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DVD-Besprechung - Nürnberg - Die Prozesse
Story:
Der "Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess" begann am 20. November 1945 im Justizpalast von Nürnberg und endete mit der Verkündung der Gerichtsurteile am 30. September/1. Oktober 1946. Die Liste der Angeklagten umfasste hochrangige deutsche Vertreter, die repräsentativ aus zentralen Funktionsbereichen des Deutschen Reichs, wie dem NS-Führungskader, dem Militär, der Kriegswirtschaft oder der Verwaltung der besetzten Gebiete, ausgewählt wurden. Die vier Hauptanklagepunkte umfassten den Tatbestand der Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der zum Zweck dieses Prozesses eingesetzte "Internationale Militärgerichtshof" gilt heute als historischer Vorläufer des erst im Jahr 2003 eingerichteten Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.
Meinung zum Film:
"Nürnberg - Die Prozesse" ist eine dreiteilige Dokumentarfilmreihe der BBC aus dem Jahr 2006, die sich mit den sogenannten "Nürnberger Prozessen" gegen die bedeutendsten, noch lebenden NS-Kriegsverbrecher nach dem Ende des 2. Weltkriegs beschäftigt. Die Dokumentation versteht sich allerdings nicht als Gesamtüberblick des Gerichtsverfahrens, sondern setzt vielmehr personelle Schwerpunkte. Im ersten Teil, "Albert Speer - Karriere ohne Gewissen" (59:06), dreht sich alles um Albert Speer, den Bauherrn der Nazis und Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion. Im zweiten Teil, "Hermann Göring - Nazi ohne Reue" (57:23), steht Hermann Göring, der Gründer der Gestapo und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, im Mittelpunkt. Zentrale Figur des dritten Teils, "Rudolf Heß - Nazi der ersten Stunde" (57:56), ist Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß.
"Nürnberg - Die Prozesse" besteht zum größten Teil aus nachgestellten Szenen, die Dokumentation bedient sich also des sogenannten Reenactments. Diese werden durch allgemeines Archivmaterial aus der Zeit des 2. Weltkrieges, spezielles Archivmaterial von den Nürnberger Prozessen, Zeitzeugenaussagen, z.B. von Anklägern und den Gefängniswärtern der Angeklagten, aber auch durch Statements des Historikers Professor Richard Overy ("Hitler & Stalin - Porträt einer Feindschaft") sowie Einschätzungen von anerkannten Psychologen, ergänzt. Der Schwerpunkt der Dokumentarfilmreihe liegt nämlich weder auf einer chronologischen Darstellung des Prozesses noch auf einer kritischen Einordnung des gewählten Verfahrensweise oder der zu Grunde liegenden politischen Rahmenbedingungen und Absprachen. Vielmehr konzentriert sich die Reihe neben Gerichtsprotokollen vor allem auf die Aufzeichnungen des damaligen Gefängnispsychologen Gustave Mark Gilbert, der die Gefangenen psychologisch betreute, seine Erkenntnisse über deren Geisteszustand aber direkt an die Anklage weiterleitete, die dementsprechend ihre Prozeßstrategie anpasste. Seine Beobachtungen des Prozesses wurden 1961 als "Nürnberger Tagebuch" auch in deutscher Sprache veröffentlicht. Zentral sind für die vorliegende Dokumentation also nicht die Befragungen vor Gericht, sondern vielmehr die aufschlussreichen Gespräche bzw. Befragungen abseits des Gerichtssaales. Auf diese Weise entstehen quasi Psychogramme der ausgewählten drei Hauptangeklagten.
Allerdings dominieren Gilberts Erkenntnisse dadurch klar deren Persönlichkeitsbeurteilung, während biographische Erkenntnisse aus ihrer Vergangenheit abseits des Prozesses, bis auf einleitende Minibiographien, fast völlig ausgeblendet werden. Zudem stellt sich angesichts der dominierenden, nachgestellten Spielszenen wiedermal die Frage, wieso sich die Verantwortlichen nicht entweder für eine Dokumentation oder einen Spielfilm entschieden haben. Wirklich problematisch ist nämlich die Besetzung der drei Hauptrollen und die Verfahrensweise zur Einbindung des Archivmaterials, die aber seltsamerweise sogar mit einer Nominierung für den BAFTA Award honoriert wurde. Die drei Hauptdarsteller Nathaniel Parker ("The Inspector Linley Mysteries") als Speer, Robert Pugh ("Heisser Verdacht - Die letzten Zeugen") als Göring und Ben Cross ("Iceman - Killer im Ring") als Heß haben zunächst mit ihren realen Vorbildern fast keine Ähnlichkeit. Da der Film in Farbe gedreht wurde, die Archivaufnahmen aber nur in Schwarz-Weiß vorliegen, wirken die Übergänge außerdem, bei aller Authentizität hinsichtlich der Nachstellung der Situation im Gerichtssaal, eben alles andere als fließend. Weiterhin gerät Parkers dröge und völlig leblose Darstellung von Speer zum Todesstoß für den ersten Teil. Dieser leidet zusätzlich auch unter der weitgehenden Vernachlässigung neuerer Erkenntnisse über eine deutliche tiefere Verstrickung Speers hinsichtlich der Beteiligung am Ausbau von Auschwitz. Glücklicherweise werden die nachfolgenden Episoden mit Göring und Heß schauspielerisch wesentlich hochwertiger wiedergegeben und fallen auch in der Darstellung deutlich tiefgründiger aus.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine Bildqualität auf gutem TV-Niveau mit zufriedenstellender Schärfe, ausgewogenem Kontrast und natürlichen, leicht zurückgenommenen Farben. Im Bildhintergrund ist teilweise ein deutliches Rauschen erkennbar. Die deutsche Tonspur bietet zu jeder Zeit eine gute Verständlichkeit, bei der englischen Tonspur liegt aber offensichtlich ein Masteringfehler vor, denn diese weist einige Fehler auf. Während es bei der dritten Folge keinerlei Probleme gibt, sind beim zweiten Teil im englischen Originalton lediglich Umgebungsgeräusche und Hintergrundmusik zu vernehmen, auch das Archivmaterial ist vertont. Was allerdings nicht zu hören ist, sind die Gespräche der Protagonisten und der begleitende Kommentar. Den negativen Höhepunkt bildet in dieser Hinsicht allerdings der erste Teil, der vollkommen stumm bleibt.
Leider gibt es weder ein Wendecover, noch irgendwelches Bonusmaterial.
Fazit:
"Nürnberg - Die Prozesse" besteht zum größten Teil aus nachgestellten Spielszenen, während das spärliche Archivmaterial nicht gut eingebunden wurde und auch wenig aussagekräftig ist. Die BBC-Produktion stellt weniger eine Chronik des Prozesses oder eine Einordnung seiner historischen Bedeutung dar, sondern vielmehr ein Psychogramm der drei Hauptangeklagten. Während der erste Teil qualitativ katastrophal ausgefallen ist, können die weiteren Teile der Reihe durchaus überzeugen und auch die Bildqualität der DVD ist zufriedenstellend ausgefallen. Neben dem fehlenden Bonusmaterial schlagen aber besonders die Masteringbugs beim englischen Originalton negativ zu Buche.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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174:25 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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Nürnberg - Die Prozesse
Nuremberg: Nazis on Trial
Psychogramm der Angeklagten im "Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess" mit dem Schwerpunkt "Reenactment"
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien / USA, 2006 Regie: Paul Bradshaw, Nigel Paterson, Michael Wadding Drehbuch: Paul Bradshaw, Nigel Paterson, Michael Wadding Darsteller: Ben Cross, Nathaniel Parker, Robert Pugh, Adam Godley, Colin Stinton, Richard Durden
Label :
Polyband
Verkaufsstart : 29.05.2009
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