 |
DVD-Besprechung - Sechs Tage Krieg
Story:
Der Sechstagekrieg war ein bewaffneter Konflikt zwischen Israel auf der einen Seite und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite, der vom 5. Juni bis zum 10. Juni 1967 dauerte. Er stellte bereits die dritte bewaffnete israelisch-arabische Konfrontation dar und endete mit einem totalen militärischen Triumph für die Israelis. Am Ende des Krieges kontrollierte Israel den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhlen, das Westjordanland und den Osten der heiligen Stadt Jerusalem. Gerade diese Okkupationen wirken bis heute in das politische Tagesgeschäft nach und sind ständige Unruheherde im Nahen Osten. Die radikalen Kräfte auf beiden Seiten gingen gestärkt aus diesem Konflikt hervor, der insgesamt zehntausende Soldaten und ungezählte Zivlisten das Leben kostete.
Meinung zum Film:
"Sechs Tage im Krieg" ist eine zweiteilige, französisch-israelisch-kanadische Koproduktion aus dem Jahr 2007. Jeder Teil dauert etwa 52 Minuten. Der erste Teil, "Die Waffen klirren", beschäftigt sich ausführlich mit der Vorgeschichte des Konflikts, und der zweite Teil, "Krieg und Okkupation", behandelt im Anschluss den gesamten Verlauf des Sechstagekrieges. Der Hauptverantwortliche für diese Dokumentation, Ilan Ziv, wurde in Israel geboren, lebt aber mittlerweile in den Vereinigten Staaten von Amerika. Seine bisherigen Arbeiten umfassen Dokumentarfilme wie "Lebende Bomben", der sich mit Selbstmordanschlägen auseinandersetzte, oder "Amerika in Gottes Hand", der sich mit der Bedeutung religiöser Gruppierungen im letzten US-Präsidentschaftswahlkampf beschäftigte.
"Sechs Tage Krieg" besteht dokumentationstypisch aus zahlreichen Archivmaterialien wie historischen Fotos, Filmaufnahmen und Fernsehausschnitten. Der weit interessantere Bestandteil des Dokumentarfilms sind allerdings die aktuellen Interviews mit damaligen, hochrangigen Zeitzeugen beider Seiten, die Einblick in die Internas der Kriegsvorbereitung und -durchführung besaßen. Hier finden sich hochkarätige Vertreter, wie der Privatsekretär des ägyptischen Präsidenten, der ägyptische Verteidigungsminister, der israelische Außenminister, der Leiter des israelischen Geheimdienstes, oder auch der UN-Generalsekretär Boutros-Gali. Zudem gibt es aber auch Stimmen von Reservesoldaten, Studenten, Journalisten, CIA-Agenten oder russischen Offizieren. Dementsprechend hintergründig, vielschichtig und unparteiisch blickt der Film hinter die Kulissen des Krieges und transportiert auch das damalige Stimmungsbild innerhalb der Bevölkerung. Im ersten Teil, der sich mit der Eskalation des Konflikts beschäftigt, wird ein Schwerpunkt auf die beiden Hauptfiguren des Konflikts, den ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abdel Nasser und den israelischen Premierminister Levi Eschkol gelegt. Hier werden auf sehr gelungene Art und Weise die innenpolitischen Zwänge dargestellt, denen beide Führungspersönlichkeiten unterlagen.
Während der erste Teil die gesamte unmittelbare Vorgeschichte des Krieges sehr gut nachvollziehbar und detailliert rekonstruiert, fällt der zweite Teil, der sich mit dem Kriegsverlauf beschäftigt, leider etwas ab. Die Darstellung der Truppenbewegungen leidet unter der kaum vorhandenen Einbindung von anschaulichem Kartenmaterial, während die Eindrücke vom Kampfgeschehen selbst darunter leiden, das überhaupt kein aussagekräftiges Filmmaterial vorhanden zu sein scheint. Das Ausmaß und die Heftigkeit der Kämpfe sind dadurch schwer ablesbar. Besser gelungen ist hingegen die Darstellung der Bedeutung religiöser Aspekte, gerade im Kampf um Jerusalem sowie die Schilderung der ägyptischen Propagandamaschinerie, die versuchte die totale Niederlage, die bereits durch den "Präventivschlag" Israels eingeleitet wurde, der beinahe die gesamte ägyptische Luftwaffe auf einen Schlag am Boden ausschaltete, bis kurz vor Schluss in einen grandiosen Triumph umzumünzen. Dem zu Beginn angemeldeten Anspruch, die Auswirkungen dieses Konfliktes bis zur heutigen Zeit, bzw. dessen Bedeutung für die Lage im Nahen Osten, nachzuzeichnen, wird die Dokumentation allerdings nie gerecht. Konsequenzen wie die Entstehung eines palästinensischen Nationalbewusstseins, die aggressive Siedlungspolitik der Israelis in den besetzten Gebieten und andere wichtige Aspekte des Kriegsverlaufs werden in viel zu kurzer Zeit bestenfalls angerissen, hier wäre ein eigener dritter Teil mit den Auswirkungen des Krieges wünschenswert gewesen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Veröffentlichung wird in einem ansprechend gestalteten Digipak ausgeliefert, das sich in einem Schuber, welcher leider ein dickes FSK-Logo aufweist, befindet. Die Dokumentation besteht aus aktuellem Filmmaterial (z.B. die Interviews und die Aufnahmen vor Ort) und aus verschiedenen Archivquellen (TV-Sendungen, Offizielles Filmmaterial, Videoaufnahmen von Soldaten). Die neuen Segmente bieten eine gute Schärfe, natürliche Farben und einen ausgewogenen Kontrast, lediglich im Bereich der Kompression zeigen sich kleine Schwächen. Das Archivmaterial unterliegt stärkeren Qualitätsschwankungen und ist teilweise nur von ziemlich bescheidener Qualität. Die deutsche Tonspur präsentiert die O-Töne im Voice-over-Verfahren und ist, ebenso wie die englische Tonspur, zu jeder Zeit gut verständlich.
Es gibt leider überhaupt kein Bonusmaterial.
Fazit:
"Sechs Tage Krieg" ist eine interessante und vielschichtige Dokumentation über den Sechstagekrieg im Juni 1967, die vor allem durch die hintergründigen Aussagen hochrangiger Zeitzeugen an inhaltlichem Gewicht gewinnt. Die Darstellung ist sehr anschaulich geraten, die Hintergründe zur Eskalation des Konflikts werden aber im ersten Teil deutlich fundierter geschildert, als der eigentliche Kriegsverlauf im zweiten Teil, der auch unter dem Fehlen aussagekräftigen Archivmaterials leidet. Technisch ist die Veröffentlichung empfehlenswert, Bonusmaterial fehlt aber leider.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,78:1
|
104:03 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine Untertitel vorhanden. |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Sechs Tage Krieg
Six Days in June
Anschauliche Dokumentation über den Sechstagekrieg mit gewichtigen Zeitzeugen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Israel / Kanada, 2007 Regie: Ilan Ziv Drehbuch: Stephen Phizicky, Ilan Ziv
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 24.04.2009
|