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DVD-Besprechung - So glücklich war ich noch nie

Story:
Nach zwei Jahren Haft wird der Hochstapler Frank (Devid Striesow) entlassen. Er findet bei seinem Bruder Peter (Jörg Schüttauf) eine Bleibe, obwohl dessen Freundin (Floriane Daniel) darüber gar nicht glücklich ist, und versucht, sich wieder in den normalen Lebensalltag zu integrieren. Da begegnet er zufällig Tanja (Nadja Uhl), die er kurz vor seiner Verhaftung getroffen hatte. Er verliebt sich in sie. Als er erfährt, dass sie als Prostituierte arbeitet, beschließt er sie freizukaufen. Doch um an das nötige Geld zu kommen, muss er wieder auf seine alten Tricks zurückgreifen.

Meinung zum Film:
„So glücklich war ich noch nie“ ist eine Tragikomödie, die sich um das Thema des Hochstaplers dreht. Der Film ist das Kinospielfilmdebüt von Drehbuchautor Alexander Adolph („Tatort“), der auch selbst Regie führt. Schon in seiner Dokumentation „Die Hochstapler“ hat er sich mit dem gleichen Thema befasst. Hier zeigt er den Hauptcharakter Frank als jemanden, dessen Hochstapelei mehr ist als nur eine Gaunerei. Sie ist fast schon krankhaft, wie eine Sucht. Dass Frank auch ohne die erneute Begegnung mit Tanja wieder rückfällig geworden wäre, kann man zum Beispiel in einer Szene erkennen, in der er seinem Bruder bei einem Verkaufsgespräch hilft. So kommt es dann fast unvermeidlich, dass er immer größere Probleme mit immer hochfliegenderen Aktionen zu lösen versucht.

Es ist denn auch Devid Striesow („Die Fälscher“) als Frank, der mit seinem sehr guten und fassettenreichen Spiel den Film weitgehend trägt und erst wirklich glaubhaft macht. Er lässt die innere Zerrissenheit Franks erkennen, der immer wieder in verschiedene Rollen schlüpft. Und in jeder der ja eigentlich sehr verschiedenen Rollen, die er mit diesem einen Charakter spielt, bringt er genau die richtigen Nuancen ein. Nadja Uhl („Der Baader-Meinhoff-Komplex“) hingegen wirkt als die Prostituierte Tanja etwas klischeehaft, so wenn sie von Frank auf ihre frühere Begegnung angesprochen wird. Am stärksten zeigt sich das, als sich auch Franks Bewährungshelfer als einer ihrer Kunden herausstellt. Die Nebenrollen sind sehr gut besetzt, vor allem Jörg Schüttauf („Berlin Is in Germany“) ist hervorragend als Franks älterer Bruder Peter. Er bringt die Unsicherheit dieses Charakters gut zum Ausdruck, aber auch die Verbundenheit mit seinem Bruder. Floriane Daniel („Kirschblüten – Hanami“) überzeugt als Peters Freundin Marie, die Frank hasst für seinen Einbruch in ihr geordnetes Leben. Thorsten Merten („Meer is nich“) hat als Peters Auftraggeber Schlickenrieder und später Franks Opfer die humorvollsten Szenen des Films.

Bemerkenswert ist auch die Kameraarbeit von Jutta Pohlmann („Die Anruferin“). Mit scheinbar einfachen Mitteln betont sie immer wieder die beklemmende Enge, in der Frank und fast mehr noch Peter sich bewegen. Szenen in Peters Kleinwagen, den Frank sich leiht, oder in Peters Wohnung unterstreichen dies immer wieder. Als Gegensatz werden diesen Szenen dann jene vom Flughafen, der Franks Traum vom Fliegen in ferne Länder symbolisiert, und von der Wohnung, in der er als Putzmann arbeitet, gegenüber gestellt. Es ist ein Moment perfekten Glücks, den Frank so gerne erleben möchte. Dabei beschönigt der Film jedoch nie Franks Hochstapelei, obwohl der Charakter durchaus sympathisch gezeichnet wird. Sie kommt ihn teuer zu stehen, aber oft ist es noch mehr seine Umgebung, die unter den Folgen zu leiden hat.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild fällt vor allem in dunkleren Szenen durch relativ starkes Rauschen auf. In Aufnahmen mit Tageslicht ist dieses Rauschen zwar immer noch zu erkennen, aber nicht ganz so stark und prägend. Die Schärfe ist auch nicht sonderlich ausgeprägt und liegt unter dem üblichen Durchschnitt. Insgesamt erreicht das Bild das Niveau einer durchschnittlichen TV-Fernsehfilmproduktion. Der deutsche Ton liegt in Dolby Digital 5.1 und Dolby Digital 2.0 vor, beide Spuren kommen klar und deutlich aus der Front, haben in Sachen Raumklang aber gar nichts zu bieten.

Den Anfang bei den Extras macht ein „Hinter den Kulissen“-Beitrag, der nicht einmal 2 Minuten vom Dreh zeigt und von daher kaum etwas Interessantes zu bieten hat. Anschließend folgen noch Interviews mit Devid Striesow, Nadja Uhl und Alexander Rudolph, die mit insgesamt rund 17 Minuten dann deutlich mehr Informationsgehalt bieten und in denen sich die Künstler über verschiedene Aspekte des Films auslassen. (MT)

Fazit:
„So glücklich war ich noch nie“ zeigt realistisch und nicht ohne Sympathie die Entwicklung eines Hochstaplers. Trotz einiger humorvoller Momente ist der Film eher tragisch als komisch und wird vor allem von seinem sehr guten Hauptdarsteller getragen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
89:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Hinter den Kulissen
  • Interviews mit Devid Striesow, Nadja Uhl und Alexander Rudolph
So glücklich war ich noch nie - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
So glücklich war ich noch nie
So glücklich war ich noch nie

Bild unseres Mitarbeiters Martin Asbach
Eher tragisch als komisch


Autor der Besprechung:
Martin Asbach

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2009
Regie:
Alexander Adolph
Drehbuch:
Alexander Adolph
Darsteller:
Devid Striesow, Nadja Uhl, Jörg Schüttauf, Floriane Daniel, Thorsten Merten, Elisabeth Trissenaar, Hansa Czypionka

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
16.10.2009