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DVD-Besprechung - Tracey Fragments

Story:
Die 15-jährige Tracy Berkowitz (Ellen Page) lebt in schwierigen Verhältnissen. Ihre Eltern streiten sich ständig und sorgen für eine aggressive Familien-Atmosphäre, in der Schule, wo sie ohnehin eine krasse Außenseiterin ist, wird sie von ihren Mitschülern nur verspottet. Ihre einzige Flucht aus der harten Realität sind ihre Tagträume, in denen sie die Freundin eines gefeierter Popstar ist. Eines Tages verschwindet ihr kleiner Bruder Sonny spurlos und auf der Suche nach ihm landet Tracey während ihrer nächtlichen Odyssee in so manch unangenehmer Situation.

Meinung zum Film:
Beim Titel „Tracy Fragments“ sollte man als interessierter Konsument vor allem den zweiten Teil im Namen ernst nehmen. Denn basierend auf einem Roman von Maureen Medved, der auch selbst das Drehbuch verfasste, erzählt Regisseur Bruce McDonald („Queer as folk“) die Geschichte alles andere als geradeaus. Anstatt in gewohnten zu erzählen, verwandelt er den Bildschirm in ein Kaleidoskop aus Einstellungen. Die einzelnen Fragmente in denen das Geschehen zu sehen ist, sind dabei in steter Bewegung. Es werden immer neue Bildelemente eingeblendet, alte dadurch überblendet oder einfach geschlossen, gerade so wie die Gedanken in Tracy Berkowitz hochschießen. Im Bild entsteht dadurch eine gefühlte Hektik, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein dürfte. Eines ist so schon recht schnell zu erkennen – „Tracy Fragments“ ist der Inbegriff für einen Experimentalfilm, der in vielerlei Hinsicht mit den konventionellen Sehmethoden des Zuschauers bricht.

Selbst der Inhalt der einzelnen Zellen ist höchst experimentell gehalten. So wird wenn in einem Song von rennenden Pferden die Rede ist, wird Hauptdarstellerin Ellen Page („Juno“) schon einmal mit einem rennenden Pferd überblendet, bei ihrer anschließenden Busfahrt gibt es dann Straßenkartenausschnitte in einzelnen Zellen. Der Inhalt der Zellen betrachtet oft die jeweilige Situation aus einer anderen Perspektive, teils im Sekundenversatz, wodurch schon mal ein sprachliches Echo entsteht. Vor allem zu Beginn des Films wird das Folgen der Handlung noch zusätzlich dadurch erschwert, dass die Szenen ohne Chronologie auf den Zuschauer einwirken und es kaum möglich ist, alles in einen passenden Rahmen zu bringen. Erst langsam beginnt sich so etwas wie ein feiner roter Faden zu entwickeln, an dem dann zwar auch nur vereinzelte Geschehnisse richtig anhängen lassen, aber der Rest wird dann als abschweifender Gedankengang von Tracy erkannt.

Ruhe gibt es somit eher selten für Augen und den Kopf des Zuschauers geboten. Genauso aktiv wie die Gedanken der 15-jährigen, sind auch die Bildcollagen, die der Regisseur zu bieten hat. Man ist mitten drin in den Sorgen und Ängsten einer Heranwachsenden, die eine Ausgestoßene in ihrem gesamten Umfeld ist. So anstrengend die Bildkomposition auch ist, so sehr hilft sie dann aber dabei, in die Gedankenwelt einzutauchen. Ellen Page liefert mal wieder eine gelungene schauspielerische Leistung ab, erneut in Gestalt eines sehr drastischen Rolle. Nachdem sie in „Juno“ eine schwangere Teenagerin mit ganz eigener Ansicht, in „Hard Candy“ eine besondere Rächerin und in „An American Crime“ ein sehr deprimierendes Schicksal spielte, ist sie nun als gebrochenes, 15-jähriges Mädchen ohne Zukunftsperspektive und Freude am Leben zu sehen. Für Freunde experimenteller Filme ist „Tracey Fragments“ sicherlich ein Genuss, wer aber eher auf konventionelle Kost setzt, ist hier garantiert fehl am Platz. Auch das sehr offene Ende dürfte nicht bei jedem unbedingt auf Gegenliebe stoßen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen guten Eindruck. Die Details sind gut zu erkennen, lediglich feines Rauschen, das wahrscheinlich auf das verwendete Bildmaterial zurückzuführen ist, ist ein kleinerer, allerdings kaum störender Makel. Die Farben wirken zudem ein wenig kraftlos und blass, was dem Rahmen des Films aber sehr entgegen kommt. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist sehr gut zu verstehen, der hintere Bereich kommt allerdings nicht zum Einsatz.

Als erstes Extra gibt es einen „Behind the Scenes“-Einblick, in dem einzelne Künstler ein wenig über ihre Eindrücke vom Film erzählen. Hinter „Tracy: Re-Fragmented“ verstecken sich einzelne Fan-Schnitte des Films in Form von Trailern, die auf Aufruf des Filmemachers im Internet angefertigt wurden. Abschließend gibt es noch den offiziellen Trailer zum Film in Deutsch und Englisch.

Fazit:
„Tracy Fragments“ ist ein sehr fordender Experimentalfilm, der sowohl durch seine Erzählweise als auch durch seine Bildkomposition volle Konzentration beim Zuschauer verlangt. Wer sich darauf einlassen möchte, kann tief in die Psyche eines 15-jährigen Mädchens eintauchen, das kaum etwas lebenswertes in ihrem Leben finden kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
77:29 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Behind the Scenes
  • Tracey: Re-Fragmented
  • Trailer
Tracey Fragments - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Tracey Fragments
The Tracey Fragments

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Weit entfernt von konventionellen Sehgewohnheiten, für Freunde experimentellen Kinos aber durchaus interessant


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Kanada, 2007
Regie:
Bruce McDonald
Drehbuch:
Maureen Medved (basierend auf seinem eigenen Roman)
Darsteller:
Ellen Page, Maxwell McCabe-Lokos, Ari Cohen, Erin McMurtry, Zie Souwand

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
05.06.2009