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DVD-Besprechung - Petrus - Die wahre Geschichte

Story:
Petrus (Omar Sharif) sollte einst Jesus (Johannes Brandrup) dreimal verleugnen und doch sein größter Apostel werden. Die Geschichte dieser Verfilmung beginnt mit der Kreuzigung von Jesus und zeigt, wie die ersten Propheten den neuen Glauben verbreiten…

Meinung zum Film:
Ob die RAI ein Zeichen der Aussöhnung setzen wollte, als sie den Moslem Omar Sharif („Doktor Schiwago“) als Petrus castete, oder ob man einfach nur einen berühmten Namen für die TV-Umsetzung des Bibelstoffes haben wollte, wird nicht ultimativ zu klären sein. Es bleibt denn auch nur eine etwas eigenartige Randnotiz bei diesem Fernsehfilm, der in zwei Teilen das Leben von Petrus nach Jesus Kreuzigung erzählt. Es ist durchaus kritisch zu sehen, dass das staatliche Fernsehen Italiens diesen Film produziert hat, denn man wird wohl kaum erwarten einen kritischen, historisch korrekten Umgang mit der Geschichte Petrus zu sehen zu bekommen. Da ist es kein Wunder, dass hier vieles so gezeigt wird, als hätte die katholische Kirche selbst Regie geführt. Petrus wird als Fels in der Brandung gezeigt, der die Kirche gründet, eben so, wie es die Kirche gerne sieht. Für glaubende Christen funktioniert dieser Film denn auch sehr gut und bietet im ersten Teil einen netten Überblick über das Wirken der Propheten, deren Grundfeste Petrus ist.

Vielleicht waren sich die Macher dann aber auch irgendwann darüber bewusst, dass der Miniserie ein wenig Drama gut tun könnte, jedenfalls dann, wenn man nicht nur gläubige Zuschauer vor dem Fernseher fesseln wollte. Im zweiten Teil wurde das Ganze zu einer Art „Gladiator“-Kopie ausgebaut. Fortan spielte das Ganze nicht mehr in Israel, sondern in Rom und rund um Petrus wurde eine unglückliche, fiktive Liebesgeschichte aufgebaut, dazu noch ein unbekannter Gladiator und ein reicher Römer und schon hatte man eine Geschichte für sich. Das ist denn auch das Problem dabei: Diese Geschichte hat nur an wenigen Punkten Berührung mit der Geschichte rund um Petrus. So nett auch diese Geschichte ist, so unnütz ist sie doch. Man hätte letztendlich all dies weglassen und die ganze Miniserie einkürzen können. Dabei hätte ein zweistündiger Film herauskommen können und nicht eine Miniserie mit fast 200 langen Minuten. Speziell der zweite Teil zieht sich wie ein endloser Kaugummi und der Zuschauer würde am liebsten immer wieder nachfragen, wann denn nun wieder Petrus zu sehen ist. Da hat man sich insgesamt keinen Gefallen getan.

Insgesamt bleibt das das Ensemble der Miniserie relativ blass, nur Omar Sharif kann wirklich überzeugen und ist die Stütze des Films. Wäre er nicht, würde man schon sehr früh abschalten. Einzug Johannes Brandrup („Die Kreuritter“) als Jesus bleibt noch im Gedächtnis haften, vielleicht auch weil er dem Charakter einen kleinen diabolischen Schwung mitgibt. Das ist gar nicht mal so dumm, denn wenn man bedenkt, was er Petrus abverlangt, dann ist das irgendwo nicht mehr mit Nächstenliebe zu erklären. Der arme alte Mann wird ja geradezu dazu getrieben, zum Kirchenführer zu werden. Neben Brandrup und Sharif sind die Ausstattung und die Kulissen des Films zu erwähnen. Hier hat man sich viel Mühe gegeben, das Ganze authentisch wirken zu lassen. Allerdings muss man dazu sagen, dass die vorliegende Miniserie zu der Maxiserie „Imperium“ gehört und von daher auch die Finanzierung der Ausstattung auf viele Schultern verteilt werden konnte. Entsprechend viel Budget stand dann auch für diese TV-Produktion zur Verfügung. Das sieht man. Sicherlich ist das Ganze auch sehr schön gefilmt worden. Wenn man sich also weder am Drehbuch noch am Schauspiel so recht erfreuen kann, dann doch zumindest an den Aufnahmen an sich.

Digitale Aufarbeitung:
Am Bild lässt sich nicht aussetzen. Kontrast und Farben sitzen perfekt, hier hat man sich viel Mühe gegeben. Interessant ist aber der Ton. Der liegt in drei Sprachen in Dolby Digital 2.0 vor. Das ist für Fernseh-Verhältnisse in Ordnung. Aber dass man bei einer so aufwendigen Produktion nicht auch an die DVD-Verwertung gedacht und einen Surround-Sound produziert hat, ist zumindest schade. Die deutsche Synchronfassung ist sehr gut geworden, aber was sich die Produzenten bei der italienischen und der englischen Tonfassung gedacht haben, ist fraglich. Ohne Zweifel ist in Englisch gedreht worden, aber warum dann die Lippensynchronität nur in den seltensten Fällen sitzt, ist nicht verständlich. Die italienische Version ist in dieser Hinsicht auch nicht gerade positiv zu nennen.

In einer Slideshow sind etliche Standbilder und Fotos aus der Produktion zu sehen. Außerdem gibt es den Originaltrailer. Das Making Of ist gerade einmal fünf Minuten lang und bietet nur wenige Einblicke. Es ist zudem nur mit einer italienischen Tonspur ausgerüstet. Ohne Untertitel macht dieses Making Of für den Durchschnittsdeutschen allerdings keinen Sinn. Das hätte man sich dann auch sparen können.

Fazit:
„Petrus: Die Wahre Geschichte“ wirbt eigentlich mit dem falschen Attribut. Wahr ist hier vor allem im zweiten Teil nur sehr wenig. Das hätte man insgesamt sehr viel besser und unterhaltsamer machen können.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
199:24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Slideshow
  • Originaltrailer
Petrus - Die wahre Geschichte - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Petrus - Die wahre Geschichte
San Pietro

Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Er wurde zum Fischer von Menschen


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 2005
Regie:
Giulio Base
Drehbuch:
Gianmario Pagano, Salvatore Basile, Francesco Arlanch
Darsteller:
Philippe Leroy, Ettore Bassi, Milena Miconi, Flavio Insinna, Claudia Koll, Sydne Rome, Fabrizio Bucci, Johannes Brandrup, Lina Sastri, Daniele Pecci, Omar Sharif

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
02.04.2009