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Kino-Besprechung - Che - Guerrilla

Story:
Nachdem er erfolgreich die kubanische Regierung gestürzt und Fidel Castros kommunistisches Regime auf dem Weg gebracht hat, reist der Revolutionär Ernesto "Che" Guevara (Benicio Del Toro) nach Bolivien, um mit seinen erprobten Guerrilla-Taktiken bei der dortigen Revolution zu helfen. Doch die Unterstützung der dortigen Widerstandsfraktion ist zu gering und so werden Ches Kämpfer immer weiter in die Enge getrieben.


Meinung zum Film:
Wie schon der erste Teil "Revolución" ist auch "Guerilla", der zweite Teil von Steven Soderberghs ("Ocean's Eleven") Che-Guevara-Epos, genau 131 Minuten lang. Die Länge merkt man in diesem Fall aber leider sehr deutlich. Gerade, wenn man sich beide Filme, wie vom Regisseur ursprünglich geplant, am Stück anschaut, verlangt einem der Film viel Aufmerksamkeit ab. Ein Kinobesuch ist nur gut ausgeschlafen zu empfehlen. Scheinbar endlos lang kann man die erschöpften Guerrilla-Kämpfer dabei beobachten, wie sie im Urwald hocken, ihre Bärte wachsen lassen und nach und nach vom Feind dezimiert werden. Dies ist ein zermürbendes Erlebnis für den Zuschauer, wodurch er zwar vielleicht die zunehmend aussichtslosere Lage der Figuren besser nachvollziehen kann, aber auch einer harten Geduldsprobe ausgesetzt wird.

Der erste Teil hat hier eine besseres Erzähltempo gefunden, bei dem man ebenfalls ein gutes Gefühl für die Realität des Guerrilla-Krieges im Dschungel bekam, jedoch durch die zügige Handlungsentwicklung und mindestens eine wirklich mitreißende Actionsequenz bei der Stange gehalten wurde. Dabei muss man allerdings natürlich im Auge behalten, dass dieses unterschiedliche Kino-Erlebnis auch eine inhaltliche Entsprechung hat: während die im ersten Film gezeigte kubanische Revolution tatsächlich ziemlich glatt ablief und zunächst ein echter Erfolg für die Revolutionäre um Castro und Guevara war, waren Guevaras Anstrengungen in Bolivien eben nicht von Erfolg gekrönt und für alle Beteiligten ein höchst frustrierendes Erlebnis. Bleibt nur die Frage, ob man diese Frustration als Zuschauer unbedingt am eigenen Leibe erfahren möchte.

Problematisch ist auch Soderberghs Angewohnheit, immer auf Distanz von seinen Figuren zu bleiben. Die Geschichte wird nicht wirklich aus der Perspektive von Guevara erzählt; es wird versucht, den Zuschauer zum objektiven Beobachter zu machen. Dadurch bewahrt er den Film zwar davor, zu parteiisch zu werden, hält den Zuschauer aber auch davon ab, wirklich in die Welt des Films einzutauchen.
So ist das Gesamtwerk „Che“ zwar durchaus interessant, teilweise sehr gut gemacht und grundsätzlich sehenswert, jedoch erfordert gerade der zweite Teil eine Menge Sitzfleisch. Wer die Längen durchsteht, kriegt auf jeden Fall das großartige Spiel von Benicio Del Toro ("Traffic") zu sehen und bekommt einen faszinierenden Einblick in das Leben der historischen Figur Che Guevara, wobei jedoch immer eine gewisse Distanz bewahrt wird und der Film keine wirklich persönliche Charakterisierung wagt.


Fazit:
Als Gesamtkunstwerk ist "Che" sicherlich sehenswert, jedoch weist besonders der zweite Film erhebliche Längen auf. Aber auch wenn "Che – Guerrilla" nicht gerade ein unterhaltsames Kinoerlebnis ist, wurde die bedrückende Atmosphäre des Dschungelkrieges gut eingefangen und auch Del Toros Schauspiel ist äußerst überzeugend.

Che - Guerrilla - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Che - Guerrilla
Che: Part 2

Bild unseres Mitarbeiters Adrian vom Baur
Einige Längen machen den zweiten Teil des Che-Epos zu einer anstrengenden Sache.


Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Spanien, Frankreich, USA, 2009
Regie:
Steven Soderbergh
Drehbuch:
Peter Buchman, Benjamin A. Van der Veen
Darsteller:
Benicio Del Toro, Rodrigo Santoro, Demián Bichir, Franka Potente, Joaquim de Almeida, Lou Diamond Phillips

Verleiher:
Central Film
Kinostart Deutschland :
23.07.2009