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DVD-Besprechung - Bloodsport - The Red Canvas

Story:
Der ehemalige vietnamesische General Krang (George Takei) betreibt mittlerweile eine äußerst erfolgreiche Kampfsportturnierserie namens "Red Canvas". Harbin Rask (John Savage), der in Vietnam sein Gefangener war und noch eine Rechnung mit ihm offen hat, besitzt die Option zur Übernahme dieser Serie. Die Bedingung dafür ist jedoch, dass er einen Kämpfer in den Ring schickt, der in der Lage ist Krangs Champion Torch (Gray Maynard) zu schlagen. Da trifft es sich gut, dass Harbin mittlerweile Gefängnisdirektor ist und mit dem jungen Johnny (Ernie Reyes Jr.) einen sehr geeigneten Häftling unter seinen Fittichen hat, der zudem dringend Geld für seine Familie benötigt.

Meinung zum Film:
"Bloodsport: The Red Canvas" ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein deutscher Verleih versucht, aus einem unbekannten Direct-to-DVD-Titel mittels Etikettenschwindel einen vermeintlichen Verkaufsschlager zu kreieren. Der vorliegende Kampfsportfilm heißt im Original schlicht "The Red Canvas" und teilt mit Jean Claude Van Dammes mittlerweile 21 Jahre altem Klassiker "Bloodsport" keinerlei Gemeinsamkeiten. In der Darstellerriege findet sich mit John Savage ("Salvador") zumindest ein bekannteres Gesicht. Dessen große Zeiten sind aber mittlerweile ebenso vorbei, wie die des 72-jährigen George Takei, der seinen Fans vor allem als "Sulu" aus "Raumschiff Enterprise" in Erinnerung bleiben dürfte. Weiterhin finden sich im Cast diverse mehr oder weniger bekannte Kampfsportler. Ernie Reyes Jr. ("Surf Ninjas") besitzt Erfahrungen im Tae-Kwon Do und Muay Thai. Sein Vater Ernie Reyes Sr. ("Defector - Karate-Kickboxer") ist Begründer der "West Coast World Martial Arts Association" und war der Kampfchoreograph des Films. Beide firmieren im Film ebenfalls als Vater und Sohn. Gray Maynard ist ein ehemaliger Amateurwrestler und kämpft mittlerweile in der Lightweigth Division der UFC. Frank Shamrock, der hier allerdings nur eine kleine Nebenrolle bekleidet, war fünffacher UFC-Champion im Mittelgewicht.

Ein Martial Arts-Film steht und fällt mit der Güte seiner Kampfsequenzen. Für "The Red Canvas" bedeutet dieses Genregesetz einen Sturz ins Bodenlose. Die grundsätzliche Kampfkonstellation entspricht in etwa den Vollkontaktwettkämpfen der UFC, gekämpft wird dementsprechend in einem Käfig und das im Mixed Martial Arts-Stil. Allerdings verlaufen die Kämpfe erstaunlicherweise sehr harmlos. Es gibt hier weder Blut noch gebrochene Knochen oder ähnliches zu sehen, weshalb die hohe Altersfreigabe völlig unpassend erscheint, tatsächlich sind die realen UFC-Kämpfe im Free-TV weit brutaler als dieser Film. Allerdings wirkt auch der Käfig eher fehl am Platze, denn gekämpft wird ausschließlich in der Ringmitte ohne Einbeziehung der Gitter. Vergleichbare MMA-Kämpfe erwecken eher selten den Eindruck von Kampfkunst, sondern wirken normalerweise sehr roh und beziehen auch viele Halte- und Aufgabetechniken am Boden mit ein. Die Darstellung der Kämpfe in diesem Film wird jedoch auch diesem Sachverhalt nicht gerecht. Die Kämpfe entpuppen sich als stakkatohaftes Schnittgewitter mit sinnlosen Zooms, schnellen Perspektivenwechseln und vielen Zeitlupen, die jegliche Dynamik zerstören. Zudem gibt es sogar bewusste Jump-Cuts im Rahmen der Kämpfe und Bewegungen werden einfach nicht zu Ende geführt. Fast noch schlimmer sind allerdings Sequenzen innerhalb der Kämpfe, die einfach im "Fast Forward"-Verfahren beschleunigterweise vorgespult werden. Das Endergebnis sind die vielleicht miserabelsten Kämpfe der Filmgeschichte. Das Potential der beteiligten Kämpfer wird darin nichtmal angedeutet und für diese hektischen Schnittgewinner ohne jeden Rhythmus hätten auch Laien ausgereicht.

Die Handlung und darstellerischen Leistungen machen keineswegs einen besseren Eindruck. Ernie Reyes Jr. ist innerhalb der extrem simplen, aber viel zu verschachtelt vorgetragenen Geschichte hoffnungslos überfordert. Er besitzt definitiv nicht das Zeug zum Hauptdarsteller und hat zudem den jugendlichen Charme seiner Frühwerke mittlerweile völlig eingebüßt. Die Bilderwelten der Geschichte und die aufgesetzte Dramatik erinnern zudem an eine weichgespülte, südamerikanische Telenovela und dürften bestenfalls Mitleid erheischen. Der Erzählfluss und die Aneinanderreihung der Filmsequenzen wirken ebenfalls äußerst holprig, die Charaktere wirken holzschnittartig und ein Spannungsbogen ist innerhalb der Geschichte nie auszumachen, was durch überflüssige Flashbacks sogar noch verschlimmert wird.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD mit Wendecover bietet eine gute Bildschärfe, einen ausgewogenen Kontrast und kräftige Farben. Die Tonspuren bieten eine gute Verständlichkeit und der treibende Soundtrack wurde ansprechend voluminös abgemischt. Hinsichtlich der Effekte sind aber gerade die Kämpfe extrem enttäuschend ausgefallen und klingen völlig unspektakulär. Äußerst negativ fällt zudem ins Gewicht, dass im Rahmen der Kämpfe bei der deutschen Fassung einfach die Äußerungen der Ringkommentatoren weggelassen wurden.

Das Bonusmaterial enthält den englischen Filmtrailer, ein völlig unergiebiges und promolastiges "Behind the Scenes"-Feature (3:56) und eine einzelne Deleted Scene (1:13). Ansonsten befindet sich noch der komplette Soundtrack des Films mit 20 einzeln wählbaren Titeln und einer Laufzeit von 50:08 Minuten mit auf der DVD.

Fazit:
"Bloodsport: The Red Canvas" besitzt die vielleicht schlechtesten Kampfsequenzen der Filmgeschichte und ist auch im Hinblick auf die Handlung sowie die auftretenden Darsteller äußerst amateurhaft geraten. Die Verantwortlichen Kenneth Chamitoff und Adam Boster haben mit "The Red Canvas" jedenfalls ein Katastrophendebüt hingelegt, das ihnen die Umsetzung weiterer Projekte hoffentlich verwehren dürfte. Die DVD selbst ist qualitativ überzeugend und der Film kann zumindest in technischer Hinsicht als gelungener Testlauf für die neue "RED ONE 4K Digital Cinema Camera" gelten, die hier erstmals zum Einsatz kam.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
96:43 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Behind the Scenes
  • Deleted Scene
  • Original Soundtrack
Bloodsport - The Red Canvas - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Bloodsport - The Red Canvas
The Red Canvas

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Übler Etikettenschwindel für einen grottenschlechten Prügelstreifen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008
Regie:
Kenneth Chamitoff, Adam Boster
Drehbuch:
Kenneth Chamitoff
Darsteller:
Ernie Reyes Jr., Ernie Reyes Sr., John Savage, George Takei, Gray Maynard, Frank Shamrock

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
08.05.2009