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DVD-Besprechung - Sand und Tränen
Story:
Im Jahr 1983 begann der zweite Bürgerkrieg im Sudan zwischen dem Norden und dem benachteiligten Süden des Landes. Der Konflikt gründete sich auf den Kampf um Ressourcen, ungleiche politische Teilhabe, hatte aber auch ethnische Ursachen. Im Jahr 2003 kam es zu einer weiteren Eskalation des Konflikts, als Rebellen aus dem Süden Regierungseinrichtungen in Nord-Darfur attackierten. Die sudanesische Zentralregierung in Khartum begann daraufhin Milizen aufzustellen, die sich aus arabischen Nomadenstämmen rekrutierten und unter dem Namen "Dschandschawid" berühmt-berüchtigt wurden. Darfur, eine Region im Westen des Sudan, und deren vorwiegend nicht-arabische Zivilbevölkerung wurden fortan immer wieder das Opfer systematischer Übergriffe durch die sudanesische Zentralregierung und der von ihnen kontrollierten Milizen. Die Vorgänge dort müssen als gezielter Völkermord betrachtet werden. Auch das Friedensabkommen zwischen dem Nord- und Südsudan im Jahr 2005 verbesserte die Situation in Darfur nicht. Nach Schätzungen der UN starben in Darfur bisher rund 300000 Menschen und 2,7 Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.
Meinung zum Film:
Die vorliegende HBO-Dokumentation "Sand und Tränen" stammt von Regisseur Paul Freedman ("Time Machine: Rwanda - Do Scars Ever Fade?"). Sie wurde im Jahr 2007 von Hollywoodstar George Clooney ("Michael Clayton") produziert, der in der Originalfassung auch als Erzähler fungiert. Abseits seiner Erfolge im Popcornkino ("Ocean`s 13") engagiert sich Clooney mit viel Herzblut im Bereich des politisch-motivierten Kinos. Beispiele dafür sind "Syriana" oder "Good Night, and Good Luck." Sein Engagement für die Region Darfur und gegen den Völkermord geht aber deutlich über die Leinwand hinaus. Bereits im April 2006 besuchte er mit seinem Vater Flüchtlingslager in der Region und im angrenzenden Tschad. Aus dem dort gesammelten Filmmaterial entstand die Dokumentation "A Journey to Darfur". Seine diplomatischen Bemühungen in China und Ägypten, die mehr Druck auf den Sudan hervorrufen sollten, sind zudem in der Dokumentation "Darfur Now" aus dem Jahr 2007 festgehalten. Aufgrund seiner Bemühungen wurde Clooney mittlerweile zum offiziellen Friedensbotschafter der UNO ernannt.
Die vorliegende Dokumentation setzt sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen. Zunächst werden die Verbrechen vor Ort dokumentiert und Bewohner von Darfur erhalten die Gelegenheit ihrer Pein eine Stimme zu verleihen. Innerhalb der Dokumentation kommen außerdem immer wieder Experten zu Wort, die das Grauen vor Ort bestätigen und vor allem das Ausbleiben von Hilfe seitens der Internationalen Staatengemeinschaft beklagen und sich dementsprechend für eine (Militär-)Intervention stark machen. Unter diesen Experten bzw. Aktivisten befinden sich beispielsweise der jüdische Nobelpreisträger Elie Wiesel, Barack Obama, der zu dieser Zeit noch Senator von Illinois war, oder auch der einflußreiche Journalist der New York Times, Nick Kristof. Der dritte und letzte Bestandteil der Dokumentation begleitet verschiedene Initiativen, die Versuche unternehmen eine Intervention in Darfur zu erreichen. Leider ist die Struktur dieses Films längst nicht so klar abgegrenzt, wie diese Dreiteilung Glauben macht. Vielmehr fließen alle drei Teile wild und völlig unstrukturiert ineinander. Bereits der Einstieg verläuft sehr chaotisch und so verzichtet die Dokumentation beispielsweise leider auf eine sinnvolle Aufarbeitung der historischen Hintergründe des Landes wenigstens seit der Unabhängigkeit. Die eigentliche Aussage des Films lässt sich zudem auf ein simples "Alle gucken weg, so geht es nicht weiter" reduzieren. Dabei wird außerdem stets die Kontinuität der Ereignisse zum Völkermord in Ruanda oder den Vernichtungslagern im Dritten Reich betont. Natürlich hinken diese Vergleiche gewaltig, aber das ist den Machern offensichtlich völlig egal.
Der Konflikt selbst wird leider nur sehr vereinfacht wiedergegeben, so dass Aspekte wie die häufigen Dürreperioden und der aus ihnen resultierende Konflikt um Land und Wasser weitgehend ausgeblendet werden. Auch Erklärungen für die Zurückhaltung der internationalen Staatengemeinschaft werden nur vage angedeutet. Das umfasst z.B. die Bedeutung des Sudan für China oder die Verstrickungen der Regierung mit US-Geheimdiensten im "Kampf gegen den Terror". Diese oberflächliche und verkürzte Darstellung führt dann auch häufiger zu wenig schlüssigen Argumentationen. Der schwächste Teil der Dokumentation ist aber die Vorstellung von Aktionen gegen den Völkermord in Darfur. Zunächst wird hier aus unerfindlichen Gründen eine rein amerikanische Perspektive gewählt, in dem der Rest der Welt keine Rolle spielt. Zudem wirken Bewegungen wie eine Schülerinitiative eher deplaziert und haben einfach nicht die Bedeutung, wie ihnen hier Laufzeit zugestanden wird. Gerade wer sich übere größere, konkrete und wirksame Initiativen gegen den Völkermord in Darfur informieren möchte, ist mit "Darfur Now" deutlich besser bedient. Zudem erscheint die Dokumentation "Sand und Tränen" nun erst rund zwei Jahre nach ihrer Entstehung in Deutschland und ist mittlerweile einfach völlig veraltet. Der eigentliche Völkermord konnte zwar bisher nicht gestoppt werden, in der Zwischenzeit wurden aber gemeinsame Friedenstruppen der UN und der Afrikanischen Union, im Rahmen der "Hybridmission" UNAMID, stationiert. Außerdem hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) am 4. März 2009 einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al Baschir erlassen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD läßt leider zu wünschen übrig. Die Schärfe ist wenig überzeugend, das Bild ist allgemein grobkörnig, der Kontrast ist schlecht ausbalanciert und die Farbgebung wirkt ziemlich übersteuert. Offensichtlich wurden gerade im Krisengebiet preisgünstige Digitalkameras verwendet. Alle Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit ohne besondere Effekte. Die deutschen Fassungen wurden im Voice-over-Verfahren erstellt. Alternativ kann vorbildlicherweise auch die englische Tonspur Deutsch untertitelt werden.
Das Bonusmaterial dieser Veröffentlichung ist sehr spärlich ausgefallen. Der DVD liegt ein 4-seitiges Infoblatt bei, das Informationen zur bundesweiten Kampagne "GEMEINSAM FÜR AFRIKA" und zur Arbeit der "Gesellschaft für bedrohte Völker" beinhaltet. Die DVD enthält neben dem deutschen Trailer noch den Originaltrailer sowie den Unterpunkt "Projekte für Darfur". Darunter finden sich zum einen zwei kurze Clips der "Gesellschaft für bedrohte Völker", zum anderen die gleichen Informationen zur Kampagne "GEMEINSAM FÜR AFRIKA" wie in dem Infoblatt.
Fazit:
"Sand und Tränen" ist eine engagierte Dokumentation mit einem wichtigen Anliegen, die aber qualitativ leider bestenfalls durchschnittlich ist, was u.a. in ihrer eher oberflächlichen Darstellung der Hintergründe, ihrer Unstrukturiertheit und ihrer eingeschränkten Aktualität begründet liegt. Für eine relativ neue Dokumentation kann die Bildqualität nicht überzeugen und das Bonusmaterial ist unzureichend. Es empfiehlt sich daher eher ein Kauf der beiden qualitativ hochwertigen Dokumentationen "Die Todesreiter von Darfur" und "Darfur Now", die sich mit dem gleichen Thema, nur deutlich fundierter, auseinandersetzen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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93:54 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher Trailer
- Originaltrailer
- 2 Clips der "Gesellschaft für bedrohte Völker"
- Informationen zur Kampagne "Gemeinsam für Afrika"
- 4-seitiges Booklet mit Informationen zur Kampagne "Gemeinsam für Afrika" und zur "Gesellschaft für bedrohte Völker"
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Sand und Tränen
Sand and Sorrow
Ein nobles Anliegen macht noch keine gute Dokumentation - Zudem existieren glücklicherweise auch deutlich bessere Alternativen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007 Regie: Paul Freedman Drehbuch: Paul Freedman
Label :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart : 20.02.2009
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