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DVD-Besprechung - Die letzte Schlacht der Kreuzritter

Story:
Der geistliche "Deutsche Orden" beteiligt sich maßgeblich an der deutschen Ostkolonisation und steht im 14. Jahrhundert auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts existiert jedoch innerhalb der polnischen Bevölkerung zunehmend Widerstand gegen die Willkür des Ordens, wie z.B. das Getreidemonopol, das dieser mit päpstlichen Privilegien rechtfertigt. Der junge Adlige Zbyszko von Bogdaniec (Mieczyslaw Kalenik) gerät durch seine Verlobung mit Danusia (Grazyna Staniszewska) schließlich in die unversöhnliche Fehde zwischen dem polnischen Fürsten Jurand von Spychów (Andrzej Szalawski), ihrem Vater, und den Rittern des Ordens.

Meinung zum Film:
Bei der vorliegenden Veröffentlichung hat es sich MIG erneut nicht nehmen lassen, einen altbekannten Titel durch eine überflüssige Namensänderung unkenntlich zu machen. So handelt es sich bei dem Titel "Die letzte Schlacht der Kreuzritter" eigentlich um den polnischen Film "Die Kreuzritter" aus dem Jahr 1960. Nun befand sich Polen zu dieser Zeit unter sowjetischem Einfluss und deshalb verwundert es auch nicht, dass der Film unter der Regie des Russen Aleksander Ford, der im Jahr 1965 für das Kriegsdrama "Der erste Tag der Freiheit" in Cannes für die "Goldene Palme" nominiert war, propagandistische Züge trägt. Zunächst wird im Film der polnische Nationalstolz genährt, der sich dann in der finalen Schlacht bei Tannenberg (15. Juli 1410) in einem gemeinsamen Sieg an der Seite der "Bruderstaaten", also den Tschechen, den Litauern und natürlich vor allem den Russen, Bahn bricht. Der Film basiert auf dem Roman "Krzyżacy" (1900) aus der Feder des polnischen Literaturnobelpreisträgers Henryk Sienkiewicz, des Autors von "Quo Vadis", der bereits die nationalistische Komponente des Films beinhaltete. Die DVD verfügt über ein Wendecover, allerdings hat dessen Motiv überhaupt nichts mit dem Film zu tun und kann somit als misslungen gelten.

Der geschichtliche Hintergrund von "Die Kreuzritter" dürfte leider den wenigsten Zuschauern geläufig sein. Umso schwerer wiegt es, dass im gesamten Film nicht eine einzige Jahreszahl genannt wird, geschweige denn, dass ein die Ereignisse umschließender historischer Rahmen aufgespannt würde. Allerdings bedient sich der Film seines historischen Kontextes auch lediglich um eine simpel gestrickte Rache- und Liebesgeschichte zu transportieren. Die eigentliche Handlung ist dementsprechend rein fiktiv und bedient sich, aufgrund der bereits angeführten nationalistisch-propagandistischen Ausrichtung des Films, simpelster Schwarzweißmalerei. Der "Deutsche Orden" ist hier simplifizierterweise ein Zusammenschluss fanatisierter, sadistischer Ritter, die auch gerne mal in schönster Psychopathenmanier sadistischen Folterpraktiken fröhnen. Diesem üblen Treiben steht jedoch auf Seiten der gebeutelten Polen ein junger, strahlender Held namens Zbyszko entgegen, der zwar die Ausdruckskraft eines Holzscheites besitzt, dafür aber an Mut schwerlich zu übertreffen sein dürfte. Und spätestens als die finsteren, deutschen Gesellen diesem auch noch seine holde Maid entreißen, um diese im hauseigenen Folterkeller zu "verwöhnen", bleibt die gerechte Sache nicht länger nur ein patriotischer Akt, sondern wird fortan auch ziemlich persönlich.

Die im Film verkehrenden Charaktere lassen sich vorsichtig formuliert als recht eindimensional bezeichnen, während sich die eigentliche Handlung im Grunde auf eine recht altmodische Liebesgeschichte reduzieren läßt, die von einer unerbittlichen Fehde begleitet wird. Wer jetzt aber zumindest auf ansprechende Massenszenen hofft, der sieht sich getäuscht. Innerhalb der ersten 120 Filmminuten gibt es lediglich zwei kleine, ritterliche Zweikämpfe, dafür fallen aber die häufigen, extrem abrupten Szenenwechsel negativ ins Gewicht. Bei dem einzigen wirklichen historischen Fixpunkt, der finalen Schlacht bei Tannenberg, wird dann aber tatsächlich nach 150 Minuten eine nicht unbeträchtliche Zahl von Statisten aufgeboten. Die "Herrlichkeit" dieser Schlacht endet jedoch in dem Moment, als beide Schlachtreihen nicht länger aufeinander zu reiten. Darauf folgen leider nur noch einige misslungene Close-Ups sowie beträchtliche Staubwolken und eine der größten mittelalterlichen Schlachten überhaupt ist bereits nach deutlich weniger als zehn Minuten Geschichte.

Digitale Aufarbeitung:
"Die Kreuzritter" teilt leider das Schicksal vieler anderer osteuropäischer Filme und wurde offensichtlich nicht optimal gelagert. So wird die vorliegende Fassung, wie alle bisher weltweit erhältlichen DVDs, im Bildformat 1,78:1 präsentiert, obwohl das Original im noch deutlich breiteren Format 2,35:1 gedreht wurde. Das Ergebnis ist ein deutlicher Verlust an Bildinformationen, beispielsweise wird so mancher Charakter am Bildrand "abgeschnitten". Weiterhin wurde das Bild offensichtlich nicht digital aufbereitet. Die Vorlage weist zahlreiche Verschmutzungen und auch Beschädigungen auf, die Farben wirken auch noch ziemlich ausgeblichen. Die Bildschärfe ist selbst wohlwollend betrachtet eher unterdurchschnittlich ausgefallen und wirkt insgesamt zu weich. Das Bild wird außerdem von einem starken Rauschen begleitet und weist auch bezüglich der Kontrastwerte erhebliche Schwächen auf. Die deutsche Tonspur bietet zwar eine gute Verständlichkeit, klingt jedoch blechern und wird von einem nervtötenden Brummen im Hintergrund begleitet. Auf der DVD befindet sich auch die polnische Originaltonspur, aufgrund der fehlenden Untertitel dürfte sich deren Wert für die meisten Käufer allerdings stark in Grenzen halten.

Zu dieser Veröffentlichung gibt es leider keinerlei Bonusmaterial.

Fazit:
"Die Kreuzritter" ist ein actionarmer, künstlich in die Länge gezogener Historienschinken, dessen nationalistisch-propagandistische Ausrichtung sich in simpler Schwarzweißmalerei und naivem Pathos äußert. Die Ausstattung des Films wirkt zwar durchaus authentisch und relativ opulent, die simpel gestrickte, fiktive Handlung vernachlässigt aber historische Hintergründe auf Kosten einer eher oberflächlichen Darstellung. Technisch kann die vorliegende DVD wahrlich nicht überzeugen und verfügt über zahlreiche Schwächen, wer sich allerdings ernsthaft für den Film interessiert, findet bisher weltweit keine bessere Alternative.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
164:11 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Polnisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
Die letzte Schlacht der Kreuzritter - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Kreuzritter
Krzyzacy

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Simpel gestrickte, nationalistische Propaganda im mittelalterlichen Gewand, die technisch ähnlich betagt wirkt


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Polen, 1960
Regie:
Aleksander Ford
Drehbuch:
Aleksander Ford, Leon Kruczkowski, Jerzy Stefan Stawinski (basierend auf einem Roman von Henryk Sienkiewicz)
Darsteller:
Urszula Modrzynska, Grazyna Staniszewska, Andrzej Szalawski, Henryk Borowski, Aleksander Fogiel, Mieczyslaw Kalenik, Emil Karewicz

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
12.02.2009