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DVD-Besprechung - Victory

Story:
Nur ungern verlässt der eigenbrötlerische Axel Heyst (Willem Dafoe) sein selbst gewähltes Exil im indischen Ozean, um eine Erbschaftssache zu regeln. Während seiner Rückkehr rettet er die schöne Alma (Irène Jacob) vor der Zwangsprostitution und nimmt sie mit auf seine Insel. Zwischen dem scheuen Einsiedler und der fremden Frau entwickelt sich eine zarte Liebe, doch die Idylle ist nur von kurzer Dauer. Der reiche Hotelier Schomberg (Jean Yanne) meldet Besitzansprüche auf Alma an und hetzt seine skrupellosen Schergen auf die Insel. Schon bald gerät die Situation außer Kontrolle.

Meinung zum Film:
Joseph Conrads Roman "Sieg" wurde bereits mehrfach verfilmt. 1919 machte Maurice Tourneur aus dem Stoff einen Stummfilm, 1930/31 folgten mit dem aufkommenden Tonfilm gleich diverse Adaptionen in den unterschiedlichsten Sprachen. Nach den 1940ern und einer Umsetzung von John Cromwell wurde es allerdings ruhig um den Stoff. Erst 1995 griff Regisseur und Autor Mark Peploe, der für sein Drehbuch zu "Der letzte Kaiser" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, Conrads Vorlage in der vorliegenden deutsch-französisch-britischen Koproduktion "Victory" wieder auf.

Die Story spielt im Jahr 1913 auf den Inseln von Niederländisch-Indien. Axel Heyst (Willem Dafoe, "Spider-Man") lebt dort als zurückgezogener Gentleman-Einsiedler und reist eines Tages auf die benachbarte Insel Surabaya, um einige Dinge seines verstorbenen Vaters zu holen. Unterkunft findet er im Hotel des fiesen, rassistischen Deutschen Schomberg (Jean Yanne), wo jeden Abend ein Frauenorchester auftritt. Im Voiceover - die Geschichte wird rückblickend von einem Schiffskapitän (Bill Paterson, "Miss Potter") erzählt - erfährt der Zuschauer, dass es sich bei den Musikerinnen im Prinzip um Sklavinnen handelt, die unter der Leitung von Zangiacomo (Simon Callow, "Arn - Der Kreuzritter") stehen, der gleichzeitig als ihr Zuhälter und Dirigent fungiert. Nun kommt es dazu, dass sich (der bereits verheiratete) Schomberg entschließt, eine dieser Frauen besitzen zu wollen. Das Objekt seiner Begierde ist Alma (Irène Jacob, "Othello"), eine begnadete junge Geigerin. Diese hat jedoch ganz andere Pläne und sich unterdessen mit Heyst angefreundet, den sie nun um Hilfe bittet, bis er schließlich zustimmt, sie mit zu seiner Heimatinsel zu nehmen. Doch es dauert nicht lange, da hat der hinterhältige Schomberg schon einen Plan ausgeheckt, wie er sich an Heyst für den Diebstahl "seiner" Alma rächen kann: Er erzählt dem ruchlosen Mr. Jones (Sam Neill, "Jurassic Park"), der sich bei ihm im Hotel eingenistet und es zu einer Spielhölle umfunktioniert hat, dass in der verlassenen Mine auf Heysts Insel große Reichtümer warten ...

"Victory" hat eine durchaus spannende Grundgeschichte auf der Basis des Romans von Joseph Conrad, doch leider schafft es der Film nicht, diese auch wirklich effektiv und überzeugend umzusetzen. Sowohl Willem Dafoe als auch Irène Jacob wissen hier nicht zu begeistern und wirken in ihren Rollen eher hölzern und lustlos. Mit dem Auftauchen von Sam Neill, der einen herrlich schmierig-fiesen Widersacher abgibt, kommt dann zwar etwas mehr Spannung auf, doch so richtig begeistern kann das Ganze nicht. Daran kann selbst Rufus Sewell ("The Illusionist"), dem man wie immer jegliche irre Schandtat zutraut und der hier in der Rolle von Jones' Handlanger Martin Ricardo auftritt, nichts mehr ändern. Zudem hat der Film das Problem, dass er sein optisches Potenzial so gut wie gar nicht ausschöpft. Mit Originalschauplätzen auf Malaysia und Indonesien hätte es so viele Möglichkeiten gegeben, das traumhafte Setting effektiv in Szene zu setzen. Doch die Kameraführung ist derart einfallslos, dass es dem Zuschauer schon in der Seele weh tut. Was ist mit den undurchdringlichen Schatten des geheimnisvollen Dschungels, was mit der wärmenden Sonne über dem Ozean? Stattdessen bekommt man fast ausschließlich große Nahaufnahmen der Darsteller geboten, die sich hier an einem mittelmäßigen Drehbuch durch den Film kämpfen und dabei sämtliche Emotionen ohne die Unterstützung von Beleuchtung, Farbe oder sonstigen kameratechnischen Hilfsmitteln vermitteln müssen. Das Ergebnis ist ein zwar erträglicher Film, der aber keinen bleibenden Eindruck, sondern beim Zuschauer vielmehr das Gefühl hinterlässt, dass hier mit einer engagierteren und fähigeren Herangehensweise ein wirklich toller Streifen hätte entstehen können.

Digitale Aufarbeitung:
Kinowelt präsentiert "Victory" mit einem anamorphen Transfer, der gelegentliche Verschmutzungen und Dropouts aufweist, die aber in keiner übermäßig störenden Häufigkeit auftreten. Die Farben sind etwas zu blass und zu dunkel, die Schärfe ist nur mittelmäßig und der Kontrast hätte ebenfalls eine Spur besser ausfallen können. Ein beständiges leichtes Hintergrundrauschen lässt sich wahrnehmen, allerdings nicht in unangenehmem Ausmaß. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in Stereo vor und bietet gute Dialogverständlichkeit, aber keine Überraschungen, zumal der Film Hintergrundmusik äußerst spärlich einsetzt.

Als Bonusmaterial gibt es lediglich den Trailer zum Film. Per PC lässt sich zusätzlich das Presseheft vom deutschen Kinostart im PDF-Format anschauen.

Fazit:
"Victory" basiert auf dem durchaus spannenden Roman "Sieg" von Joseph Conrad, schafft es aber nicht, die Atmosphäre der Vorlage stimmungsvoll zu vermitteln. Zu hölzern wirkt das Spiel von Willem Dafoe und Irène Jacob, zu einfallslos und unkreativ die Kameraführung, so dass das Potenzial der Originalschauplätze fast vollständig verschwendet wird. Da kann selbst der überzeugende Sam Neill nicht mehr viel herausreißen. Die technische Umsetzung der DVD von Kinowelt liegt im mittelmäßigen bis zufriedenstellenden Bereich, auf Bonusmaterial muss darüber hinaus größtenteils verzichtet werden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
95:01 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Presseheft im PDF-Format
Victory - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Victory
Victory

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Einfallslose Adaption des Romans von Joseph Conrad


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / Frankreich / Deutschland, 1995
Regie:
Mark Peploe
Drehbuch:
Mark Peploe
Darsteller:
Willem Dafoe, Sam Neill, Irène Jacob, Rufus Sewell, Jean Yanne

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
05.03.2009