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DVD-Besprechung - War Fighter 2

Story:
Im März 2000 soll eine kleine, russische Fallschirmjägereinheit mit einer Stärke von lediglich 92 Mann eine strategisch wichtige Anhöhe an der Grenze zu Dagestan gegen eine anrückende Rebellenarmee von ungefähr 2000 Mann halten. Dadurch soll deren Durchmarsch ins Krisengebiet verhindert werden. Die Mission ist jedoch ein Himmelfahrtskommando, da mit Verstärkung in naher Zukunft nicht zu rechnen ist.

Meinung zum Film:
Im Dezember 2007 veröffentlichte MIG den russischen Kriegsfilm "War Fighter", der auf eindrucksvolle Weise demonstrierte, dass nicht nur die Amerikaner in der Lage sind, bombastische Kriegsspektakel zu inszenieren. Der vorliegende Titel hat allerdings mit dieser Produktion rein gar nichts gemeinsam. Vielmehr entspringt der Titel "War Fighter 2" den bei Namensgebungen stets äußerst "kreativen" Köpfen von MIG, die hier offensichtlich alte, deutsche Verleihzeiten wieder aufleben lassen wollen und einfach eine Filmreihe ohne jeden Zusammenhang der Einzeltitel begründen. Zumindest die Ausgangssituation der beiden Filme ist allerdings ähnlich. Eine strategisch wichtige Anhöhe muß gegen überlegene Kräfte "heldenhaft" gehalten werden, auch wenn sich der Schauplatz von Tschetschenien an die Grenze zu Dagestan verlagert hat.

Bereits der erste Blick auf "War Fighter 2" macht dessen extrem niedriges Budget sichtbar. Der Look des Films, das eingesetzte Equipment und die aufgefahrenen Effekte liegen qualitativ näher am Amateurfilm als an einem professionellen Kinofilm. Zu Beginn rumpeln zwar auch mal ein paar Panzer durchs Bild, diese werden aber in den Kämpfen nicht eingesetzt und dienen, ebenso wie die wenigen Helikopter, lediglich als Transportmittel. Ganz tiefes Durchatmen ist auch hinsichtlich der Darsteller gefragt, die auf einem Niveau agieren, bei dem das Gelächter näher liegt als der Beifall. Allerdings existierte offensichtlich auch kein wirkliches Drehbuch und somit gab sich auch niemand Mühe hinsichtlich der Figurenzeichnung. Bestimmte Stereotypen wie der unterbelichtete, kriegsgeile Rambo-Typ, der verängstigte Frischling oder der unerschrockene Vorzeigeoffizier dürfen aber auf Seiten der Russen ebensowenig fehlen, wie ein paar böse, ehrlose und feige Moslems mit Waldschratoptik auf Seiten der Rebellen. Allerdings werden diese von den Russen eh nur durchgehend relativ simpel als "Schweine" oder "Dreckskerle" tituliert. Natürlich dürfen auch patriotische Scheißhausparolen zur Stärkung des Durchhaltewillens nicht fehlen. So meint beispielsweise ein Vorgesetzter zu seinem Soldaten, "Haben sie Angst? Dann gehen sie und erschiessen sie sich!" und auch ständige Anspielungen auf das russische Trauma des Afghanistan-Feldzugs sind vorhanden. Höhepunkt der verbal präsentierten geistigen Armut ist ein simpler Ausspruch gegen Ende, "Wenn man stirbt ist es egal, es kommt darauf an, wie man stirbt! Hauptsache ehrenvoll!".

Natürlich ist damit der Peinlichkeit noch nicht Genüge getan, denn innerhalb des Films existieren auch noch kitschige Traumsequenzen und Episoden von der "Heimatfront". Darin dürfen die Angehörigen der Soldaten im Feld auf eine Art und Weise agieren, die qualitativ noch deutlich unter dem Niveau einer brasilianischen Tele-Novela verläuft. Nun könnte der Film diese Schwächen ja vielleicht irgendwie auf dem Schlachtfeld kaschieren, allerdings sind von den 2000 Rebellen maximal fünfzehn gleichzeitig zu sehen, während die russische Einheit scheinbar nur aus weniger als zehn Männern besteht. Die Kampfsequenzen sind nicht sonderlich zahlreich und trotz der Laufzeit von lediglich 83 Minuten gibt es extrem viel Leerlauf. Kommt es dann aber doch mal zu Kampfhandlungen, überwiegt beim Zuschauer das Mitleid, allerdings nicht gegenüber den Gefallenen und Verletzten, sondern im Hinblick auf das niedrige Budget. Die wenigen sichtbaren Einschüsse werden mit Hilfe von kleinen Knallkörpern realisiert, die mickrigen Explosionen könnten nichtmal zu Silvester Eindruck machen und die Inszenierung der Schusswechsel folgt auch ewig dem gleichen Schema. Die Rebellen laufen nämlich einfach blind auf die Mündungen der russischen Maschinengewehre zu. Zwischendurch gibts noch patriotische Lieder, Anführer-Mobbing bei den Rebellen oder auch mal eine völlig bescheuerte Hip-Hop-Sequenz mitten auf dem Schlachtfeld.

Digitale Aufarbeitung:
Bei der Bildqualität machen sich ebenfalls die billigen Produktionsbedingungen des Films bemerkbar. Die Schärfe ist nur durchschnittlich ohne besondere Details. Gerade bei den Gesichtern wird ein deutlicher Rotstich des Films sichtbar, im Kontrastbereich neigt der Film zu häufigen Überstrahlungen und ist auch insgesamt viel zu hell ausgefallen. Ein deutliches Bildrauschen ist ebenfalls erkennbar. Die Dialoge sind bei allen Tonspuren gut verständlich, die Effekte der Schlachtenkulisse wirken allerdings akustisch sehr mau, auch wenn sie teilweise direktional genutzt werden. Die deutsche Synchronisation wirkt vollkommen künstlich und absolut leidenschaftslos vorgetragen und kann daher als mißlungen betrachtet werden.

Im Bonusbereich der DVD gibt es zwar ein "Making Of" (44:09), dieses liegt aber ausschließlich in russischer Sprache ohne jegliche Untertitel vor und ist dadurch, zumindest für Menschen ohne Russischkenntnisse, völlig nutzlos. Weiterhin gibt es noch eine kurze Slideshow zum Film auf der DVD. Und wer gerne mal die Verantwortlichen von MIG im Kriegszustand erleben möchte, der kann noch auf den berühmt-berüchtigten Fake-Trailer "3 Dicke Tschechenen" (5:54) zurückgreifen. Auch diese DVD von MIG verfügt wieder über ein Wendecover ohne dicken "FSK-Flatschen".

Fazit:
Wer einen billig heruntergekurbelten Kriegsstreifen knapp über Amateurfilmniveau sucht, der über keinerlei Dramaturgie verfügt, billigste Effekte auffährt, billige Klischees bedient und patriotische Flatulenzen absondert, der ist bei "War Fighter 2" an der richtigen Adresse. Wer hingegen einfach einen gut gemachten russischen Kriegsfilm sehen möchte, der greift entweder zu "War Fighter" aus gleichem Hause oder zu Kinowelts "Die Neunte Kompanie". Und wer unbedingt einen trashigen Kriegsfilm sehen möchte, der kann immer noch zu "Deadly Nam" greifen, der sich im Gegensatz zum vorliegenden Machwerk wenigstens nicht ernst nimmt.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
83:11 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Russisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Slideshow
  • "3 dicke Tscheschenen"
War Fighter 2 - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
War Fighter 2
Proryv

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Kein Krieg ist so grausam wie dieser Film, zumindest für den Zuschauer...


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland, 2006
Regie:
Witalij Lukin
Darsteller:
Aleksandr Peskov, Oleg Shtefanko, Igor Lifanov, Anatoliy Kotenev, Aleksandr Klyukvin

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
19.03.2009