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DVD-Besprechung - 12 Jahre, 3 Monate, 9 Tage - Die Jahreschronik des Dritten Reichs

Story:
Am 30. Januar 1933, dem Tag der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Es ist die Geburtsstunde des Dritten Reichs als autoritärem Führerstaat. Doch dieses "Tausendjährige Reich" vergeht bereits am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte. Zunächst entfacht Nazideutschland jedoch im September 1939 mit dem Überfall auf Polen den 2. Weltkrieg, der insgesamt 55-60 Millionen Menschenleben fordert. In diese Herrschaftsperiode fällt auch der beispiellose, systematische Massenmord an Juden, Behinderten, Oppositionellen, Andersdenkenden und vielen weiteren Opfergruppen, mit Hilfe von "Todesfabriken" wie dem Konzentrationslager Auschwitz.

Meinung zum Film:
Die zweiteilige Dokumentation "12 Jahre, 3 Monate, 9 Tage - Die Jahreschronik des Dritten Reichs" aus dem Hause Spiegel TV entstand im Jahr 2008 unter der Leitung von Michael Kloft ("Feuersturm - Der Bombenkrieg gegen Deutschland") anlässlich des 75. Jahrestages der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Der erste Teil (90:45) beschäftigt sich mit den Jahren 1933-1939, der zweite Teil (99:38) behandelt die Jahre 1939-1945. Die Dokumentation besteht zum Großteil aus historischem Archivmaterial, teilweise in Schwarz-Weiß und teilweise in Farbe. Es handelt sich hierbei sowohl um offizielles Material, bzw. Propagandafilme, als auch um zahlreiche Amateuraufnahmen. Dieses Bild- und Tonmaterial wird von einem Sprecher sachlich kommentiert. Weiterhin besteht die Dokumentation aus Interviewsequenzen, bzw. Statements von drei bekannten Historikern.

Der Engländer Sir Ian Kershaw ist vor allem für seine zweiteilige Biographie über Adolf Hitler bekannt, die in den Jahren 1998 und 2000 erschien und als Standardwerk zum Thema betrachtet wird. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und doziert hier in sehr gutem Deutsch. Schwerpunktmäßig äußert er sich zur Situation Deutschlands im Hinblick auf das Ausland und zu Hitlers Vorgehensweise. Götz Aly erregte mit seinem im Jahr 2005 erschienen Sachbuch "Hitlers Volksstaat" große Aufmerksamkeit. Darin vertrat er die These von der sogenannten "Gefälligkeitsdiktatur", die allerdings in Fachkreisen auch durchaus kontrovers diskutiert wurde. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt von Alys Statements auf der Sozialpolitik und Überschuldung des Dritten Reichs. Brigitte Hamann schließlich schrieb im Jahr 1996 das Sachbuch "Hitlers Wien, Lehrjahre eines Diktators", das sich mit dem jungen Hitler und seiner Zeit in Wien auseinandersetzt. Ihre Anmerkungen betreffen vor allem den beinahe religiösen "Führerkult", der sich um die Person Adolf Hitler rankte.

Wie der Name bereits verrät, geht es bei der vorliegenden Dokumentation um eine Chronik des Dritten Reichs. Das bedeutet, es handelt sich hier um eine chronologische Beschreibung sämtlicher Bereiche und Strukturen des Dritten Reichs. Dementsprechend stehen hier Themen wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Unterhaltung, Sport, Wissenschaft oder Architektur weitgehend gleichberechtigt nebeneinander. Und auch wenn mehr als drei Stunden Laufzeit zunächst recht umfangreich anmuten, verbleiben tatsächlich für die Zusammenfassung der Ereignisse jedes Jahres lediglich gerademal 14-15 Minuten Laufzeit. Deshalb sollte sich der Zuschauer hier weder sehr tiefgründige Einblicke in einzelne, thematische Schwerpunkte erwarten, noch irgendwie geartete neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Das Bildmaterial ist zwar teilweise bereits bekannt, neu entdecktes Amateurfilmmaterial ist aber gerade im Hinblick auf das Alltagsleben der Bevölkerung unter dem Hakenkreuz durchaus interessant. Die Äußerungen des Sprechers sind eher allgemein gehalten, werden aber durch pointiertere Aussagen der drei bereits erwähnten Experten ergänzt. Allerdings existiert hier auch eine deutlich Ungleichstellung der drei Historiker. Bezüglich der Redezeit bewegen sich Kershaw und Aly in etwa auf einem Niveau, Frau Hamann hingegen kommt im zweiten Teil der Dokumentation fast gar nicht mehr zu Wort. Während sich Kershaw vor allem zu singulären Aspekten äußert, vertritt Aly durchgehend seine These von der "Gefälligkeitsdiktatur". Allerdings sind auch diese Erörterungen nicht wirklich neu, da er seine Aussagen teilweise sogar wörtlich aus seinem bereits 2005 erschienenen Buch entnimmt. Im Rahmen einer Chronik wirken seine klar dominanten Äußerungen zur Überschuldung des Dritten Reichs, zur Gefälligkeitspolitik gegenüber der eigenen Bevölkerung und der damit notwendig einhergehenden Beutezugpolitik gegenüber anderen Staaten jedoch übertrieben einseitig und somit auch teilweise deplaziert.


Digitale Aufarbeitung:
Das im Rahmen dieser Dokumentation verwendete, historische Archivmaterial unterliegt naturgemäß qualitativen Schwankungen. Insgesamt besitzen diese Aufnahmen aber eine durchaus zufriedenstellende Qualität und wurden offensichtlich bestmöglich überarbeitet. Ergänzt werden diese Aufnahmen durch die aktuellen Interviewsequenzen der Historiker in guter TV-Qualität. Die deutsche Tonspur ist zu jeder Zeit gut verständlich, das Archivmaterial ist aber erwartungsgemäß nicht frei von altersbedingten Einschränkungen wie Verzerrungen oder Rauschen.

Es gibt kein Bonusmaterial. Die Veröffentlichung erscheint aber wie alle bisherigen Spiegel-TV-Titel von Polyband in einem ansprechend gestalteten Slim-Digipak mit Schuber.

Fazit:
"12 Jahre, 3 Monate, 9 Tage - Die Jahreschronik des Dritten Reichs" ist eine Gesamtübersicht der Geschehnisse in und um das Dritte Reich in der Zeit von 1933-1945 und bietet erwartungsgemäß weder detaillierte Informationen, im Rahmen thematischer Schwerpunkte, noch wirklich neue Erkenntnisse. Das Bildmaterial ist jedoch durchaus effektiv montiert, der Sprecher agiert sachlich sowie leicht verständlich und die Experten liefern zusätzliche inhaltliche Aspekte zu den Ereignissen. Für Neueinsteiger in die Thematik oder Menschen, die sich lediglich einen chronologischen Überblick über dieses dunkelste deutsche Zeitalter verschaffen wollen, kann diese zweiteilige Dokumentation somit aber durchaus empfohlen werden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
190:23 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • -
12 Jahre, 3 Monate, 9 Tage - Die Jahreschronik des Dritten Reichs - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
12 Jahre, 3 Monate, 9 Tage - Die Jahreschronik des Dritten Reichs
12 Jahre, 3 Monate, 9 Tage - Die Jahreschronik des Dritten Reichs

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die Zeit des Dritten Reichs von 1933-1945 als übersichtliche Chronik für Einsteiger mit 191 Minuten Freizeit


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2008
Regie:
Michael Kloft

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
29.05.2009

Vertrieb Schweiz :
Impuls Home Entertainment
Verkaufsstart Schweiz :
29.05.2009