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DVD-Besprechung - The Air I Breathe

Story:
Vier Episoden gemäß den emotionalen Eckpfeilern eines chinesischen Sprichworts (Glück, Vergnügen, Kummer und Liebe) verknüpfen eine Handvoll menschlicher Schicksale. Ein Bankangestellter (Forest Whitaker) setzt alles auf eine Karte und verschuldet sich hoffnungslos bei dem Gangsterboss Fingers (Andy Garcia). Der wiederum möchte mit Hilfe des emotional angeschlagenen Popsternchens Trista (Sarah Michelle Gellar) auf legale Weise seine Zukunft absichern. Ausgerechnet sein Geldeintreiber (Brendan Fraser), der in der Lage ist, zukünftige Ereignisse vorauszusehen, verliebt sich jedoch in dieses Mädchen und will sie vor Fingers Zugriff bewahren. Aufgrund ihrer seltenen Blutgruppe ist sie außerdem für einen Arzt (Kevin Bacon) die letzte Hoffnung zur Rettung seiner große Liebe Gina (Julie Delpy).

Meinung zum Film:
Regisseur und Drehbuchautor Jieho Lee trat bisher lediglich mit dem beim "Florida Festival" prämierten Kurzfilm "A Nursery Tale" in Erscheinung, dessen Premiere allerdings auch schon zehn Jahre zurückliegt. Für sein Langfilmdebüt, in Form eines typischen Episodenfilms, konnte er aber trotz eines verhältnismäßig geringen Budgets zahlreiche bekannte Darsteller versammeln. Forest Whitaker gewann mit "Der letzte König von Schottland" im gleichen Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller. Brendan Fraser ist mit seiner "Mumien"-Trilogie ein regelmäßiger Kassenmagnet. Sarah Michelle Gellar ("Der Fluch - The Grudge") feierte als Vampirjägerin "Buffy" bekannt, während kaum ein anderer derart kultiviert einen Gangster mimen kann wie Andy Garcia ("Das Leben nach dem Tod in Denver"). Kevin Bacon präsentierte sich noch im gleichen Jahr im Rahmen von "Death Sentence - Todesurteil" als beinharter Rächer in der Tradition eines Charles Bronson, während Julie Delpy im Anschluss an diesen Film in "2 Tage Paris" als Hauptdarstellerin, Regisseurin und Drehbuchautorin deutlich humorvollere Töne anstimmte.

"The Air I Breathe" ist ein Episodenfilm, der seinen Schwerpunkt im Bereich Drama und Thriller setzt, jedoch auch über melancholisch-romantische Untertöne verfügt. Das dramatische Element speist sich vor allem aus den eher unglücklichen Schicksalen der Hauptprotagonisten, die eigentlich weniger von den emotiionalen Eckpfeilern getragen werden, sondern vielmehr mit deren "dunklen Brüdern" kollidieren. Das Thrillerelement ist auf die Figur des Fingers zugeschnitten, in dessen Einflußbereich sich sämtliche Charaktere bewegen müssen. Zwischen Trista und Fingers Geldeintreiber entwickelt sich zudem noch eine kleine Romanze. Die Verknüpfung der einzelnen Episoden kann zwar nicht mit der Raffinesse eines "Magnolia" oder "Short Cuts" aufwarten, wirkt aber immerhin weder selbstzweckhaft noch unglaubwürdig. Lediglich die rückwirkende Verknüpfung der letzten mit der einleitenden Episode kann als mißlungen gelten und mündet in ein übertrieben verklärtes Ende, das unangenehm mit dem bis dahin eher düster-depressiven Grundton des Films kontrastiert.

Optisch entfaltet der Film eine kühle Faszination und ist flott und schnörkellos inszeniert. Allerdings fehlt "The Air..." leider auch eine größere Tiefe, was sich in glaubwürdigen, aber nicht sonderlich vielschichtigen Charakteren niederschlägt, für deren Einführung lediglich ein kurzer Flashback ihrer Lebensgeschichte reserviert ist. Die Darstellerleistungen unterstreichen den professionellen Gesamteindruck der Produktion, fallen aber nicht wirklich herausragend aus. Forest Whitaker kann sich als leicht instabiler Alleinunterhalter in der wohl schwächsten Episode nicht wirklich auszeichnen. Kevin Bacon und besonders Julie Delpy wirken eher wie bessere Statisten, während Andy Garcia routiniert seine Paraderolle als Gentleman-Gangster abspult und trotzdem ziemlich dominant wirkt. Die eigentlichen Hauptdarsteller, Brendan Fraser und Sarah Michelle-Gellar, agieren nämlich eher solide als herausragend. Zwar wirkt Fraser, aus dem sicher kein ernstzunehmender Charakterdarsteller mehr wird, als stoisch-depressiver Handlanger mimisch nicht gerade überfordert, kann dem Film aber auch keinen echten Stempel aufdrücken. Sarah Michelle-Gellar verkörpert zwar überraschend glaubwürdig das im Körper eines Popstars verloren gegangene, kleine Mädchen, das sich nach Liebe sehnt, ihre Rolle ist aber innerhalb der Personenkonstellation einfach zu schwach ausgearbeitet um wirklich Reizpunkte zu setzen.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD mit Wendecover verfügt über eine gute, wenn auch nicht überragende Schärfe. Die Farben wirken mal kräftig, und mal eher zurückgenommen, werden aber auch bewusst etwas verfremdet. Der Kontrast neigt zu leichten Überstrahlungen, auch hier liegt aber wahrscheinlich Absicht vor. Ein leichtes Bildrauschen ist ebenfalls auszumachen. Bei den Tonspuren gibt sich die DVD ebenfalls keine Blöße. Auch wenn es sich hier insgesamt um einen eher ruhigen Film handelt, gibt es im Rahmen kurzer Actionsequenzen auch immer wieder den effektiven Einsatz räumlicher Effekte. Eine gute Verständlichkeit der Dialoge ist stets gewährleistet.

Im Bonusbereich schlägt sich die Veröffentlichung leider nicht sonderlich gut. Der Interviewteil (29:57) mit Regisseur Jieho Lee und den Darstellern Brendan Fraser, Andy Garcia und Sarah Michelle Gellar wirkt insgesamt ziemlich unprofessionell. Die Interviews wurden schlecht editiert, die Fragen des Interviewers aus dem Off sind kaum zu verstehen, Leute laufen durchs Bild und im Hintergrund wird schonmal munter reingeredet. Auch inhaltlich bleibt es eher oberflächlich. Zudem hält Brendan Fraser lediglich einen endlosen Monolog über seinen Filmcharakter, der von seinem Interviewpartner nicht unterbrochen wird und Andy Garcia ist überhaupt nicht auf die Fragen vorbereitet und kann sich an die Produktion fast gar nicht mehr erinnern. Die drei entfallenen Szenen im O-Ton (4:59) verfügen über keine deutschen Untertitel und sind ebenso verzichtbar wie die witzlosen Outtakes (2:03). Darüber hinaus gibt es lediglich noch den identischen deutschen und englischen Trailer.

Fazit:
"The Air I Breathe" ist ein flüssig und weitgehend schnörkellos erzählter Episodenfilm, der handwerklich durchdacht wirkt und über eine prominente, solide aufspielende Darstellerriege verfügt Für Genrefreunde ist der Film deshalb durchaus eine Empfehlung zum einmaligen Genuss. Für einen wirklich großen Wurf fehlt der Geschichte aber mehr Raffinesse, inklusive überraschender Wendungen, mehr Tiefe in der Charakterzeichnung und ein glaubwürdigeres Ende. Technisch ist die DVD empfehlenswert, das Bonusmaterial ist allerdings enttäuschend.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
91:21 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews mit Regisseur Jieho Lee und den Darstellern Brendan Fraser, Andy Garcia und Sarah Michelle Gellar
  • Entfallene Szenen
  • Outtakes
  • Deutscher Trailer
  • Englischer Trailer
The Air I Breathe - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Air I Breathe
The Air I Breathe

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Überdurchschnittlicher Episodenfilm mit prominenter Darstellerriege


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Mexiko / USA, 2007
Regie:
Jieho Lee
Drehbuch:
Jieho Lee, Bob DeRosa
Darsteller:
Sarah Michelle Gellar, Brendan Fraser, Andy Garcia, Forest Whitaker, Kevin Bacon, Julie Delpy

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
03.04.2009