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DVD-Besprechung - Flow - Wasser ist Leben

Story:
Wasser ist eine natürliche Ressource, ein Allgemeingut und ein Baustein des Lebens. Die Erdoberfläche ist zu etwa 72% mit Wasser bedeckt und ein erwachsener Mensch weist einen Wasseranteil von rund 70% auf. Nach Angaben der WHO sterben jährlich 1,8 Millionen Menschen an Krankheiten, die auf verschmutztes Trinkwasser zurückzuführen sind. Über eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Besonders hoch ist die daraus resultierende Kindersterblichkeit in den Entwicklungsländern. Dort kommt es aber auch zunehmend zu einer Privatisierung bzw. Kommerzialisierung der Trinkwasserversorgung durch multinationale Konzerne. Die Folge sind steigende Preise, die von den ärmeren Bevölkerungsschichten nicht mehr aufgebracht werden können und die Einstellung der Wasserversorgung für abgelegene Regionen aus Profitgründen.

Meinung zum Film:
Für ihr Projekt "Flow" reiste die gebürtige Französin und Dokumentarfilmerin Irena Salina ("Ghost Bird: The Life and Art of Judith Deim") fünf Jahre lang rund um den Globus. Der Film setzt auf vielfältige Art und Weise mit der natürlichen Ressource Wasser auseinander und dokumentiert dabei deren zentrale Bedeutung für die weltweiten Lebensbedingungen. "Flow" berührt dabei eine Vielzahl kritischer Punkte, wie die mangelhafte Versorgung von Entwicklungsländern mit sauberem Trinkwasser, die kommerzielle Ausbeutung der Ressource Wasser auf Kosten ärmerer Bevölkerungsschichten, die weltweite Verschmutzung des Trinkwassers durch pharmazeutische Produkte oder Pestizide, die Zerstörung von Ökosystemen durch Eingriffe des Menschen, beschäftigt sich aber auch mit möglichen Lösungsansätzen für diese Probleme und dokumentiert zudem weltweite Widerstandsbewegungen gegen diese Fehlentwicklungen. Im Jahr 2008 wurde "Flow" deshalb beim "Sundance Film Festival" für den Großen Preis der Jury nominiert.

"Flow" besitzt hinsichtlich seiner Ausrichtung und seiner Inhalte einige Überschneidungen mit der Dokumentation "Der große Ausverkauf", beispielsweise bezüglich der "Wasserkriege" in Bolivien oder der Privatisierung des Energie- und Trinkwassersektors in Südafrika. Und auch hier handelt es sich um eine eher emotional aufgeladene Dokumentation, die klar Stellung bezieht, ohne der anderen Seite großartige Möglichkeiten für Gegenargumente zu bieten. Jedoch ist die Dokumentation dadurch keineswegs unsachlich. Die behandelten Probleme sind durchaus schon länger bekannt und werden keineswegs an den Haaren herbeigezogen, sondern vielmehr durch weltweite Beispiele und globale sowie lokale Auswirkungen gut dokumentiert. Die Darstellung ist dabei äußerst vielfältig, zentriert sich aber auf den Aspekt der Kommerzialisierung des Wassers, der die weltweite Wasserversorgungssituation, für die Profite einzelner, weiter verschlechtert.

Es gibt aber auch interessante Passagen über die Rolle des alles andere als neutralen "Weltwasserrats", über Umsiedlungsprogramme für milliardenschwere, gewaltige Staudammprojekte und vor allem immer wieder massive Kritik an den Aktivitäten der Weltbank, die sich besonders in diesen auch ökologisch äußerst zweifelhaften Projekten engagiert und insgesamt eine Privatisierung des Wassersektors vorantreibt. Neben Licht gibt es bei "Flow" aber auch einigen Schatten, den größten wirft sicherlich die viel zu kurze Laufzeit, die der Vielschichtigkeit des Themas nicht gerecht wird. Es kommen zwar Fachleute zu Wort und es wird versucht sich auf Fakten zu konzentrieren, die Vielzahl unterschiedlicher Aspekte führt jedoch zu einer häufig eher oberflächlichen Darstellung ohne tiefergehende Vermittlung der Zusammenhänge. Zudem gibt es einige Fälle aus den USA, wie die fehlenden Kontrollen im Bereich der Mineralwasserherstellung, die für Europäer keinerlei Relevanz besitzen. Negativ fällt auch ein teils reißerischer Ansatz ins Gewicht, beispielsweise wenn gegen Ende mit sozialen Unruhen und verstärktem Terrorismus als logischer Folge "gedroht" wird. Etwas nervig sind zudem unterschwellige Ökobotschaften ausgefallen, bei denen immer wieder auf Teufel komm raus der Treibhauseffekt als Schreckgespenst bemüht wird. Auch die Lösungsansätze werden nicht gerade detailliert behandelt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der DVD weist einen deutlichen Rotstich auf. Besonders Aufnahmen vor Ort haben mit schwankenden, nicht immer optimalen Schärfewerten zu kämpfen und neigen auch zu Überstrahlungen. Die deutsche Sprachfassung übersetzt alle O-Töne der Interviewten im Voice-over-Verfahren, während in der englischen Sprachfassung auch die nicht-englischen Passagen nicht übersetzt werden. Daraus ergibt sich für den Zuschauer bei der Auswahl der englischen Sprachfassung die etwas seltsam anmutende Notwendigkeit, deutsche Untertitel zuschalten zu müssen. Ansonsten ist die deutsche Sprachfassung aber professionell synchronisiert und beide Tonspuren bieten eine durchgehend gute Verständlichkeit.

Im Bonusbereich findet sich der Originaltrailer, einmal mit und einmal ohne deutsche Untertitel. Ansonsten findet sich auf der DVD lediglich noch ein englischer Audiokommentar mit der Regisseurin Irena Salina und der Cutterin Caitlin Dixon. Das Fehlen jeglicher zugehöriger Untertitel ist allerdings bedauerlich, zumal Dixon teilweise ziemlich nuschelt und Salina deutlich anzumerken ist, dass Englisch nicht ihre Muttersprache ist. Leider ist der Audiokommentar aber auch insgesamt richtig misslungen. Gerade das Herumalbern der beiden Vortragenden und ihr ständiges, schrilles Gelächter wird der ernsten Sache in keiner Weise gerecht. Außerdem werden kaum Hintergrundinformationen vermittelt, dafür strotzt der Kommentar aber vor ständig wiederkehrenden, nervtötenden Füllphrasen wie "I love this and I love that...", "Yeah,...", "You know..." oder "I mean...". Unter dem Strich macht der oberflächliche Audiokommentar eher den Eindruck eines vergnügten Kaffeeklatschs, bei dem viel geredet, aber wenig gesagt wird, während der Zuschauer nicht wirklich einbezogen wird.

Fazit:
"Flow - Wasser ist Leben" ist eine engagierte Dokumentation, die sich mit einem sehr wichtigen Thema durchaus umfassend auseinandersetzt. Aufgrund der geringen Laufzeit und der Vielzahl verschiedener angesprochener Aspekte kratzt "Flow" aber häufiger nur an der Oberfläche und spricht somit eher Interessenten ohne größeres Vorwissen an. Die Bildqualität geht für eine Dokumentation in Ordnung, ist aber nicht ohne Mängel. Das Bonusmaterial enttäuscht aber komplett, gerade im Vergleich zur deutlich besser ausgestatteten US-DVD.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,85:1
1,85:1
80:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Originaltrailer mit und ohne deutsche Untertitel
  • Audiokommentar mit der Regisseurin Irena Salina und der Cutterin Caitlin Dixon
Flow - Wasser ist Leben - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Flow - Wasser ist Leben
Flow: For Love of Water

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die Kommerzialisierung der Trinkwasserversorgung und ihre weltweiten, negativen Folgen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008
Regie:
Irena Salina

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
03.04.2009