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DVD-Besprechung - Hitler & Stalin - Porträt einer Feindschaft

Story:
Adolf Hitler und Josef Stalin waren wohl die beiden skrupellosesten Diktatoren des 20. Jahrhunderts und maßgebliche Heerführer des Zweiten Weltkriegs. Beide sicherten ihre Regime durch Terror und Unterdrückung, persönlich begegneten sie sich allerdings nie. Unter ihrer Federführung schlossen Deutschland und die Sowjetunion jedoch bereits am 23. August 1939 den "Hitler-Stalin-Pakt". Dieser Vertrag sicherte Deutschland die Neutralität der Sowjetunion im Kampf gegen die Alliierten zu und beinhaltete außerdem Vereinbarungen über eine einvernehmliche Aufteilung Osteuropas. Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 brach Hitler jedoch einseitig diesen Vertrag. Fortan standen sich beide als erbitterte Gegner gegenüber.

Meinung zum Film:
Die Dokumentation "Hitler & Stalin - Portrait einer Feindschaft" entstand in Zusammenarbeit von Ullrich H. Kasten ("Hitler & Mussolini - Eine brutale Freundschaft") sowie dem Autoren und Publizisten Hans-Dieter Schütt. Die historische Fachberatung übernahm der Engländer Richard Overy. Overy ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Exeter und außerdem Autor des Sachbuchs "Die Diktatoren. Hitlers Deutschland, Stalins Russland.", das mit dem Wolfson-Preis für Geschichte ausgezeichnet wurde. Er kann somit als ausgewiesener Kenner der Materie gelten. Die Produktion ist eine deutsch-englisch-italienisch-russische Co-Produktion aus dem Jahr 2008, die im Auftrag des ZDF entstand und an der unter anderem die Transit Film GmbH und ARTE beteiligt waren. Die deutsche TV-Erstausstrahlung der Dokumentation erfolgte am 8. April 2009 auf dem deutsch-französischen Kultursender ARTE.

Der Einstieg in die Dokumentation ist leider eher misslungen. Wie bereits beim Vorgänger "Hitler & Mussolini" legt Kasten keinen Wert auf biographische Details oder Psychogramme der beiden Diktatoren, sondern springt vielmehr direkt zum Überfall auf die Sowjetunion. Unsinnigerweise folgen Informationen zum Hitler-Stalin-Pakt jedoch erst danach. Fortan entwickelt die Dokumentation eine Struktur, die aus zwei Fixpunkten besteht, die chronologisch abgearbeitet werden. Der erste Fixpunkt ist der Verlauf des Russlandfeldzuges bzw. des Krieges gegen die Sowjetunion, der schließlich mit dem Einmarsch der Sowjets in Berlin als totale Niederlage Deutschlands endet. Der zweite Fixpunkt sind die öffentlichen Auftritte und Reden Hitlers und Stalins während dieses Zeitraums. Keiner dieser beiden Hauptteile kann jedoch überzeugen. Die Darstellung dieses gnadenlosen Vernichtungskrieges wirkt eher zahm und bietet auch kaum Details zum eigentlichen Kriegsgeschehen. Die BBC-Dokumentation "Hitlers Krieg im Osten", ebenfalls bei Polyband erschienen, ist hier die weit bessere Alternative zu diesem Thema. Die öffentlichen Auftritte der beiden Diktatoren leiden hingegen unter der viel zu fragmentarischen Präsentation, die keine große Aussagekraft entfalten kann.

Ein echtes Ärgernis dieser Dokumentation ist erneut der Sprecher, der sich in völlig unwissenschaftlicher Form immer wieder zu polemischen, (ab)wertenden und bedeutungsschwangeren Kommentaren hinreißen läßt. Der Gipfel der Dämlichkeit ist in dieser Hinsicht die mit Kinderfotos unterlegte Äußerung "Hitler und Stalin, auch sie waren einmal Kinder". Offensichtlich entspricht diese Art des Vortrags aber der von Herrn Kasten im Werkstattgespräch geäußerten Zielsetzung einer emotionalisierenden Wirkungsentfaltung beim Zuschauer. Auf Zeitzeugen und nachgestellte Spielszenen wurde bewußt verzichtet. Neben den größtenteils altbekannten Archivaufnahmen werden dafür aber auch interessante, aktuelle Aufnahmen von der Begehung wichtiger historischer Schauplätze in Deutschland und Russland geboten.

Digitale Aufarbeitung:
Die Veröffentlichung wird in einem ansprechend gestalteten Digipak ausgeliefert, das sich in einem Schuber befindet. Dessen farblich eher zurückhaltendes Design wird jedoch leider durch ein quietschbuntes, grünes FSK-Logo völlig verunstaltet. Aufgrund der Verwendung älteren Archivmaterials aus verschiedenen Quellen schwankt die Bildqualität der Dokumentation. Die aktuellen Aufnahmen an historischen Orten weisen eine gute Bildschärfe auf, leider macht sich hier aber die Kompression bemerkbar. Das Archivmaterial besteht ausschließlich aus Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die teilweise gut aufbereitet wurden und teilweise einen etwas mitgenommenen Eindruck machen. Einen Minuspunkt gibt es jedoch dafür, dass große Teile des Archivmaterials von "LUCE" ein störendes Logo als Wasserzeichen aufweisen, was hoffentlich keine Schule machen wird. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur, die jeweils größtenteils der Sprecher bestreitet, bieten zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit. Das alte Archivmaterial klingt aber erwartungsgemäß etwas blechern und verzerrt.

Im Bonusbereich der DVD findet sich zunächst ein sogenanntes "Werkstattgespräch" (51:10) mit den beiden Autoren der Produktion, Ullrich H. Kasten und Hans-Dietet Schütt. Trotz der Länge der Diskussion gehen aber beide kaum auf die vorliegende Dokumentation ein, sondern dozieren vielmehr äußerst trocken auf einer Metaebene über Themen wie Ethik, das Wesen des Menschen oder Gut und Böse. In der zweiten Hälfte geht es dann vorwiegend um die Problematik des Archivmaterials aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs im Hinblick auf dessen häufig propagandistischen Charakter. Es wird aber auch die manipulative Montage von Archivmaterial in aktuellen Dokumentationen zum Zweck der Effektsteigerung beim Zuschauer kritisiert. Der Punkt "Drehmaterial" (12:33) umfasst weitere Aufnahmen der aktuellen Begehung von zehn historischen Schauplätzen, die teilweise auch im Film zu sehen sind. Das "Archivmaterial" (40:50) umfasst unkommentierte S/W-Archivaufnahmen von der Ostfront sowie Farbaufnahmen von Berlin im Sommer 1945, die jedoch stark an das Bildmaterial aus "Spiegel TV: Berlin '45" erinnern.

Fazit:
"Hitler & Stalin - Portrait einer Feindschaft" hinterlässt leider einen ziemlich oberflächlichen und eher unwissenschaftlichen Eindruck. Biographische Details zu Hitler und Stalin werden lediglich rudimentär eingestreut, während ihre Charaktere äußerst eindimensional aufgearbeitet werden, was meist mit (ab)wertenden Kommentaren einhergeht. Die dargebotenen öffentlichen Auftritte besitzen in dieser Form ebenfalls wenig Aussagekraft und der Verlauf des Krieges gegen die Sowjetunion wird sehr verkürzt und handzahm wiedergegeben. Technisch kann die DVD überzeugen und bietet auch einiges an Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
89:10 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Werkstattgespräch mit den Autoren Ullrich H. Kasten und Hans-Dieter Schütt
  • Drehmaterial
  • Archivmaterial
Hitler & Stalin - Porträt einer Feindschaft - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hitler & Stalin - Portrait einer Feindschaft
Hitler & Stalin - Portrait einer Feindschaft

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Eher oberflächliche, populärwissenschaftliche Dokumentation ohne große Aussagekraft


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Großbritannien / Italien / Russland, 2008
Regie:
Ullrich H. Kasten
Drehbuch:
Ullrich H. Kasten, Hans-Dieter Schütt

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
24.04.2009