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Interview mit Ulrich P. Bruckner - Teil 2


Nachdem es zwischenzeitlich nicht einmal mehr Flyer mit Infos zu den Filmen gab, wurde die Sergio-Sollima-Box hervorragend ausgestattet, spürbar liebevoll zusammengestellt und "Blindman" und "Django unbarmherzig wie die Sonne" mit informativen Booklets und einem Schuber ausgestattet. Können Sie schon einschätzen, ob sich die Strategie, hochwertige und liebevolle Veröffentlichungen auch bei weniger bekannten Titeln herauszubringen, ausgezahlt hat und soll diese Strategie weiter verfolgt werden?

Die zuletzt veröffentlichten Titel wurden einigermaßen gut verkauft, ob dies allerdings nur an den Filmen, oder auch an den Bonus-Features liegt, ist natürlich sehr schwer festzustellen. Für die nächsten Titel planen wir auf jeden Fall, diese Strategie fortzuführen.


Anfang der 70er wurde, nicht zuletzt durch Bud Spencer und Terence Hill, der Klamaukwestern populär. Wie stehen Sie grundsätzlich dazu, durch humoristische Elemente einem im Grunde todernsten Genre eine neue Facette zu geben?

Gegen den Klamaukwestern habe ich im Grunde nichts einzuwenden. Auch dem US-Western wurden ja mit Filmen wie "Cat Balou" Komödien entgegengestellt. Ich glaube nicht, dass der Untergang des Italo-Western durch diese Komödien verursacht wurde. Es fand ganz einfach eine Übersättigung des Genres statt.


Das Frauenbild in den Italo-Western wird von vielen als Hauptkritikpunkt an den Filmen genommen. Wie denken Sie darüber?


Meiner Meinung nach haben Frauen in den meisten US-Western meist nur von der Handlung abgelenkt, aus diesem Grunde finde ich die italienischen Filme meist viel unterhaltsamer. Ausnahmen - wie beispielsweise "Spiel mir das Lied vom Tod" - bestätigen wiederum die Regel.

Durch die deutschen Synchronisationen wurden viele Filme aus Marketinggründen zu "Django"-Filmen umdeklariert, die im Original nicht das Geringste mit diesem Helden zu tun haben. Bei einigen Fans herrscht Unklarheit, welche Filme, abgesehen von Sergio Corbuccis Original-"Django", den Namen zu recht tragen. Welche Titel sind das Ihrer Meinung nach und warum?

Neben Corbuccis Original-Django gibt "Django il bastardo" mit Anthony Steffen, "Preparati la bara" mit Terence Hill sowie den Spätwestern (der eigentlich kein Western ist) "Django 2- Il grande ritorno" mit Franco Nero, "Django spara per primo" mit Glenn Saxson, "Non aspettare Django spara" mit Ivan Rassimov, "Pocchi dollari per Django" mit Anthony Steffen, "W Django" mit Anthony Steffen, "Arrivano Django e Sartana...e la fine" mit Chet Davis, "Anche per Django le carogne hanno un prezzo" mit Jeff Cameron, "Django - Cacciatore di taglia" mit James Philbrook, "Django sfida Sartana" mit Tony Kendall und einige mehr. Im Prinzip all jene Filme, die in der Originalversion des Films den Django-Character enthalten. Zu den wirklichen Django-Filmen zählen für mich jedoch neben dem Corbucci-Film nur "Preparati la bara und "Django il bastardo" - was Filmstil und die Kleidung und Charakter des Hauptdarstellers angehen. 


Viele Italowestern wurden in Almeria, Spanien gedreht. "Mini Hollywood", eine Art Themenpark, lädt dort heute noch zu einem Besuch ein. Lohnt sich ein solcher Besuch, oder ist vom Flair der damaligen Filme nichts mehr zu spüren?

Ein Besuch nach Spanien lohnt sich allemal, allerdings sollte man von "Mini Hollywood" so weit wie möglich weg bleiben, denn diese Stadt ist eine Art Disneyland - und mehr für kleine Kinder als für ernsthafte Italo-Western-Fans. Statt dessen sollte man sich die umliegende Landschaft ansehen, die im Prinzip noch so aussieht wie vor 40 Jahren.  


Könnten Sie sich vorstellen, dass ein heutzutage gedrehter Italowestern Erfolg an der Kinokasse hätte? Wenn ja, welche das Genre prägenden Elemente müsste ein solcher Film Ihrer Meinung nach auf alle Fälle beinhalten?

Ein neuer Italo-Western müsste von jemandem wie Quentin Tarantino inszeniert werden, der ein sehr gutes Gespür für die Key Elemente dieser Filme besitzt. Dies konnte man ja bereits in seinem letzten Werk, den beiden Kill Bill Filmen sehen. Wichtig für den Erfolg wäre eine intelligente Story, gute Inszenierung, passende Darsteller, hervorragende Musik sowie schöne Landschaftsaufnahmen.  


Wie erklären Sie sich den aktuellen DVD-Boom, den der Italowestern in Deutschland augenblicklich erlebt?

Leider kann man ja nicht von einem wirklichen Boom sprechen, da sich die Verkaufszahlen stark in Grenzen halten und nicht mit Blockbuster-Filmen verglichen werden können. Trotzdem scheint es besonders in Deutschland eine gewisse Fan-Community zu geben, welche die Qualität dieser Filme einzuschätzen vermag und sich diese DVDs kauft.  


Koch Media hat ja auch Titel aus anderen, durch italienische Filme geprägten Genres wie den "Giallo" oder den "Poliziotti" im Programm, die einen ähnlichen Inszenierungs-Stil wie der Italo-Western haben. Was denken Sie über diese Filme und wird "Koch Media" auch in diesen Bereichen künftig tätig sein?  

Auf Grund des katastrophalen Misserfolges unserer bisherigen Poliziottis wird es wohl leider keine weiteren Veröffentlichungen geben. Wir werden als nächstes den Giallo-Markt testen mit dem Film "Der Tod trägt schwarzes Leder" und uns eventuell - je nach Erfolg oder Mißerfolg - weitere Titel dieses Genres (Giallo) sichern.

Wie schwierig ist die Arbeit mit der FSK, bei Neubewertung eines Filmes eine angemessene Freigabe zu erhalten? Wie gehen Sie mit der Gefahr, bzw. einer bereits erfolgten Indizierung eines Titels um?

Die Arbeit mit der FSK ist sehr einfach und es gibt eigentlich keine Probleme, vernünftige Ratings zu erhalten. Was uns allerdings wesentlich größere Probleme bereitet ist die Arbeit mit der BPJM, welche in den 80er Jahren zahlreiche Filme indiziert hatte. Wenn man bedenkt, was heute alles auf dem Markt mit FSK 16-Freigaben geschwemmt wird, ist es eine Schande, einen Klassiker wie "Töte, Amigo" immer noch auf dem Index zu haben. Die Leute weigerten sich, den Film vom Index zu geben - selbst die Argumentation, dass dies ein Filmklassiker sei, hat da nichts genützt. Leider mußten wir zu unserem Erschrecken feststellen, dass auch die Italo Western Komödie "Man nennt mich Halleluja" auf dem Index steht. Wir können eigentlich nur hoffen, dass wir wenigstens diesen Film vom Index bekommen.


Haben Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit bei Koch einen bestimmten Traum oder eine Vision, den/die Sie sich und den Fans des Westerns erfüllen wollen?

Es gibt eine Reihe von superraren Italo-Western-Filmen, welche bisher leider noch nicht das Licht der DVD-Welt erblickt haben. Dazu zählen vor allem ungekürzte Fassungen von Klassikern wie "Sartana (Mille dollari sul nero)" und "Das Gold von Sam Cooper (Ognuno per se)", welche bisher nur in sehr verstümmelten Versionen und dazu noch im falschen Bildformat veröffentlicht wurden. Ein weiteres Highlight ist für mich der Film "Satan der Rache (E dio disse a caino)", welcher wohl - zu meinem Entsetzen - von KINOWELT im falschen Bildformat und in gekürzter Fassung erscheinen soll.


Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Bruckner, dass er uns für dieses Interview zur Verfügung stand. Darüberhinaus möchten wir uns auch für die Bereitstellung des Bildmaterials recht herzlich bedanken!

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Das Interview ist (c) by Splashmovies.
  



Special vom: 21.04.2005
Autor dieses Specials: Andreas Schultz
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