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The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

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DVD-Besprechung - Auf Distanz

Story:
Daniel Torres (Miguel Ángel Silvestre), ein junger aufstrebender Boxer, landet nach einem Ladendiebstahl mit Todesfolge für zwei Jahre im Gefängnis. Kurz vor Ablauf seiner Haftzeit besucht ihn plötzlich der mysteriöse Guillermo (José Coronado) und droht ihm die präparierte Tatwaffe unterzuschieben. Das würde eine Verurteilung wegen Mordes zur Folge haben, obwohl er den Mord gar nicht begangen hat. Guillermo läßt ihm aber einen Ausweg. Wenn er einen bestimmten Häftling aus seinem Zellentrakt tötet, wird Guillermo nichts unternehmen.

Meinung zum Film:
Für den Spanier Iñaki Dorronsoro ("El Ojo del fotógrafo") war "Auf Distanz" sein spätes Debüt als Regisseur und Drehbuchautor eines Werkes in Spielfilmlänge. Es blieb jedoch bis heute sein einziges Werk, enttäuschte kommerziell und feiert nun, nach einer sehr langwierigen Verschiebung seitens des deutschen Vertriebs, drei Jahre nach der Fertigstellung seine Deutschlandpremiere. Bei der Kritik konnte der Titel hingegen durchaus Achtungserfolge erzielen. So wurde der Film als einer der zehn besten europäischen Filme dieses Jahrgangs für die "Variety Critics’ Choice section" beim "Karlovy Vary International Film Festival" ausgewählt. Außerdem wurde er für den "Violette d'Or" beim "Toulouse Cinespaña" nominiert. Die Darstellerriege ist außerhalb Spaniens eher unbekannt, lediglich Federico Luppi ("Cronos") ist durch seine Mitwirkung in diversen Produktionen von Guillermo del Toro ("Pans Labyrinth") auch einem internationalen Publikum bekannt.

"Auf Distanz - Töten um zu Leben" ist ein Film der vor allem auf Emotionen, Metaphern und eine komplexe Erzählstruktur setzt. Leider wirkt das Endergebnis, gerade für einen Debütfilm, extrem konstruiert und überfrachtet. Offensichtlich hatte Dorronsoro einfach zuviele Ideen, die er in seinem ersten Langfilm unterbringen wollte und verlor dadurch das Gleichgewicht des Gesamtkunstwerks aus den Augen. Nicht wirklich überzeugend ist bereits die Einführung des Hauptcharakters Daniel. Der Zuschauer erlebt ihn zunächst als Häftling. Der Überfall, für den er sitzt, wird nicht gezeigt und warum ein aufstrebender Boxer einfach mit einem bewaffneten Kumpanen einen Laden überfällt, bleibt im Verlauf des gesamten Films ungeklärt. Kurz danach bekommt er von einem Unbekannten den Auftrag einen Mithäftling zu töten. Obwohl er keinerlei Garantien besitzt, tötet Daniel, gerade als es so aussieht als befände er sich in einem moralischen Dilemma, kurz angebunden sein Opfer. Im Verlauf des Films kommt es immer wieder zu schwer nachvollziehbaren Handlungen aller Hauptbeteiligten, denn anders gelingt es Dorronsoro leider nicht seine eher komplex angelegte Erzählung aufrecht zu erhalten. So verliebt sich Daniel nach seiner Entlassung ausgerechnet in die Frau seines Opfers und ein auf Daniel angesetzter Killer entpuppt sich als homosexuell und verliebt sich ausgerechnet in sein Opfer. Ferner ist der Film auch hinsichtlich seiner Symbolik und Metaphern ziemlich übertrieben gestaltet und greift sehr häufig christliche Motive auf. So gestaltet sich Daniels Leben als Leidensgeschichte, in der er nach Vergebung für seine Sünden trachtet und versucht sich durch Schmerz und Leid reinzuwaschen. Die Figur des Killers durchläuft hingegen eine Art Wandlung vom Saulus zum Paulus. Der Weg der Liebe bringt ihn auf den Pfad der Einsicht seiner Verfehlungen und mündet in seine Läuterung.

Die Einordung des Films fällt ebenfalls schwer. Die Figur des Daniel würde am besten in ein Drama passen, während die wenig zahlreichen aber sehr gut choreographierten Boxkämpfe und die Vaterfigur seines Trainers jedem "Rocky"-Teil gut zu Gesicht stehen würden. Die im Hintergrund wirkenden dunklen Kräfte, korrupte Polizisten und ein komplex verstricktes Personengeflecht passen hingegen eher zu einem Thriller, aber auf Kosten dieser Struktur und der eher emotional angelegten Drama-Komponente kommt hier die Spannung leider viel zu kurz. Die Affäre mit der Frau des Toten, einer Nutte, wirkt hingegen aufgrund ihrer Ausgestaltung wie ein verschämter Versuch auch einen Hauch Erotik in die Handlung einzubringen. Dieses Motiv wird aber schnell fallengelassen und die zunächst rein körperliche Beziehung wandelt sich zu einer handfesten, tragischen Romanze.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe wirkt auf den ersten Blick gut, offenbart dann aber bei genauerer Betrachtung einen Mangel an Details. Die Farbgebung des Films wirkt bewusst kühl und zurückhaltend. Der Kontrast hätte durchaus noch etwas härter ausfallen können und zeigt in sehr dunklen Szenen leichte Schwächen. Bildrauschen fällt so gut wie gar nicht ins Gewicht. Grundsätzlich sind beide Tonspuren gut verständlich, die spanische Tonspur klingt aber etwas kräftiger und erweckt auch einen natürlicheren Eindruck. Aufgrund der Tatsache, dass der Film eher ruhig ausgefallen ist, sind die Tonspuren sehr frontlastig ausgefallen.

Auf der DVD befindet sich ein Making Of (15:20), das zwar diverse Aspekte des Films anspricht, diese aber aufgrund seiner kurzen Laufzeit insgesamt nur sehr oberflächlich behandelt. Zudem befinden sich im Bonusbereich der DVD noch der deutsche Originaltrailer und eine Bildergalerie mit Fotos.

Fazit:
"Auf Distanz" kann handwerklich zunächst überzeugen und bietet eine ansprechende, unterkühlte Optik, eine pointierte Kameraführung, professionell agierende Darsteller und ansprechend choreographierte Boxkämpfe. Leider werden die zwanghaften Bemühungen um Komplexität aber mit sehr vielen Logiklöchern und fehlender Spannung erkauft. Der Film kann sich auch nie wirklich für ein Genre entscheiden, da Iñaki Dorronsoro insgesamt leider in seinem Erstling einfach zuviele Ideen und unterschiedliche Ansätze unterbringen wollte. Technisch geht diese Veröffentlichung in Ordnung, das Bonusmaterial ist allerdings enttäuschend ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
104:13 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Originaltrailer
  • Bildergalerie
Auf Distanz - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Auf Distanz - Töten um zu Leben
La Distancia

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Völlig überfrachtetes Thriller-Drama, das sich seine Komplexität mit Spannungsarmut und Logikfehlern erkauft


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Spanien, 2006
Regie:
Iñaki Dorronsoro
Drehbuch:
Iñaki Dorronsoro
Darsteller:
Miguel Ángel Silvestre, José Coronado, Federico Luppi, Belén López, Lluís Homar, Julio Vélez

Label Deutschland :
3L
Verkaufsstart Deutschland :
12.03.2009