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DVD-Besprechung - Winged Creatures
Story:
An einem ganz normalen Vormittag in der Millionenstadt Los Angeles ereignet sich in einem beschaulichen Diner eine menschliche Tragödie. Ein Amokläufer betritt die Räumlichkeiten und eröffnet spontan das Feuer auf die anwesenden Gäste. Es gibt überraschend wenige Todesopfer. Als der Todesschütze sich selbst richtet, hat er jedoch auch die Schicksale der Überlebenden stark beeinflusst, deren Leben fortan von der individuellen Verarbeitung des furchtbaren Ereignisses überschattet wird. Charlie Archenault (Forest Whitaker) will sein unglaubliches Glück im Casino ausnutzen, Anne Hagen (Dakota Fanning) flüchtet sich in eine krankhaft übersteigerte Religiösität, Carla Davenport (Kate Beckinsale) vernachlässigt ihren kleinen Sohn und Jimmy Jaspersen (Josh Hutcherson) spricht seit dem Vorfall kein einziges Wort mehr.
Meinung zum Film:
Der australische Regisseur Rowan Woods machte zuletzt vor vier Jahren mit dem Drogendrama "Little Fish" auf sich aufmerksam, das in seinem Heimatland für diverse Filmpreise nominiert wurde. Drehbuchautor Roy Freirich adaptierte mit "Winged Creatures" seine eigene, gleichnamige Romanvorlage. Die Besetzungsliste der Verfilmung ist gespickt mit bekannten Namen und umfasst Forest Whitaker ("The Air I Breathe"), Guy Pearce ("Tödliche Magie"), Kate Beckinsale ("Klick"), Dakota Fanning ("Dreamer - Ein Traum wird wahr"), Josh Hutcherson ("Die Brücke nach Terabithia"), Jeanne Tripplehorn ("Basic Instinct") oder Jennifer Hudson, die direkt für ihren Debütfilm "Dreamgirls" mit dem Oscar für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet wurde.
"Winged Creatures" entpuppt sich als astreines Drama, dessen Episodencharakter leider durch den alternativen US-Titel "Fragments" sehr treffend beschrieben wird. Während Meisterwerke des Episodenfilms, wie beispielsweise "Short Cuts", den Eigenheiten ihrer Charaktere viel Raum gewähren und die einzelnen Episoden effizient miteinander verknüpfen, um am Ende die Geschichte mitreißend aufzulösen, hapert es bei "Winged Creatures" an allen Ecken und Enden. Bereits der Einstieg in den Film stellt sich in gewisser Weise selbst ein Bein. Ausgerechnet in das prägende Ereignis für das weitere Schicksal der Hauptpersonen wird der Zuschauer völlig unvermittelt hineingeworfen. Allerdings werden große Teile der grausamen Geschehnisse zunächst ausgeblendet und erst in stetig wiederkehrenden Rückblenden, im Verlauf des Films, Stück für Stück wieder zusammengesetzt. Diese Herangehensweise soll natürlich das Interesse der Zuschauer wachhalten, erschwert es diesen aber leider sich besser in die Figuren hineinzuversetzen. Zudem entschärft diese Entscheidung den Charakter des Amoklaufs als für die Betroffenen entscheidenden Wendepunkt. Das Ausklammern der Identität und der Motive des Amokläufers wirkt damit einhergehend als zusätzliche Schwäche.
Ein weit größerer Schwachpunkt des Films sind allerdings die zentralen Charaktere, deren Anzahl für einen nur etwa 90-minütigen Film deutlich zu hoch ausgefallen ist. So bleibt eben auch keine Zeit die Figuren vor dem Amoklauf einzuführen und es ist notwendig, ihr vorheriges Leben beiläufig in Dialogen zu erwähnen oder wenig subtile, optische Hinweise einzufangen. Doch trotz der guten Leistungen des namhaften Ensembles, aus dem besonders Forest Whitaker hervorsticht, wirken die Charaktere eher eindimensional, während ihre Handlungen oftmals schwer nachvollziehbar erscheinen. In dieser Hinsicht ist auch der fragmentarische Charakter des Films eher hinderlich. Besonders die Figur der jungen Anne Hagen, die sich in fanatische Religiösität flüchtet und sogar eine Art religiösen Kult an ihrer Schule initiiert, wirkt extrem überzogen. Andererseits gibt es Personen wie Carla Davenport, bei denen überhaupt keine extreme Wandlung abzulesen ist. Sie beginnt nach dem Vorfall ihr Kind zu vernachlässigen, wie sie ihre Mutterrolle zuvor interpretiert hat, bleibt jedoch weitgehend offen. Die in gefällige Bilder gekleidete, aber schleppend erzählte Geschichte ist eine weitere Schwäche des Films, und leidet besonders an der ausbleibenden charakterlichen Entwicklung der Opfer. Deren Verhaltensmuster treten im Grunde, ebenso wie die Geschichte selbst, weitgehend auf der Stelle. Dieser Sachverhalt gipfelt schließlich leider auch in einem wenig überzeugenden und kitschigen Ende, inklusive übertrieben geraffter Spontan-Katharsis aller Hauptcharaktere.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD bietet eine gute Schärfe und einen ausgewogenen Kontrast. Die Farbgebung wird als Stilmittel bewusst etwas zurückgenommen. Im Bildhintergrund ist ein leichtes Rauschen erkennbar. Alle Tonspuren überzeugen mit guter Verständlichkeit und einer ausgewogenen Abmischung. Allerdings können sie sich im Verlauf des ruhig angelegten Films effekttechnisch nicht weiter auszeichnen.
Das einzige Bonusmaterial auf der DVD sind äußerst knappe Darstellerinfos zu den wichtigsten mitwirkenden Schauspielern. Diese sind, ebenso wie die Kapitelübersicht, auch in dem beigelegten 4-seitigen Einleger aufgeführt. Die DVD besitzt kein Wendecover.
Fazit:
"Winged Creatures" ist als episodisches Drama deutlich zu kurz, zu fragmentarisch und zu eindimensional geraten. Es gelingt dem Film nicht, den Amoklauf und die abweichenden Verhaltensweisen der Betroffenen effektiv miteinander zu verknüpfen, was auch in den eher oberflächlichen Charakteren und deren nicht immer nachvollziehbaren Verhaltensweisen begründet liegt. Die Handlung vollzieht sich sehr schleppend und die Auflösung ist eine einzige große Enttäuschung, bei der sich der Zuschauer zurecht die Frage stellen wird, was ihm dieser Film nun eigentlich mitteilen wollte.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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91:45 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Darstellerinfos
- 4-seitiger Einleger
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Winged Creatures
Winged Creatures
Eine schleppende Erzählweise und wenig glaubwürdige Charaktere zerstören einen interessanten erzählerischen Ansatz
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008 Regie: Rowan Woods Drehbuch: Roy Freirich Darsteller: Forest Whitaker, Kate Beckinsale, Dakota Fanning, Guy Pearce, Josh Hutcherson, Jeanne Tripplehorn
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 18.06.2009
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