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DVD-Besprechung - Das Phantom der Oper (1925)

Story:
Das Phantom der Pariser Oper (Lon Chaney) verhilft der jungen Sängerin Christine Daae (Mary Philbin) durch unlautere Methoden zu ihrem großen Durchbruch als Erstbesetzung. Die Zuneigung des Phantoms hat jedoch einen hohen Preis, sie muß ihrem Geliebten entsagen und dem Phantom als ihrem Meister fortan hörig sein. Als Christine jedoch diesen teuflischen Pakt bricht, schlägt die Liebe des Phantoms in Hass um und es verschleppt sie tief in die Katakomben unterhalb der Oper.

Meinung zum Film:
Das vorliegende Werk ist die zweite Verfilmung des weltbekannten, französischen Bestsellerromans "Das Phantom der Oper" von Gaston Leroux aus dem Jahr 1911 und kann somit als relativ zeitnahe Adaption gelten. Die erste Fassung dieses Films stammt bereits aus dem Jahr 1923 fand jedoch bei den Studiobossen von Universal keinen Anklang und wurde deshalb zwei Jahre lang überarbeitet. Zwischen dem Regisseur Rupert Julian ("Merry-Go-Round") und Lon Chaney ("Der Glöckner von Notre Dame"), "der Mann mit den 1000 Gesichtern", kam es während der Dreharbeiten zu zahlreichen Streitereien über die Figur des Phantoms. Letztendlich wurde der Film aufgrund dieses schwelenden Streits auch nicht von Julian, sondern von einem zweiten Regisseur, nämlich Edward Sedgwick ("Schrecken aller Spione"), beendet. Zudem wurde auch eine große Anzahl von Drehbuchautoren verschlissen. Es entstanden zahlreiche verschiedene Schnittfassungen des Films, von denen jedoch nur noch zwei erhalten sind, erstens die offizielle, längere Schnittfassung aus dem Jahr 1925 und zweitens eine editierte Stummfilmneufassung aus dem Jahr 1929. Letztere bildet die Basis der vorliegenden Veröffentlichung. Sie konnte jedoch zusätzlich auch noch um die weggefallenen Farbszenen des Originals von 1925, in restaurierter Form, ergänzt werden.

Das Cover der DVD macht durch den überdimensionalen FSK-Flatschen leider keinen ästhetischen Eindruck, es bleibt zu hoffen, dass absolut MEDIEN bald ebenfalls auf die Trumpfkarte Wendecover setzen wird. Das zweite Problem des Covers ist das eigentliche Motiv. Es zeigt das unverhüllte Gesicht des Phantoms, quasi als überdimensionalen Spoiler, denn im Film wird es spannungsfördernd erst nach der Hälfte der Spielzeit demaskiert. "Das Phantom der Oper" ist sowohl ein sehr musiklastiger Horrorfilm als auch ein Liebesdrama. Die vorliegende Verfilmung bedient sich aufwendiger und hochkarätiger Sets, die vergessen lassen, dass es sich hier nur um einen Studionachbau der Pariser Oper handelt. Die musikalische Untermalung des Films ist extrem stimmungsvoll ausgefallen, was in Verbindung mit der minutiösen, perfekt abgestimmten Inszenierung einen sehr emotionalen und dramatischen Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Lon Chaney in seiner selbst kreierten Phantom-Maskerade, die an einen überdimensionierten Totenschädel erinnert, brilliert hier als wohl eindrucksvollstes Filmmonster der Stummfilmära seit Murnaus "Nosferatu". Optisch brillant sind auch die Technicolorsequenzen beim Maskenball innerhalb der Oper ausgefallen, wo das Phantom in Anlehnung an Edgar Allan Poe als "Roter Tod" für Aufregung sorgt.

Die Handlung des Films besitzt ein hohes Maß an Spannung und Dramatik und weist mehrere Stränge auf. Neben der teuflischen, an "Faust" angelehnten Beziehung zwischen dem Phantom und Christine, die hier passenderweise auch als erste Besetzung in Gounods Faust-Interpretation agiert, beschreibt der Film auch die verzweifelten Versuche ihres Geliebten sie zu retten, auch wenn dessen Charakterisierung leider extrem oberflächlich ausgefallen ist. Weiterhin greift immer wieder ein mysteriöser Ausländer in die Handlung ein, dessen Motive zunächst undurchschaubar sind, und auch einer der Bühnenarbeiter besitzt noch eine offene Rechnung mit dem Phantom, die besonders für das Finale schwerwiegende Konsequenzen besitzt. Hier weicht der Film dann auch deutlich von der Buchvorlage ab, ist aber abgesehen von kleineren Auslassungen, besonders zu Beginn, und künstlerischen Freiheiten recht originalgetreu ausgefallen.

Digitale Aufarbeitung:
Hinsichtlich der Bildqualität kann diese Veröffentlichung leider nicht an die letzten Titel der "Stummfilm Edition" anknüpfen, was allerdings in der schwierigen Materiallage zum Film, der natürlich wie alle Filme der Reihe aufwendig digital restauriert wurde, begründet liegt. Die vorliegende Fassung wurde viragiert und enthält auch Farbsequenzen in Technicolor. Das größte Manko der DVD ist die Bildschärfe, die insgesamt ziemlich weich ausgefallen ist, und außerdem auch noch einigen Schwankungen unterliegt. Die kleineren Beschädigungen der Vorlage fallen insgesamt nicht sonderlich ins Gewicht, einige Sequenzen machen aber einen ziemlich mitgenommenen Eindruck. Der Bildstand ist ruhig und die Kontrastwerte gehen allgemein in Ordnung, das Bild neigt aber immer wieder zu leichten Überstrahlungen. Ein wahrnehmbares Bildrauschen und leichte Verschmutzungen sind durchgehend vorhanden. Die von Gabriel Thibaudeau neu interpretierte Originalmusik klingt in der vorliegenden Instrumentaltonspur lupenrein und bietet eine stets stimmungsvolle Musikuntermalung. Neben den englischen Zwischentiteln gibt es optionale deutsche, französische und niederländische Untertitel.

Das Bonusmaterial ist leider eine herbe Enttäuschung und beispielsweise kein Vergleich zur bereits im Jahr 2004 erschienenen US-Fassung von "Milestone", die u.a. beide Schnittfassungen des Films und einen Audiokommentar enthielt. Angesichts des neuerlichen Verzichts auf das hochwertige Booklet älterer Veröffentlichungen der "Stummfilm Edition", gibt es hinsichtlich der Entstehungshintergründe des Films fast keine Informationen. Lediglich ein kurzes Vorwort von Serge Bromberg (4:35), einem der beiden Gründer von "Lobster Films", die sich auf die Erhaltung und Restaurierung seltener Stummfilme spezialisiert haben, vermittelt interessante Informationen, ist aber deutlich zu kurz ausgefallen. Eine nette Beigabe sind auch noch die Fragmente (8:01), die aus der Originalfassung von 1925 herausgeschnitten wurden. Das war es dann aber auch schon mit filmspezifischen Extras. Das Segment aus dem Film "The Penalty" von 1920 (5:28) hat außer der Tatsache, dass Lon Chaney auch hier den Antihelden verkörpert, nichts mit dem Hauptfilm gemeinsam.


Fazit:
"Das Phantom der Oper" wurde sehr häufig verfilmt, die vorliegende Version kann aber als die stimmungsvollste und dramatischste Fassung des Stoffs bezeichnet werden. Die Ausstattung des Films ist opulent, die Musik ist sehr stimmungsfördernd, die Maske des Phantoms und Lon Chaneys schauspielerische Leistung sind hervorragend und die handwerkliche Inszenierung ist bis ins Detail durchdacht. Die technische Präsentation erreicht, vorlagenbedingt, allerdings nicht den gewohnten, hohen Standard der "Stummfilm Edition", die Restaurierung kann sich aber für einen mehr als achtzig Jahre alten Film trotzdem mehr als sehen lassen. Der gute Gesamteindruck dieser Veröffentlichung wird leider durch das äußerst spärliche Bonusmaterial etwas geschmälert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,33:1
1,33:1
90:56 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Instrumental
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Französisch, Niederländisch
Bonusmaterial:
  • Vorwort von Serge Bromberg
  • Entfallene Szenen der Originalfassung von 1925
  • Ausschnitt aus dem Film "The Penalty" von Wallace Worsley aus dem Jahr 1920
Das Phantom der Oper (1925) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Phantom der Oper
The Phantom of the Opera

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Stummfilm-Horrorklassiker mit opulenter Ausstattung und genialer Maske, leider aber fast ohne Bonusmaterial


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1925
Regie:
Rupert Julian, Lon Chaney, Ernst Laemmle, Edward Sedgwick
Drehbuch:
Walter Anthony, Elliott J. Clawson, Bernard McConville, Frank M. McCormack, Tom Reed, Raymond L. Schrock, Jasper Spearing, Richard Wallace (basierend auf einem Roman von Gaston Leroux)
Darsteller:
Lon Chaney, Mary Philbin, Norman Kerry, Arthur Edmond Carewe, Gibson Gowland, John St. Polis

Label Deutschland :
absolut MEDIEN
Verkaufsstart Deutschland :
03.04.2009