Der Italowestern trieb teilweise recht seltsame Blüten. Zum Einen gab es politisch angehauchte Western wie die Sergio-Sollima-Trilogie oder den Revolutionswestern „Töte Amigo“. „Blutiges Blei“ mit Giuliano Gemma nahm laut dem Westernexperten Ulrich P. Bruckner das Kennedy-Attentat als Hintergrund (siehe auch „Leichen pflastern ihren Weg“, S. 39), liegt auf deutsch aber leider nur in einer verstümmelten Fassung von „Best Entertainment“ auf DVD vor.

In späteren Jahren wurde der „Klamauk-Western“ etabliert und war auch sehr erfolgreich, zumindest wenn Bud Spencer und Terence Hill mitspielten. Die beiden Haudegen haben ihren anfänglichen Erfolg dem Western-Genre zu verdanken, als sie gemeinsam sehr erfolgreich in der ernsten „Hutch Bessy / Cat Stevens“-Trilogie („Gott vergibt, wir beide nie“, „4 für ein Ave Maria“, „Hügel der blutigen Stiefel“) auftraten. Nach dem späteren Erfolg der beiden im Komödienbereich kamen der erste und der letzte Teil der Filme in Deutschland noch einmal, diesmal mit einer lustigen Synchro versehen, auf den Markt („2 vom Affen gebissen“, „Zwei hau’n auf den Putz“). Es muss sicherlich nicht extra erwähnt werden, dass diese zwanghaft auf lustig getrimmten Comedy-Versionen im Grunde gar nicht lustig und bei Genrefans ohnehin verpönt sind. Ein ähnliches Schicksal erleidete auch der Klassiker „Django und die Bande der Gehenkten“ mit Terence Hill unter der Regie von Ferdinando Baldi. Dieser 1968 entstandene, zwar inoffizielle, aber dennoch legitime Nachfolger des Original-Djangos von Sergio Corbucci (Franco Rossetti schrieb zu beiden die Drehbücher) mit Franco Nero in der Titelrolle, wurde später gekürzt, mit einer schwachsinnigen Synchronisation versehen und als „Joe der Galgenvogel“ als neues Produkt dem deutschen Kinozuschauer präsentiert. Wer Lust hat, kann die beiden Versionen miteinander vergleichen – e-m-s hat beide Fassungen in einer guten Qualität auf jeweils einer deutschen DVD veröffentlicht.

Aber nicht immer haben die deutschen Synchronisationen einem eigentlich ernsten Film geschadet. Beispielhaft sei hier nur der mit wirklich witzigen Sprüchen durchsähte „... und Santana tötet sie alle“ genannt, der von Synchronlegende Rainer Brandt noch einmal aufgewertet wurde und dabei nichts von seiner inhaltlichen Härte verliert.
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