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DVD-Besprechung - Im Glaskäfig
Story:
Klaus (Günter Meisner) ist ein nach dem Krieg in Spanien untergetauchter KZ-Arzt, der nur noch in einer Eisernen Lunge überleben kann. Gepflegt wird er von seiner Frau Griselda (Marisa Paredes) und der gemeinsamen Tochter Rena (Gisèle Echevarría). Eines Tages steht Angelo (David Sust) in Klaus’ Zimmer und bietet sich als Krankenpfleger an. Nach kurzem Zögern gibt Griselda diesem Wunsch nach, ohne dabei jedoch zu ahnen, welchen tragischen Verlauf sie damit in Gang bringt.
Meinung zum Film:
Als Vielfilmer kann Regisseur und Drehbuchautor Agustí Villaronga („El Mar – Das Meer“) sicherlich nicht bezeichnet werden. Über einen Zeitraum von rund 30 Jahren brachte er es gerade mal auf 11 Filme. Der wahrscheinlich bekannteste, ganz sicher aber am meisten diskutierte Beitrag ist vorliegender „Im Glaskäfig“, der nach „Ein Kind zu töten...“ als nächste Veröffentlichung aus der Kategorie „kontroverses Kino“ bei Bildstörung im Programm erscheint. Eine große Kontroverse des Films ist die Grundlage eines KZ-Arztes, der während seiner Zeit in den Konzentrationslagern große Freude daran hatte, Kinder zu missbrauchen und zu töten. Diese Geschehnisse werden zwar nie im Bild gezeigt, doch durch ausführlich vorgelesene Passagen aus seinen Tagebüchern kann man sich als Zuschauer kaum dagegen wehren, dass sich eindeutige, schockierende Bilder vor dem geistigen Auge aufbauen. Villaronga lässt dem Publikum stets genügend Zeit und Ruhe, um die gelesenen Worte zu Bildern gedeihen zu lassen, indem er in diesen Momenten nur minimale Reize in den Bildern setzt und dem gesprochenen Wort weitestgehend die Bühne überlässt.
Die Folter aus den Kriegszeiten ist aber nur die Grundlage des Films und das grobe Gerüst für den Aufbau der Kerngeschichte um das Verhältnis zwischen Angelo und Klaus. Wie unschwer zu erahnen ist, haben beide einen Berührungspunkt in der Vergangenheit, der zu einer perversen Verstrickung ihrer Charaktere führte. Klaus hat sich zwischenzeitlich schon lange von seinen ausgelebten Perversionen verabschiedet, nicht zuletzt da er nun vollkommen bewegungslos in seiner Eisernen Lunge ein hilfloses Dasein fristet. Angelos hingegen war schon immer fasziniert von der Machtausübung gegenüber Wehrlosen und nun lebt er seine perversen Gelüste an Klaus aus, der nun selbst seine eigene Medizin zu schmecken bekommt. Angelos beginnt damit die Verhältnisse im Haus nach seinen Wünschen neu zu ordnen. Das Hausmädchen und Griselda vertreibt er auf unterschiedliche Weise aus dem Anwesen und Töchterchen Rena macht er sich unterwürfig. Damit ist dann der Platz vorhanden, um den letzten Schritt vom faszinierten Lehrknaben zum Herrn über den einstigen Meister zu vollziehen. Ähnliche wie bei Stephen Kings „Apt Pupil“ muss der einstige Nazi-Bösewicht mit ansehen, wie er von der Vergangenheit nicht nur eingeholt, sondern gleich hilflos von ihr überrollt wird.
Das perfide an dem Szenario ist, dass die Einteilung von Opfer und Täter für den Zuschauer kaum möglich ist. Klaus hat im Grunde gleich zu Beginn jegliche Chance auf Sympathie und Mitleid verspielt, als er ein gefesseltes Kind foltert. Wenn Angelos beginnt, ihm mit immer härteren Aktionen zu zeigen, dass er nun die Macht über Leben und Tod hat, ist das auf der einen Seite schockierend, aber spätestens wenn dann klar wird, welche Grausamkeiten Klaus gegenüber Kindern genossen hat, wird selbst aufkeimendes Mitleid gleich wieder im Keim erstickt. Bei Angelos ist die Ausgangslage ein wenig anders und differenzierter. Als einstiges Opfer gehören ihm zu Beginn die Sympathien, doch recht schnell beginnt auch er mit seinen Aktionen, sämtlichen Kredit aufzubrauchen. Es stellt sich schnell die Frage, wie weit die Ursache die Wirkung rechtfertigt. Am Ende kommt man sicherlich zu der Erkenntnis, dass sich Klaus und Angelos verdient haben und ihr Schicksal unweigerlich miteinander verknüpft ist. Lediglich Rena als unschuldiges Wesen zwischen den Fronten kann einem Leid tun. Aber zumindest was ihre Person betrifft, hat Agustí Villaronga Mitleid mit dem Zuschauer und lässt sie bei den meisten Aktionen außen vor. Allerdings hat auch sie einen markanten Auftritt in Sachen schockierender Momente, der an dieser Stelle aber nicht verraten werden soll. „Im Glaskäfig“ ist ganz sicher kein leicht verdaulicher Film und schon gar kein Horror-Thriller, den man sich mal eben zu schaurig-schönen Unterhaltung ansieht. Er ist ein sehr deprimierendes Charakterdrama, das auf die zerstörte Seele eines jungen Mannes blickt, dessen Lebenszug in jungen Jahren bereits auf ein falsche Gleis gelenkt wurde.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist sehr gut gelungen und versteht es mit einer sehr guten Schärfen, kaum vorhandenen analogen Defekten und klaren Aufnahmen zu glänzen. Der Ton liegt lediglich in spanischer Sprache in Dolby Digital 2.0 vor, deutsche Untertitel können aber wahlweise eingeblendet werden.
Wie mittlerweile schon gewohnt hat man sich bei Bildstörung auch dieses mal wieder bemüht, interessantes Bonusmaterial auf die DVD zu pressen. So gibt es diesmal ein sehr ausführliches, eigens für diese Veröffentlichung produziertes Interview mit Agustí Villaronga, der zusätzlich auch noch einen Audiokommentar einsprach. Beides gibt einen sehr ausführlichen Einblick in die Entstehung und die Hintergründe des Films. Auch bei der Bildergalerie ließ es sich der Filmemacher nicht nehmen, diese durchgehend mit seinen Kommentaren zu versehen. Zusätzlich befindet sich bei den Extras noch ein Storyboard-Vergleich einer Szene, bei der oben links die Storybaord-Grafik zu sehen ist und unten rechts der Film. In Storyboards gibt es auch noch eine alternative Eingangssequenz. Zusätzlich liegt der DVD noch ein Booklet mit einem ausführlichen Essay von Marcus Stiglegger bei.
Ausgeliefert wird der Film in einem Schuber, den Gegnern der neuen FSK-Logos hat man wieder den Gefallen getan, diesen mit einem Einleger zu versehen, wodurch man sich des übergroßen FSK-Siegels bequem entledigen kann.
Fazit:
„Im Glaskäfig“ ist ein sehr düsteres, verstörendes Charakterdrama über die zerstörte Seele eines jungen Mannes, der in seiner Kindheit eine schicksalhafte Prägung erhielt. Grafische Gewalt gibt es kaum zu sehen, aber die Berichte über die Gräueltaten aus KZ-Zeiten und die quälenden Aktionen, die der wehrlose Klaus über sich ergehen lassen muss, sind alles andere als leicht zu verdauen. Nicht leicht zu verdauen ist im Grunde der gesamte, sehr ruhig inszenierten Film, der so manchen wohldosierten Tiefschlag zu setzen versteht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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107:24 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Spanisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisser Agustí Villaronga
- Interview mit Agustí Villaronga
- Bildergalerie mit Kommentaren von Agustí Villaronga
- Storybaord-Vergleich einer Filmszenen
- Alternativer Anfang als Storyboard
- Trailer
- Booklet mit Essay zum Film von Marcus Stiglegger
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Im Glaskäfig
Tras el cristal
Eine ruhige, düstere Studie einer zerstörten Kinderseele
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Spanien, 1987 Regie: Agustí Villaronga Drehbuch: Agustí Villaronga Darsteller: Günter Meisner, David Sust, Gisèle Echevarría, Marisa Paredes, Imma Colomer
Label :
Bildstoerung
Verkaufsstart : 13.03.2009
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