 |
DVD-Besprechung - Amok - He was a quiet man
Story:
Bob Maconel (Christian Slater) ist ein unscheinbarer Angestellter, der für seinen Vorgesetzten kaum mehr als ein Fußabtreter ist und kaum Kontakt zu seinen Kollege hat. Bob malt sich in seiner Fantasie aus, wie er besonders ungeliebte Kollegen erschießt oder wahlweise das ganz Bürogebäude in die Luft sprengt. Als eines Tages ein anderer Kollege im Büro Amok läuft und um sich schießt, stellt Bob diesen mit tödlichen Schüssen und wird fortan als großer Held gefeiert. Nur die von ihm gerettete, durch einen Schuss aber querschnittsgelähmte Vanessa Parks (Elisha Cuthbert) mag sich nicht in den Jubel einklinken, da sie lieber tot wäre als hilflos im Rollstuhl sitzen zu müssen. Doch Bob gibt nicht auf und versucht die Liebe seines heimlichen Schwarms zu gewinnen.
Meinung zum Film:
Wenn man die Frage beantworten müsste, welchem Genre „Amok - He was a quiet man“ angehörig ist, würde die Antwort sicherlich länger ausfallen, als man es normalerweise bei derartigen Fragen gewohnt ist. Regisseur und Drehbuchautor Frank A. Cappello („American Yakuza“) hat einen bunten Genre-Mix geschaffen, der meist dann, wenn man sich als Zuschauer gerade in die Handlung eingefunden hat, die Weichen neu stellt und sich in eine ganz andere Richtung weiter bewegt. Zu Beginn stellt sich der Film als Außenseiterdrama dar. Die zentrale Figur Bob Maconel wird von einem kaum wieder zu erkennenden Christian Slater („True Romance“) dargestellt. Hinter der Maske des unscheinbaren Angestellten, der mit schwindender Haarfülle, trister Einheitskleidung, Oberlippenbart und Brille wie das fleischgewordene Bild eines Bürotrottels erscheint, ist nicht viel von dem ansonsten am liebsten schelmisch grinsenden Schauspielers zu erkennen. In seinem Koffer trägt Bob stets eine schwarzen Box mit rotem Auslöseknopf, durch die er in seiner Fantasie in der Mittagspause das Bürogebäude sprengt. In seinem Rollcontainer liegt ein Trommelrevolver mit 6 Kammern und in seiner Fantasie malt Bob sich immer wieder aus, wie er die fünf am meisten gehassten Kollegen der Reihe nach erschießt und sich nur die 6 Kugel aufspart.
Nachdem Bob dann aber ein Kollege zuvor kommt, schlägt der Film plötzlich eine höchst alberne und kitschige Richtung ein. Der von einer Szene zur nächsten zum Helden der Stadt aufgestiegene Bob wird zum Vizepräsidenten für kreatives Denken ernannt. Jeder scheint auf einmal sein Fan zu sein und die Vorgesetzten, die ihn jüngst noch für ihre Späße missbrauchten, gehen nun mit ihm zum Golf spielen und zur Happy Hour in die Bar. Dieses Szenario hält im Grunde bis zum Ende des Films an, wird im weiteren Verlauf dann aber durch eine weitere Facette deutlich überlagert. Als Bob von der querschnittgelähmten Vanessa (Elisha Cuthbert / „24“) gebeten wird, das Werk des Amokschützen zu beenden, kann er dem Wunsch nicht nachkommen. Mit dieser Situation wendet sich der Film immer mehr zu einer tragischen Liebesgeschichte. Bob kümmert sich rührend um Vanessa und gewinnt ihr Herz, muss sich aber immer wieder mit den bissigen Kommentaren zu ihrem angeblich schlechten Wesen auseinandersetzen, mit denen er sich im Büro konfrontiert sieht. Zum Finale des Films kommen dann noch einmal abschließend alle bis dahin gesehenen Genrerichtungen in den Topf und es kommt zu einem Ende, das höchst enttäuschend ausfällt und kaum überzeugen kann. Auf der einen Seite wirkt alles ein wenig überhastet aufgelöst, auf der anderen Seite wurden während des Films Erwartungen geweckt, die hier nicht annähernd erfüllt werden können.
Im Gegensatz zu den Richtungsänderungen in der Geschichte, wird in zwei Punkten ein roter Pfaden verfolgt. Zum Einen ist dies der künstlerische Aspekt, der mit Zooms, Bildverfremdungen und Einstellungen der gesamten Szenerie oftmals ein surreal-groteskes Äußeres verleiht. Zum Anderen ist es die Welt aus den Augen von Bob zu zeigen, zum Beispiel wenn er imaginäre Zwiegespräche mit seinen Fischen führt oder sich wieder einmal in einem Tagtraum verliert. Der Film ist sicherlich alles anderes als übliches Kino mit linearer Erzählstruktur. Auf recht unkonventionelle Art führt Capello den Zuschauer in die Welt eines potentiellen Amokläufers, bei dem das kleinste Missgeschick ein schon lange bis zum Rand gefülltes Fass zum Überlaufen bringen kann. Seine Ausgangssituation ändert sich mit einem Mal aber grundsätzlich, während sich der Wasserstand aber weiterhin still im Hintergrund auf einem bedrohlichen Level befindet. Wer Kino abseits der üblichen Konventionen mag, wird sicherlich auch an „Amok - He was a quiet man“ seinen Gefallen finden. Wer allerdings auf eine gradlinige, authentische Erzählweise Wert legt, sollte sich besser nicht mit dem ruhigen Mann auseinandersetzen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist in der Schärfe durchschnittlich. Vor allem im Hintergrunde werden Details teilweise ein wenig schwammig. Insgesamt ist der Gesamteindruck aber gut, wird aber durch den Einsatz verschiedener Kunstfilter immer wieder gewollt leicht verfremdet. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist durchweg gut verständlich.
Als Extras gibt es neben dem Trailer zum Film und einer Bildergalerie noch 5 nicht verwendete, bzw. alternative Szenen, mit einer Gesamtspielzeit von rund 20 Minuten, allerdings nur in englischer Sprache ohne Untertitel. Darin inbegriffen sind auch zwei alternative Enden, die beide deutlich stimmiger ausfallen als das für den Film gewählte. Vor allem das dritte Ende wäre ein runder, passender Abschluss gewesen, der kaum einen Wunsch offen lässt.
Fazit:
Wer unkonventionelle Filme mit surreal-groteskem Anstrich mag, wird „Amok - He was a quiet man“ sicherlich lieben. Wer allerdings auf eine eher bodenständige, gradlinige Erzählweise mit plausiblen Ereignissen Wert legt, wird aber ebenso sicher enttäuscht.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,78:1
|
91:23 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch |
|
Bonusmaterial:
|
- Deleted / Alternate Scenes
- Originaltrailer
- Bildergalerie
|
|  |
Amok - He was a quiet man
He was a quiet man
Vom potentiellen Amokläufer zum liebeskranken Trostspender in nur wenigen Sekunden
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007 Regie: Frank A. Cappello Drehbuch: Frank A. Cappello Darsteller: Christian Slater, Elisha Cuthbert, William H. Macy, Jamison Jones, K.C. Ramsey, John Gulager, Sewell Whitney, Sascha Knopf
Label :
3L
Verkaufsstart : 12.03.2009
|