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DVD-Besprechung - Die Frau mit den roten Stiefeln

Story:
Der exzentrische Millionär und Kunstfreund Perrot (Fernando Rey) bittet die erst 26-jährige Schriftstellerin Françoise LeRoi (Catherine Deneuve), gegen ein stattliches Honorar, ihre Lebensgeschichte in Buchform zu verewigen. Die einzige Bedingung besteht darin, dieses Buch in seinem Landhaus zu verfassen. Kurz darauf stoßen auch noch Marc Rignier (Adalberto Maria Merli), ihr neuer Lektor, und ihr Freund, der Maler Richard (Jacques Weber), hinzu. Diese Zusammenführung ist jedoch alles andere als zufällig und folgt einem perfiden Plan Perrots, der sie bereits lange vor ihrer Zusammenkunft in eine teuflische Dreiecksbeziehung miteinander verstrickt hat. Sein Plan entwickelt sich schließlich zu einer Art mentalem Duell mit Françoise, die jedoch übersinnliche Kräfte besitzt.

Meinung zum Film:
"Die Frau mit den roten Stiefeln" ist das zweite Werk von Juan Luis Buñuel ("Rendezvous zum fröhlichen Tod"), dem Sohn des berühmten spanisch-mexikanischen Regisseurs Luis Buñuel ("Der diskrete Charme der Bourgeoisie"), dessen besonderes Markenzeichen seinen Hang zum Surrealismus ausmachte. Die Karriere seines Sohnes verlief allerdings deutlich weniger erfolgreich. So folgte ein Jahr später noch der romantische Horrorfilm "Eleonore", worauf Buñuel Jr. er in den 80er-Jahren in den Niederungen des Fernsehgeschäfts verschwand. Mitte der 90er-Jahre kehrte er dem Filmgeschäft bis auf weiteres den Rücken und arbeitete fortan als Bildhauer. Die Hauptrollen des Films sind mit der Französin Catherine Deneuve ("Belle de Jour - Schöne des Tages") und dem Spanier Fernando Rey ("Dieses obskure Objekt der Begierde") nicht nur hochkarätig, sondern auch mit Stammschauspielern des Vaters besetzt.

"Die Frau mit den roten Stiefeln" ist vordergründig zunächst ein Thriller, der jedoch mit Fantasyelementen versetzt wird, einen gewissen surrealen Anstrich aufweist und außerdem auch noch durchaus dramatische Züge trägt. Dieses Höchstmaß an Heterogenität spiegelt sich auch im Drehbuch wieder, an dem gleich sechs verschiedene Personen arbeiteten. Die Gegensätzlichkeit der einzelnen Elemente und die offensichtlich bei den Verantwortlichen differierenden Auffassungen über den Charakter des Films, führen leider auch zu einem wenig überzeugenden Gesamteindruck. Die Thrillerhandlung um einen Exzentriker, der sich als Kunstliebhaber ausgibt, obwohl er die Kunst in Wahrheit hasst, und gerne seine Spielchen mit deren Schöpfern treibt, verläuft absolut vorhersehbar und eher gemächlich. Die ein wenig surreal anmutenden Fantasyelemente wirken hingegen ziemlich aufgesetzt und dienen scheinbar vor allem dazu, die müde Handlung inklusive niedriger Spannungskurve zu überdecken. Obwohl der Verlauf des Films eigentlich eher dramatische Züge trägt, wird er aber immer wieder mit künstlich überzeichneten, komödiantischen Einlagen begleitet. Eigentlich werden hier zwar drei Personen durch Manipulationen gegeneinander ausgespielt, trotzdem wirkt beispielsweise ein von Perrot heraufbeschworener Jagdunfall, in deren Verlauf Rignier seine Frau tötet, eher obskur. Allerdings erscheinen gerade diese ins Surreale hineinreichenden, komödiantischen Einlagen und Fantasyelemente sehr holprig inszeniert und zudem handwerklich mehr als simpel umgesetzt. Von dem Gespür und der Finesse seines Vaters für solche Situationen fehlt Juan Luis Buñuel hier jede Spur. So wird fernab jeder Subtilität über die Maßen auf die Macht der Symbolik gesetzt. Das äußert sich beispielsweise in einem Mehrebenen-Schachspiel, das ständig als Ausdruck von Perrots überdimensionalem Intrigenspiel bemüht wird.

Wären da nicht die beiden wirklich hervorragend agierenden Hauptdarsteller, wäre der Film wohl ein totaler Schiffbruch geworden. Catherine Deneuve als unkonventioneller Freigeist mit übersinnlichen Kräften und Fernando Rey als verrückter, feinsinniger Intrigant mit viel krimineller Energie geben jedoch eine absolut mitreißende Vorstellung ab und liefern somit zumindest ein paar Argumente für die Betrachtung des Films. Allerdings wandeln auch die Hauptdarsteller auf einem schmalen Grat. Eine absurde Szene, in der Rey beinahe an seinem Kopfkissen erstickt, wäre wohl ohne seine schauspielerische Ausdruckskraft schlichtweg peinlich ausgefallen. Besonders ärgerlich an diesem Film ist jedoch, dass er, nicht unüblich für den französischen Film, gerne mehr darstellen würde als er letztendlich tatsächlich ausmacht. Die enttäuschende Auflösung, die aus der Vorhersehbarkeit der Handlung heraus eigentlich nur alle Erwartungen des gelangweilten Zuschauers bestätigt, versetzt diesem Anliegen aber ebenso den Dolchstoß wie die übersinnlichen Elemente, deren Herkunft innerhalb der filmischen Realität niemals hinterfragt oder erläutert wird. Buñuel selbst wehrte sich übrigens gegen Vergleiche mit dem Werk seines Vater und hochtrabende Deutungsmuster des Films. Vielmehr bezeichnete er ihn als symbolischen Film über das Verhältnis der Welt zur Kunst. Perrot fühlt sich in seiner Normalität bedroht und schlägt gegen die Künstler zurück, deren überlegene Kreativität er als Bedrohung wahrnimmt.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der DVD ist leider enttäuschend ausgefallen. Besonders die unterdurchschnittliche Schärfe ist kein Grund zur Freude, aber auch die Farben wirken ausdrucksschwach. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, dass die Protagonistin des Films durchgehend Lederstiefel trägt, die eine braune Färbung aufweisen und keineswegs rot wirken. Die Vorlage weist außerdem einige Verschmutzungen und leichtere Beschädigungen auf. Das starke Bildrauschen ist ebenfalls nicht zu übersehen. Positiv ist lediglich der ausgewogene Kontrast zu vermerken. Alle drei Tonspuren sind gut verständlich, werden aber von einem leichten Rauschen begleitet, wobei dieses in der französischen Originalfassung am deutlichsten zu vernehmen ist. Die deutsche Synchronfassung ist älteren Datums und von überzeugender Qualität, klingt aber etwas dumpf.

Im Bonusbereich befindet sich lediglich der französische Originaltrailer zum Film.

Fazit:
"Die Frau mit den roten Stiefeln" ist bezüglich der Handlung eine langweilige Symbiose verschiedenster Genre-Elemente, die allerdings nicht miteinander harmonieren. Die Leistungen der beiden Hauptdarsteller geben dem Film zwar eine gewisse Daseinsberechtigung, handwerklich fällt das Werk jedoch eher enttäuschend konventionell aus und gerade bei den surrealen, fantastischen Komponenten des Werks zeigt sich, dass Vater und Sohn bezüglich ihrer Ausdruckskraft hier Welten trennen. Technisch ist die DVD ziemlich schwach ausgefallen, was allerdings wohl im Mangel einer adäquaten Vorlage begründet liegt, und bietet auch kein nennenswertes Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
89:41 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Englisch
Bonusmaterial:
  • Originaltrailer
Die Frau mit den roten Stiefeln - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Frau mit den roten Stiefeln
La Femme aux bottes rouges

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Keine roten Stiefel, keine wirkliche Filmkunst und schon gar keine ansprechende Unterhaltung


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / Frankreich / Spanien, 1974
Regie:
Juan Luis Buñuel
Drehbuch:
Roberto Bodegas, Juan Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière, Colette Crochot, Pierre-Jean Maintigneux, Clement Biddle Wood
Darsteller:
Catherine Deneuve, Fernando Rey, Adalberto Maria Merli, Jacques Weber, José Sacristán, Emma Cohen, Laura Bettie

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
20.02.2009