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Kino-Besprechung - Sieben Tage Sonntag
Story:
Die beiden 16-Jährigen, Adam (Ludwig Trepte) und Tommek (Martin Kiefer), fristen ein perspektivloses Dasein in einer polnischen Plattenbausiedlung. Beide haben die Schule geschmissen, so dass für sie nun jeder Tag ein Feier-, bzw. Sonntag ist. Ihre jugendliche Clique stellt ihren Familienersatz dar. Man hängt gemeinsam ab, besäuft sich, feiert Parties, die großen Höhepunkte im Leben fehlen jedoch. Aus dieser Langeweile gepaart mit jugendlichem Übermut entsteht ein gehöriges Maß an unterschwelliger Aggressivität, die sich am Abend des 14. Januars 1996 in einer wahnwitzigen Wette entlädt. Adam wettet mit Tommek, dass dieser nicht in der Lage sei einen Menschen zu töten.
Meinung zum Film:
Für Niels Laupert, der hier als Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion fungierte, stellt "Sieben Tage Sonntag" nicht nur sein Kinodebüt dar. Es handelt sich dabei auch um seinen Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München im Studiengang "Kino- und Fernsehregie". Bereits seit 1998 drehte Laupert zahlreiche Musikvideos und Werbespots. Sein Erstling wurde zu einem Dauerbrenner auf zahlreichen, renommierten, nationalen und internationalen Festivals, z.B. in München, New York City, Rotterdam oder Sao Paulo. Bei seiner Uraufführung im Rahmen des Filmfest München 2007 erhielt der Titel als Sonderpreis den erstmals verliehenen "Mentor Award". Der Film entstand innerhalb einer Drehzeit von lediglich 16 Tagen und mit einem knappen Budget von 100000 Euro an Originalschauplätzen in Polen, vornehmlich aber in Leipzig. Die Inspiration für den Film, der auf einer wahren Begebenheit beruht, war ein Artikel im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 18.8.2000. Dieser schildert den Hergang der Tatnacht in der polnischen Kleinstadt Pabianice und die bis heute fehlenden, nachvollziehbaren Tatmotive. Dieser Mangel an Erklärungsmustern läßt die Tat, einen grausamen Mord und einen nicht weniger grausamen versuchten Mord, nur umso schockierender erscheinen. Das sahen auch die Richter so und verurteilen die beiden Jugendlichen Adam C. und Artur K. am 2. November 1997 "wegen besonderer Grausamkeit" nach Erwachsenenstrafrecht zu jeweils 25 Jahren Gefängnis. Beide bestanden darauf als "Haupttäter" angeführt zu werden und zeigten keine Reue. Die eigentliche Hauptrolle ist mit Ludwig Trepte ("Kombat Sechzehn"), der scheinbar auf schwierige Rollen fernab von telegenen Sympathieträgern abonniert ist, erstklassig besetzt. An seiner Seite spielt Martin Kiefer ("Sklaven und Herren"), dem der ganz große Durchbruch bisher versagt geblieben ist.
"Sieben Tage Sonntag" spielt vor einer Plattenbaukulisse in einer polnischen Kleinstadt. Inmitten dieser tristen, urbanen Betonwüste vegetiert eine Gruppe orientierungs- und perspektivloser Jugendlicher vor sich hin. Für diese Schulabbrecher ist jeder Tag ein Sonntag. Ohne Aufgaben und Verantwortung, aber eben auch ohne Geld in der Tasche, wird die Freizeitgestaltung zu einer stetigen Herausforderung. Die eigene Situation führt, trotz ausbleibender Selbstreflektion, zu unterschwelliger Aggressivität. Verbunden mit Langeweile und jugendlichem Übermut, der sich aufgrund der fehlenden Vermittlung eigener Grenzen durch familiäre Respektspersonen noch verstärkt, bricht sich dieses explosive Gemisch schließlich in einer absurden Wette Bahn. Die Grundstimmung in "Sieben Tage Sonntag" ist sehr deprimierend in Szene gesetzt, die aussichtlose Situation der Jugendlichen wirkt beinahe greifbar. Der Film beginnt mit einer Schilderung des "Alltags" der Jugendlichen, die vor allem herumhängen und sich mit kleineren Gaunereien über Wasser halten. Ihre Familien sind zerrüttet. Die dominante Hauptfigur des Films, Adam, wohnt bei seiner Oma. Sie muss trotz ihres hohen Alters immer noch Tag für Tag schwer schuften, während ihr Feierabend in einen Schlaf der Erschöpfung mündet. Sein Vater sitzt im Knast, die Mutter kann man laut späterer Aussage im Film "vergessen". Adam selbst wirkt eher schüchtern, verdingt sich als Messdiener und fühlt sich zur gleichaltrigen Sara (Jil Funke) hingezogen. In der Cliquenhierarchie ist er hinter dem großmäuligen und halbstarken Tommek, seinem besten Freund, einzuordnen.
"Sieben Tage Sonntag" ist kein Film, der verurteilen oder Sympathie für die Täter erwecken möchte. Er enthält sich einer klaren Wertung und kann auch, genau wie die bisherigen Untersuchungen des Falles, keine wirklich nachvollziehbaren Erklärungen für die schockierende Tat liefern. Die Apathie gegenüber dem eigenen Schicksal ist aber, so verdeutlicht der Film auf jeden Fall, auch ein Grund für die Teilnahmslosigkeit hinsichtlich der Emotionen anderer Menschen. Adam fungiert zwar an wenigen Stellen als Erzähler aus dem Off, sein Charakter bleibt aber schwer greifbar. Besonders der plötzliche Entschluss zu dieser grausamen Wette manifestiert sich beinahe aus dem Nichts und wirkt dadurch sonderbar irreal. Handwerklich wirkt der Film für einen Erstling sehr durchdacht und besitzt mit Ludwig Trepte einen exzellenten Hauptdarsteller. Vor dessen dominanter Figur verblassen allerdings auch die anderen Charaktere des Films deutlich. Der etwas ungeschliffene Charakter des Films verstärkt dabei nur noch seine Eindringlichkeit. Allerdings hinterlässt der Film bezüglich seiner Dramaturgie einen nicht immer ganz runden Eindruck. Besonders die Beziehung zu Sara wird im Rahmen des ohne Abspann lediglich 70-minütigen Films (Gesamtlaufzeit: 76:40 Minuten) doch etwas vernachlässigt. Auch der zweiten Hauptperson Tommek sowie den anderen Mitgliedern der Clique hätte etwas mehr Aufmerksamkeit seitens des Drehbuchs sicherlich nicht geschadet. Zudem sind gewisse "künstlerische Freiheiten" gegenüber der Realität nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Der erste, misslungene Mordversuch wird noch recht detailliert geschildert, obwohl die Kamera sich zwischenzeitlich verabschiedet. Der eigentliche Mord wird dann aber komplett ausgeblendet. Es fehlen auch weitere perverse Details der Tat. So zeigten die beiden ihrer Clique die Leiche des Opfers als "Trophäe". Auch ihr Gelächter als Reaktion auf die gerichtliche Verkündung ihres Urteils fehlt.
Fazit:
Die Handlung von "Sieben Tage Sonntag" spielt zwar in Polen, der Schauplatz ist jedoch austauschbar und das Problem perspektivloser, gewalttätiger Jugendlicher ist ohne weiteres auf so ziemlich jede Gesellschaft übertragbar. Der Film vermittelt auf eindringliche Weise, von einer unterkühlten Stimmung begleitet, den Alltag perspektivloser Jugendlicher und den Hergang der Geschehnisse dieses schicksalhaften Tages. Der Film wird von starken Schauspielern getragen, wobei ein sehr gut aufgelegter Ludwig Trepte stark dominant wirkt. Kleinere Schwächen besitzt der Film lediglich hinsichtlich seiner Dramaturgie und auch gewisse künstlerische Freiheiten am Ende wirken etwas deplaziert. Aber vielleicht sah man hier, angesichts der Grausamkeit der Realität, die Neutralität der eigenen Darstellung gefährdet.
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Sieben Tage Sonntag
Sieben Tage Sonntag
Sehr eindringliche Auseinandersetzung mit dem Thema Jugendgewalt, die sich einer Wertung enthält
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007 Regie: Niels Laupert Drehbuch: Niels Laupert Darsteller: Ludwig Trepte, Martin Kiefer, Jil Funke, Karin Baal, Antonio Wannek, Jennifer Ulrich
Verleiher:
Timebandits Films
Kinostart : 05.03.2009
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