnahmen des Nachkriegsalltags das Zentrum des Films, während die Erläuterungen scheinbar erst nachträglich entstanden sind. Somit ist inhaltlich keineswegs immer ein klares Konzept zu erkennen. Leider bilden auch Bild und Ton, hinsichtlich des Sinnzusammenhangs, nicht immer eine Einheit. So berichtet der Erzähler beispielsweise von der hungernden Bevölkerung, während die Bilder vitale Trümmerfrauen bei der Arbeit zeigen. Der inhaltliche Vortrag geht quer durch alle Lebensbereiche ohne sich großartig mit Details aufzuhalten. Zentrale Themen wie Entnazifizierung, Umstellung auf Friedensproduktion oder die Organisations- und Verwaltungsarbeit der Besatzungsmächte werden lediglich gestreift. So reduziert sich die in gemächlichem Tempo voranschreitende Dokumentation vor allem auf die Darstellung eines sich langsam aber sicher wieder manifestierenden Alltags, der durch ziemlich austauschbar wirkendes Bildmaterial untermalt wird.
Digitale Aufarbeitung:
Beide Dokumentationen bestehen größtenteils aus altem Archivmaterial von schwankender Qualität. Bei "Berlin - der erste Sommer im Frieden" treten noch aktuelle Aufnahmen von Zeitzeugen hinzu. Natürlich kann dieses Material aufgrund seines Alters, hinsichtlich der Bildqualität, nicht mit aktuellen Produktionen mithalten, das Material wird aber in zufriedenstellender Qualität präsentiert. Gerade bei den Farbaufnahmen von "Berlin..." schwankt die Qualität aber sehr stark und einige Aufnahmen sind extrem unscharf oder überbelichtet. Die deutschen Tonspuren beider Dokumentationen verfügen stets über eine gute Verständlichkeit.
Es gibt keinerlei Extras. Die Veröffentlichung erscheint wie alle bisherigen Spiegel-TV-Titel von Polyband in einem ansprechend gestalteten Slim-Digipak mit Schuber.
Fazit:
"Der Sturm auf Berlin" bedient sich einer wenig mitreißenden Erzählweise, abgesehen von Trümmerlandschaften unspektakulärem Bildmaterial, einer extrem minimalistischen Präsentation und einer insgesamt eher oberflächlichen Darstellung. "Berlin - der erste Sommer im Frieden" läßt keinen klaren inhaltlichen Schwerpunkt erkennen, vernachlässigt wichtige Themen und konzentriert sich vor allem darauf den, durch farbiges Bildmaterial untermalten, langsamen Wiedereinzug des Alltagslebens in Berlin darzustellen. Auf technischer Seite gibt es bei dieser Veröffentlichung keinen Grund zur Klage.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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174:16 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Der Sturm auf Berlin / Berlin - der erste Sommer im Frieden
Der Sturm auf Berlin / Berlin - der erste Sommer im Frieden
Die letzte Schlacht um Berlin und der Wiederaufbau kurz nach Kriegsende
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2000 / 2001 Regie: Alexander Czogalla
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 27.02.2009
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