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DVD-Besprechung - Happy-Go-Lucky
Story:
Poppy (Sally Hawkins) ist eine 30-jährige Single-Frau und arbeitet als Kindergärtnerin in London. Sie lebt zusammen mit ihrer besten Freundin Zoe (Alexis Zegerman) und hat sich entschlossen, dass es an der Zeit ist, ihren Führerschein zu machen. Ihren Fahrlehrer Scott (Eddie Marsan) treibt sie mit ihrer stets heiteren und gut gelaunten Art an den Rande des Wahnsinn, dabei möchte sie einfach nur, dass alle Menschen um sie herum glücklich sind.
Meinung zum Film:
„Happy-Go-Lucky“ von Regisseur und Drehbuchautor Mike Leigh („Vera Drake“) ist von seiner Erzählstruktur aus betrachtet ein recht ungewöhnlicher Film. Es wird weniger eine durchgehende Geschichte erzählt, als vielmehr ein Blick auf einzelne Situationen im Leben von Pauline geworfen, die seit ihrem 2. Lebensjahr nur Poppy genannt wird. Wie man es von den Comicstrips in Tageszeitungen kennt, erleben wir Poppy in unterschiedlichen Situation, die allesamt für sich alleine stehen könnten. Wie erleben sie im Buchshop, bei der Arbeit im Kindergarten, beim Flamenco-Unterricht, zusammen mit ihren Freundinnen, bei einem Besuch ihrer Schwester, im Gespräch mit einem verwirrten Obdachlosen, im praktischen Fahrunterricht und zusammen mit einem Mann, den sie gerade kennen gelernt hat. Die einzelnen Momente haben zwar eine vage Verknüpfung, doch ist dies nicht mehr als ein seidener roter Pfaden, der sich kaum spürbar durch den gesamten Film zieht.
Poppy ist der unangefochtene Mittelpunkt ihres ganz eigenen Universums aus guter Laune. Der Ausdruck „Happy-Go-Lucky“ bedeutet so viel wie „unbekümmert“ oder „leichtfüßig“. Wenn manche Filmtitel teils irreführender oder gar unpassender Natur sind, so trifft er in diesem speziellen Fall wie die berühmte Faust aufs Auge. Denn Poppy ist eine Frohnatur, wie sie im Buche steht. Als ihr das Fahrrad geklaut wird, ärgert sie sich gar nicht darüber, sondern sie entschließt, dass es an der Zeit ist, den Führerschein zu machen. Ihren pflichtbewussten Fahrlehrer treibt sie dadurch in den Wahnsinn, dass sie seine pflichtbewussten, ernst gemeinten Anweisungen durch ihre Scherze aufzulockern versucht. Poppy ist wie ein Segelschiff, das seine Segel in den Wind des Lebens stellt und sich treiben lässt. Sie stellt nicht die Fragen, warum gerade ihr etwas passiert oder nicht passiert, sondern nimmt es hin wie es ist und versucht das Beste aus jeder Situation zu machen. Grübeleien und Trübsalblasen gehören nicht zu ihrem Charakterprofil.
Sally Hawkins („Cassandras Traum”) spielt die Rolle der Poppy mit einem solchen ansteckenden Frohsinn und einer solchen Natürlichkeit, dass man als Zuschauer gar nicht umhin kann sich von ihr anstecken zu lassen. Es besteht kein Zweifel daran, dass ein Mensch wie Poppy es tatsächlich schaffen könnte, sich durch die Unwägbarkeiten des Lebens zu winden. Sie mag dabei zwar teilweise ein wenig befremdend wirken, aber letzten Endes würde sie es wohl doch schaffen, die Sonne in die Herzen und ein Lächeln in die Gesichter zu bringen. Gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele Gründe zum Grübeln gibt, würde ein Stück Poppy jedem gut tun. Es ist wirklich schade, dass Mike Leigh sich nicht dazu durchringen konnte, eine richtige Geschichte zu erzählen, sondern stattdessen nur einen Flickenteppich mit weitgehend unabhängigen Ereignissen zu präsentieren. So mangelt es „Happy-Go-Lucky“ trotz der mitreißenden Art Poppys letzten Endes doch an der Dramaturgie. Aber auch so kann man sich zusammen mit ihr auf einer Welle aus unbekümmerter Fröhlichkeit treiben lassen ohne sich über die Ernsthaftigkeit des Lebens Gedanken machen zu müssen. Und überhaupt, von wegen Dramaturgie. Es ist doch schön, dass diese nicht da ist. So braucht man sich wenigstens nicht mit Rückschlägen im Leben beschäftigen. Zumindest dürfte Poppy dies so sehen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der zum Test vorliegenden schweizer Veröffentlichung macht einen für eine aktuelle Produktionen durchschnittlich guten Eindruck, ohne dass etwas besonders hervorsticht. Der deutsche Ton ist durchweg gut verständlich und erfüllt seinen Zweck. In der Schweiz gibt es zusätzlich zu den bei der deutschen DVD enthaltenen deutschen und englischen Tonspur auch noch eine französische Variante.
Bei den Extras ergeben die Beiträge "Behind the Wheel" und "Mike Leigh's Characters" ein Making Of, das mit einer Mischung aus Szenen aus dem Film, Statements einzelner Künstler und Aufnahmen vom Set einen informativen und charmanten Blick hinter die Kulissen wirft. Die etwas verschwommenen und von daher schlampig wirkende Menüs machen aus "Mike Leigh's Charachter" im Menüpunkt "Mike Light's Characters". Anschließend gibt es noch eine Reihe Antworten der Künstler auf Fragen, die zu Beginn jeweils gesammelt auf einer Texttafel zu sehen sind. Verglichen mit der deutschen DVD von Universum Film sind somit alle wesentlichen Beiträge auch hier zu finden.
Fazit:
„Happy-Go-Lucky“ mangelt es zwar an einer durchgehenden Story, er verbreitet dafür aber richtig gute Laune. Sally Hawkins bietet eine außergewöhnliche Leistung, wenn sie mit ihrem Frohsinn versucht, selbst aus den pessimistischsten Moment noch etwas gutes zu ziehen. Insgesamt stellt der Film ein empfehlenswertes Gute-Laune-Kino für all jene dar, die auf eine ernst gemeinte Storyline verzichten können.
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Happy-Go-Lucky
Happy-Go-Lucky
Die gute Laune/Leistung von Sally Hawkins überträgt sich schnell auf das Publikum
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK, 2008 Regie: Mike Leigh Drehbuch: Mike Leigh Darsteller: Sally Hawkins, Alexis Zegerman, Eddie Marsan, Andrea Riseborough, Sinead Matthews, Kate O'Flynn, Sarah Niles, Joseph Kloska, Sylvestra Le Touzel, Nonso Anozie, Karina Fernandez
Label :
Universum Film
Verkaufsstart : 23.02.2009
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