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Die Eigenarten


Bei Italowestern fällt besonders die eigentümliche Bildkomposition auf. Augen in Großaufnahme und ausgiebig ausgekostete Shoout-Outs, die detailliert jedes Fingerzucken mit der Kamera einfangen sind besonders von Sergio Leone geprägte, visuelle Stilmittel. Herausragend ist das legendäre Duell auf dem Friedhof zwischen dem Fremden, Tuco und Sentenza in „2 glorreiche Halunken“, das visuell geradezu zelebriert und breitgetreten wird, womit der Effekt erzielt wird, dass auch beim Zuschauer die Nerven bis zum Zerreißen angespannt sind.



Prägend für das Genre waren aber nicht nur die visuellen Eigenarten, auch der Ton war in mehrerer Hinsicht stilprägend. Unter anderem durch die für den italienischen Western typischen Pistolenschussgeräusche, an deren peitschenden Sound selbst so manch Unwissender auf den ersten Blick einen Italowestern von einem amerikanischen Vertreter unterscheiden kann. Viel mehr aber noch durch den prägenden Soundtrack, der oftmals die morbide Grundstimmung vieler Western noch einmal verstärkte und/oder mit seinen Melodien für Ohrwürmer sorgte. Stilprägend war hier das Arbeitstier Ennio Morricone, der u.a. mit seinen weltbekannten Melodien zu „2 glorreiche Halunken“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ vielen Filmen seinen Stempel aufdrückte. Sein eingängiger Stil wurde oft kopiert und findet sich in Variationen in vielen Western wieder.



Inhaltliches Merkmal des Eurowestern ist sicher auch die gegenüber dem typischen amerikanischen Western viel deutlicher zelebrierte Gewalt. Zwar spritzt das Blut allgemein nicht in Fontänen, dennoch ist die Bereitschaft, graphische Härte zu zeigen, tendenziell höher als im typischen „sauberen“ US-Western. Apropos sauber: in Italowestern ging es grundsätzlich staubig oder matschig zu, die typische Italo-Westernstadt scheint verlassen, deren Einwohner entweder skrupellos, oder wenn sie ausnahmsweise doch auf der Seite des Gesetzes stehen, dienen sie oftmals nur als Opfer der Verbrecher. Die kalte, pessimistische Atmosphäre in den Kulissen vieler Filme geht oft eine passende Verbindung mit dem ebenso charakterisierten Helden ein.



Zu guter Letzt sei noch das Frauenbild im Spaghettiwestern erwähnt, das vom Thema „Emanzipation“ weit entfernt war. Die Frauen werden oftmals schlecht behandelt und auf (Sex-)Objekte reduziert, selbst von den eigentlichen Helden des Films. Macht eine Frau „Zicken“, rutscht auch schon mal die Hand aus – allgemein sollte man das aber nicht überbewerten, sondern das Ganze eher ironisch nehmen. Dass es aber auch anders geht, zeigt die Figur der Jill McBain aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, dargestellt von Claudia Cardinale, die deutlich mehr Kraft und Durchsetzungsvermögen als die sonstige, typische Frau im Italowestern aufbietet.



Special vom: 20.04.2005
Autor dieses Specials: Andreas Schultz
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