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DVD-Besprechung - Der Junge im gestreiften Pyjama
Story:
Deutschland, Anfang der 40-er Jahre: Zu seiner großen Enttäuschung muss der achtjährige Bruno (Asa Butterfield), Sohn eines Nazioffiziers (David Thewlis), vom geliebten Haus in Berlin in ein trostloses Gebäude auf dem Lande umziehen. Da die Eltern beschäftigt sind und er mit seiner zwölfjährigen Schwester nichts anfangen kann, beginnt der gelangweilte Bruno trotz Verbotes die Gegend seiner neuen Heimat zu erkunden. Die Gebäude, auf die er dabei stößt, hält er für einen Bauernhof, auch wenn er sich keinen Reim auf die einheitliche gestreifte Kleidung der Menschen an diesem Ort machen kann. Obwohl sie durch einen hohen Stacheldrahtzaun getrennt werden, schließt er Freundschaft mit Shmuel (Jack Scanlon), der dort lebt, und im Verlauf vieler Besuche beginnt der bis dato wohl behütete Bruno langsam zu verstehen, dass an diesem Ort etwas Schreckliches passiert und sein Vater damit etwas zu tun hat. Trotzdem entschließt er sich, seinem Freund zu helfen und mogelt sich in das Lager, als der Vater von Shmuel auf einmal verschwindet.
Meinung zum Film:
"Der Junge im gestreiften Pyjama" basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch des irischen Autors John Boyne und greift die Thematik des Holocausts sehr sensibel und von einem neuen Blickwinkel aus auf. Nicht das Leiden einer ganzen Religionsgruppe steht hier im Fokus, sondern die persönliche Geschichte eines Kindes, welches mit seiner Unschuld und Offenheit kein Konzept für die Tragödie hat, die sich um ihn herum abspielt. Durch die Beschränkung der Geschichte auf die Familie und insbesondere auf die zwei Jungen werden die - bis zuletzt immer indirekt dargestellten - Schrecken des Holocaust und der KZ unglaublich persönlich und für den Zuschauer, insbesondere junge Kinogänger, sehr greifbar.
Dazu baut Regisseur Mark Herman ("Hope Springs") stark auf das Vorwissen seines Publikums - bis zum Ende wird die Geschichte zum Großteil aus der Perspektive der Kinder erzählt, die beide nicht wissen, was vor sich geht und viele offensichtliche Hinweise nicht verstehen können oder falsch deuten. Immer wieder greift der Film auf das Thema der Unschuld zurück, verkörpert durch die beiden Jungen, und zeigt wie schwer das Ausmaß der Ereignisse dieser Zeit für sie zu begreifen war.
Die Darstellungsweise der Geschichte und ihrer Auswirkungen auf die Charaktere und ihre Umwelt ist sehr gut gelungen. Sei es der Wechsel vom mit warmem Holz ausgekleideten Haus in Berlin zum kalten Steinbunker in der Nähe des KZs oder der langsame Verfall Elsas, die sich nicht mehr um ihre Aussehen schert und immer mehr verzweifelt, nachdem sie zufällig erfährt, was ihr Mann eigentlich macht. Abgerundet wird der Film durch sehr gute darstellerische Leistungen aller Schauspieler, wobei Asa Butterfield ("Der Sohn von Rambow") in der Rolle des Bruno und David Thewlis ("Harry Potter und der Halbblut-Prinz") als sein Vater besonders hervorzuheben sind. Ersterer einfach durch die grundsolide Leistung, die er trotz seines Alters abliefert, nie zweifelt man an Brunos Naivität, Angst oder Freude. Und Thewlis schafft es, seinen Charakter nicht als Schwarz-Weiß-Karikatur eines “typischen” Filmnazis darzustellen, sondern zeichnet ein detailliertes Bild des liebevollen und besorgten Familienvaters, der aber täglich mehrere hundert Leben auslöscht.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild fällt vor allem durch seine ausgeprägten Detailstufe sehr positiv ins Auge. Die Farben wirken bei Innenaufnahmen ein wenig wie in erdige Töne getaucht, was dem Film einen feinen Retro-Touch verleiht. Der Ton ist durchgehend sehr gut verständlich, Raum für großartige Effekte ist wegen des Themas nicht gegeben. Allerdings sorgt der tolle Soundtrack von James Horner („Titanic“) immer wieder dezent für Räumlichkeitsgefühl.
Bei den Extras gibt es zunächst einen Audiokommentar mit Regisseur/Drehbuch-Autor Mark Herman und Roman-Autor John Boyne, der einiges über Unterschiede zwischen Buch und Film zu berichten weiß und zahlreiche Hintergrundinformationen liefert. Hinter „Freundschaft, die Zäune überwindet“ verbirgt sich ein Making Of, das noch weitere Informationen zu den Intentionen beim Dreh und die Entstehungsgeschichte bereit hält. Erfreulicherweise wird dabei weitestgehend auf gegenseitige Beweihräucherung verzichtet. Den Abschluss beim kleinen, aber immerhin feinen Bonusmaterial bilden fünf nicht verwendete Szenen, die wahlweise mit Kommentar von Mark Herman und John Boyne angesehen werden können. (MT)
Fazit:
“Der Junge im gestreiften Pyjama” belehrt nicht und zeigt auch nicht mit dem Finger auf etwaige Schuldige; er zeichnet ein Bild aus der Alltagswelt von Kindern, die in einer Zeit aufwachsen, die für Kinder nicht zu begreifen ist. Er ist ein Film, der mit sanften Bildern eine schreckliche Zeit wiedergibt - ohne dabei Grausamkeiten zu zeigen oder auf exzessive Gewaltszenen zurückgreifen zu müssen. Dadurch ist er auch für eine jüngere Zielgruppe geeignet als beispielsweise ‘Schindlers Liste’, wobei er aber in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden sollte.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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90:36 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 | Italienisch Dolby Digital 5.1 |
Türkisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch, Hebräisch, Italienisch, Serbokratisch, Slowenisch, Türkisch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar mit Regisseur/Drehbuchautor Mark Herman und Roman-Autor John Boyne
- Freundschaft, die Zäune überwindet
- Zusätzliche Szenen
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Der Junge im gestreiften Pyjama
The Boy in the Striped Pajama
Eine schreckliche Zeit aus der Sicht von unschuldigen Kinderaugen
Autor der Besprechung:
Julia Altermann
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK / USA, 2008 Regie: Mark Herman Drehbuch: Mark Herman (basierend auf dem Roman von John Boyne) Darsteller: Asa Butterfield, Jack Scanlon, Amber Beattie, David Thewlis, Vera Farmiga, David Hayman
Label :
Miramax
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