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DVD-Besprechung - Leonard Cohen - I´m Your Man

Story:
Leonard Cohen kann durchaus als einer der einflussreichsten Songwriter der USA gelten und hatte in den vierzig Jahren seiner Karriere zahlreiche erfolgreiche Alben, die auch in Europa oft zu hören waren. Der Film, der von Mel Gibson („Lethal Weapon“) produziert wurde, zeigt neben etlichen Liedern, die von bekannten Künstlern wie U2 live interpretiert wurden, etliche wichtige Stationen in Cohens Leben. Und er zeigt einen tiefen Einblick in die Philosophien des Songwriters.

Meinung zum Film:
Leonard Cohen war als kleiner Junge Comicleser und die weckten in ihm den Wunsch, selber zu schreiben. Geschrieben hat er denn auch schon sehr viel, seitdem er sein erstes Buch bereits 1956 veröffentlichte. Er ist Schriftsteller, Songwriter und Sänger in Personalunion und er beeinflusste viele aktuelle Künstler, dies auch und vor allem dadurch, dass er für sie Songs produzierte. Andere wiederum coverten viele seiner Songs. So sind weit über 1.700 Coverversionen seiner Songs bekannt, darunter Hits wie „First We Take Manhattan“ oder „Hallelujah“. Es gab Übersetzungen seiner Lieder in Italienisch und auch in Deutsch (zum Beispiel „Vogel im Wind“ von Katja Ebstein) und sogar ganze Alben, die ihm Tribut zollen und ausschließlich aus seinen Liedern bestehen, die von anderen Künstlern interpretiert werden. Gerade einmal 18 Alben hat Cohen selbst veröffentlicht, hinzu kommen noch zwölf Bücher. Sogar Filmweihen wurden ihm zuteil, denn sein Song „Waiting For The Miracle“ wurde zur Titelmelodie von „Natural Born Killers“ im Jahr 1994.

Interessanterweise gibt es zwischen 1994 und 2004 in beiden Bereichen eine Veröffentlichungspause. Das liegt daran, dass Cohen sich in dieser Zeit in ein buddhistisches Kloster zurückgezogen hatte. Ganz kam er aber auch dort nicht von seinem Ruf als stiller Songwriter weg, denn er wurde 1996 zum Mönch ernannt und erhielt den Namen „Jikan“, was übersetzt „Der Stille“ bedeutet. Auch der vorliegende Film glänzt durch diese Stille, man darf hier kein aufgeregtes, bombastisches Werk erwarten, sondern muss sich darauf einstellen, dass die Lautsprecher schon einmal lauter gedreht werden müssen, um die Kommentare der einzelnen Künstler und von Leonard Cohen selbst richtig mitzubekommen. Das ist aber durchaus nicht negativ zu nennen. Aber es ist auch nicht gerade positiv, dass die Lieder von Cohen immer wieder durch Interviewszenen unterbrochen werden. Irgendwie erwartet man die Lieder direkt hintereinander hören zu können, immerhin wurde hier ein ganzes Konzert aufgezeichnet. Aber das ist nicht der Fall. In seiner Machart erinnert der Film frappierend an „That’s The Way It Is“ mit Elvis Presley, von dem es mittlerweile Gott sei Dank auch eine Version ohne die unsäglichen dokumentarischen Szenen gibt. Sicherlich ist es ein Unterschied, ob wie bei Elvis Presley fast nur Fans zu Wort kommen oder wie hier Stars und Cohen selbst. Aber es wäre schön gewesen, wenn man das Ganze getrennt hätte. Ohne Frage sind beide Bestandteile des Films wichtig. Die Art und Weise der Mischung machen sie aber jeweils zu Geduldsspielen. Wer mehr autobiografisches wissen will, wird durch die Musikszenen genervt und umgekehrt.

Die Idee die Songs von Cohen durch viele verschiedene Künstler interpretieren zu lassen, ist aber in jedem Fall gut gewesen. Dabei wurden alle bekannten Lieder gesungen. Der Höhepunkt dabei ist mit Sicherheit „Tower of Song“ bei dem Cohen zusammen mit U2 auftritt. Schade nur, dass dieser Song ganz offensichtlich als Vollplayback eingespielt wurde. Wer also Cohen live sehen will, der wird auf die Konzerte warten müssen, die er im Sommer 2009 in Europa geben wird. Übrigens auf seiner ersten Tournee seit 15 Jahren.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist soweit in Ordnung, zeigt einen guten Kontrast und lebendige Farben. Bei den Bühnenszenen hat man sich sehr viel Mühe gegeben ein ausgewogenes Bild zu zeigen. Der Ton hat eine schwankende Qualität und das liegt nicht am Volumen oder anderen Dingen. Vielmehr hat man Fehler bei der Synchronisierung zwischen Ton und Bild gemacht. Es gibt Songs, bei denen der Ton eindeutig hinter dem Bild hinterher hinkt. Das ist ärgerlich.

Das Zusatzmaterial ist umfangreich. Vier Zusatzsongs (die man wenigstens am Stück genießen kann), dazu ein Gespräch mit Leonard Cohen, der Audiokommentar von Regisseurin Lian Lunson, der Originaltrailer und die Bildergalerie machen viel Spaß.

Fazit:
Nein, ein wirklich guter Musikfilm sieht anders aus. Der ständige Sprung zwischen Konzert und autobiografischen Szenen ist nervig. „Leonard Cohen – I’m your man“ ist nur bedingt empfehlenswert. Das Zusatzmaterial zeigt, wie man es hätte besser machen können.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,78:1
1,78:1
99:07 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseurin Lian Lunson
  • Extra Song: Martha Wainwright „Tower Of Song“
  • Extra Song: Perla Batalla „Bird On A Wire“
  • Extra Song: The Handsome Family „Famous Blue Raincoat“
  • Ein Gespräch mit Leonard Cohen
  • Teddy Thompson „Tonight will be fine“
  • Originaltrailer
  • Bildergalerie
Leonard Cohen - Im Your Man - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Leonard Cohen: I'm Your Man
Leonard Cohen: I'm Your Man

Bild unseres Mitarbeiters Bernd Glasstetter
Wie ein Vogel auf dem Drahtseil


Autor der Besprechung:
Bernd Glasstetter

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2005
Regie:
Lian Lunson
Drehbuch:
-
Darsteller:
The Edge, Beth Orton, Larry Mullen Jr., Kate McGarrigle, Anna McGarrigle, Adam Clayton, Jarvis Cocker, Leonard Cohen, Bono, Nick Cave

Label Deutschland :
3L
Verkaufsstart Deutschland :
18.06.2009