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DVD-Besprechung - The Walker

Story:
Carter Page III. (Woody Harrelson) ist ein "Walker", eine Person, die gutbetuchte, ältere Damen bei gesellschaftlichen Anlässen begleitet. Der homosexuelle Carter führt ein angenehmes und geruhsames Leben, bis eines Tages der Liebhaber seiner besten Freundin Lynn (Kristin Scott Thomas), der Gattin des Senators Larry Lockner (Willem Dafoe), ermordet aufgefunden wird. Ausgerechnet Lynn war die Erste am Tatort und Carter, der sie begleitete, beschließt sie zu decken, um einen handfesten politischen Skandal zu vermeiden. Dadurch wird er allerdings selbst zum Hauptverdächtigen und zur Zielscheibe des übereifrigen Staatsanwalts Mungo Tenant (William Hope).

Meinung zum Film:
Der Amerikaner Paul Schrader feierte seine größten Erfolge als Regisseur und Drehbuchautor in den 70er- und 80er-Jahren. Diese beeindruckende Liste umfasst Meilensteine wie "Taxi Driver", "Ein Mann für gewisse Stunden", "Wie ein wilder Stier", oder "Mosquito Coast". Sein letzter wirklich großer Erfolg liegt allerdings schon eine ganze Weile zurück und mit seiner von Pleiten, Pech und Pannen begleiteten Studioproduktion "Dominion: Exorzist - Der Anfang des Bösen", einem Prequel zum Friedkinschen "Der Exorzist"-Zyklus, legte er zuletzt eine echte Bauchlandung hin. Zwei Jahre danach folgte der vorliegende Film, "The Walker", eine eher schmal budgetierte Produktion, bei der er aber dieses Mal die volle Kontrolle besaß und sowohl für das Drehbuch als auch für die Regie verantwortlich war. Auf eine ansehnliche Besetzungsriege musste er dabei jedoch nicht verzichten. Die Hauptrolle übernimmt ein ziemlich atypisch besetzter Woody Harrelson ("Larry Flynt - Die nackte Wahrheit"). An seiner Seite agieren, in deutlich kleineren Rollen, bekannte Gesichter wie Kristin Scott Thomas ("Bitter Moon"), die mittlerweile deutlich über 80-jährige Lauren Bacall ("Tote schlafen fest"), das deutsche Aushängeschild Moritz Bleibtreu ("Elementarteilchen"), die Komödienspezialisten Lily Tomlin ("Solo für 2") und Ned Beatty ("Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K") sowie Willem Dafoe ("Platoon"), der zuvor bereits mehrmals mit Paul Schrader zusammengearbeitet hatte.

Paul Schrader selbst bezeichnet "The Walker" als Charakterstudie, wobei Carter Page III. in etwa das darstellen soll, was aus Schraders "American Gigolo", damals gespielt von Richard Gere, mit etwa 50 Jahren geworden sein könnte. Auch wenn der Film in der gehobenen Gesellschaft spielt und vieles nach einem politischen Komplott riecht, ist "The Walker" absolut kein politischer Film. Auch die schleppend vorgetragene Krimihandlung wirkt nur wie eine faule Ausrede, um das persönliche Drama des Filmhelden zu betonen. Aber auch wenn Woody Harrelson hier seine wohl beste darstellerische Leistung seit "Larry Flynt" aufs Parkett bringt und von einer Riege hochkarätiger Nebendarsteller unterstützt wird, der Funke will nie wirklich überspringen. Das liegt aber nicht nur daran, dass Schrader den Plot vernachlässigt und sich voll auf Carters gesellschaftlichen Absturz konzentriert, der aus dem warmen Nest geworfen nun um seine Lebensgrundlage kämpfen muss, sondern vielmehr auch daran, dass alle Nebencharaktere schemenhafte Randfiguren bleiben.

Der gesamte Film wirkt extrem konstruiert und dient offensichtlich nur als Charaktertest für den "Walker", der trotz der Tatsache, dass er plötzlich innerhalb seiner geliebten High Society als Tatverdächtiger nur noch eine persona non grata darstellt, eisern daran festhält, seine Freundin zu decken. Es gelingt Schrader aber nie plausibel zu erzählen, was Carter da eigentlich widerfährt. Wie Carter überhaupt unter Mordverdacht geraten kann, ist schon äußerst fragwürdig, denn welcher Killer bestellt schon die Polizei zu seinem Tatort und wartet dort auf sie? Auch die Idee eines Komplotts, das sich im Hintergrund andeutet, wird nie wirklich unterfüttert und löst sich anlässlich eines unbefriedigenden Endes in Wohlgefallen auf. Die Motive der Nebencharaktere sind leider weitgehend undurchschaubar, da ihnen kaum Raum zur Entfaltung gewährt wird, dementsprechend distanziert und unbefriedigt folgt der Betrachter der zähflüssig vorgetragenen, eher banalen Handlung des Films.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD ist insgesamt eher durchschnittlich geraten und wirkt vor allem im Detail verbesserungswürdig. Für einen Film aus dem Jahr 2007 ist das Bildrauschen ziemlich stark ausgefallen, zudem macht sich auch die Kompression hin und wieder unangenehm bemerkbar. Die Kontrastwerte des Films sind zufriedenstellen ausgefallen, die Farbgebung wirkt etwas eigenwillig und eher gedämpft. Beide Tonspuren dieses dialoglastigen, ruhigen Films bieten eine gute Verständlichkeit.

Die Veröffentlichung beinhaltet ein Wendecover.Das Herzstück des Bonusmaterials ist die moderierte Fragerunde "Q&A mit Paul Schrader und Mark Kermode" (58:57) vor Fachpublikum. Dieses interessante Feature gibt Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader Gelegenheit sich ausführlich zu inhaltlichen und handwerklichen Aspekten des Films, wie der musikalischen Untermalung oder der Besetzung, zu äußern. Außerdem kommentiert er auch ihn selbst betreffende Themen, wie den Unterschied zwischen Studio- und Independentproduktionen oder zukünftig angedachte Filmprojekte. Nach der Befragung durch Mark Kermode folgen ab der 33. Minute Fragen aus dem Publikum. Das "Making Of" (3:29) ist hingegen allein schon bezüglich seiner Laufzeit lediglich ein schlechter Scherz. Den Abschluss des Bonusbereichs bildet der deutsche Kinotrailer.

Fazit:
Woody Harrelson brilliert in "The Walker" als dandyhafter Alleinunterhalter, erhält jedoch vom Drehbuch weder Unterstützung in Form einer kohärenten, spannenden Geschichte noch im Hinblick auf ausgefeilte Charaktere, mit denen er sinnvoll interagieren könnte. Unter dem Strich bleibt "The Walker" ein fades Drama über die Katharsis eines distinguierten, aber oberflächlichen Menschen, der sich damit aber auf Augenhöhe mit dem Niveau des Films bewegt. Technisch ist diese Veröffentlichung eher durchschnittlich, bietet aber zumindest sehenswertes Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
103:40 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Q&A: Frage und Antwort mit Paul Schrader und Mark Kermode
  • Kinotrailer
The Walker - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Walker
The Walker

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Einschläfernde Charakterstudie mit Behelfsplot, die auch ein Woody Harrelson in Bestform nicht mehr retten kann


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / USA, 2007
Regie:
Paul Schrader
Drehbuch:
Paul Schrader
Darsteller:
Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas, Lauren Bacall, Ned Beatty, Moritz Bleibtreu, Lily Tomlin, Willem Dafoe

Label Deutschland :
Mediawith Classics
Verkaufsstart Deutschland :
20.05.2009