PRODUKTIONSNOTIZEN - Teil 2
Jackman weist darauf hin, dass dieses Problem und all die Konflikte, die sich daraus ergeben, für die X-Men „wirklich existenziell“ sind. Der Schauspieler zeigt die Schwierigkeiten des Mutantenlebens auf: „Da gibt es noch eine andere Seite, die es zu entdecken gilt. Bei Rogue zum Beispiel. Ihre Fähigkeiten (anderen Mutanten ihre Kräfte zu entziehen, was tödlich enden kann) sind faszinierend, aber die Kehrseite der Medaille ist nun mal, dass sie dazu verdammt ist, ein sehr einsames Leben zu führen. Sie wird niemals eine andere Person berühren, eine körperliche Beziehung führen oder Kinder haben können. Wie moralisch verabscheuungswürdig die Vorstellung eines derartigen Heilmittels auch sein mag, ist es dennoch verständlich, dass jemand wie Rogue sicherlich darüber nachdenken würde, es zu nehmen.“
Auch Beast, der am wenigsten menschenähnliche aller Mutanten, hat eine gespaltene Meinung zu dem Thema: „Im Gegensatz zu den anderen
X-Men kann man Beast seine Mutation ansehen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er durchaus über die Möglichkeit, ein ganz normaler Mensch zu werden, nachdenkt. Natürlich stellt er aber fest, dass es nun mal nicht sein Schicksal ist, „normal“ zu sein. Er ist ein tapferer Held, denn Tapferkeit bedeutet, sein Schicksal anzunehmen und zu versuchen, Gutes damit zu tun. Und Beast macht genau das,“ so Kelsey Grammer.
Diese emotionalen Themen sind eng mit einigen der beliebtesten Geschichten aus der X-Men-Comicreihe verbunden. „Vor den X-Men-Comics aus den 70er Jahren hatte noch nie jemand versucht, Gefühle in Comics einzubauen. Wir schuldeten es dem grandiosen Original, diese starke Emotionalität auch auf die Leinwand zu bannen. Damit das gelingen konnte, mussten wir die Welt der X-Men so realistisch wie möglich darstellen. Das Publikum muss glauben, dass dieses Universum real ist, dass sowohl Gutes als auch Böses darin passieren kann,“ so Zak Penn, der, wie auch Ko-Autor Simon Kinberg, ein echter Fan der X-Men-Comics ist.

„Einer der wichtigsten Aspekte der Comics war es, dass die Leser mit den Figuren mitfühlen konnten und das in jeder Ausgabe. Es ging nicht nur um die Geschichte, sondern auch besonders um die Charaktere,“ fügt Kinberg hinzu.
Brett Ratner gefiel nicht nur das grandiose Drehbuch an sich, sondern auch die Tatsache, dass es den Vorgängerfilmen treu bleibt. „Bryan Singers
X-MEN-Filme waren für mich wie eine Vorlage. Ich wollte die ganz besondere Stimmung und Dramaturgie der Story, die Bryan und die Schauspieler
entwickelt hatten, beibehalten. Die Zuschauer fühlen mit diesen Figuren mit und deshalb war es mir wichtig, sie nicht zu verändern. Ich hatte es mir
zum Ziel gesetzt, das, was in den ersten beiden Filmen bereits funktioniert hat, beizubehalten, aber es ein wenig emotionaler zu gestalten und einige Charaktere weiterzuentwickeln,“ so Ratner.
Die Darsteller, die nun bereits zum dritten Mal gemeinsam vor die Kamera traten, schätzen Ratners Vorgehensweise. „Brett respektiert den Stil aus X-MEN und X2 und bleibt ihm treu. Gleichzeitig aber hebt er alles auf ein neues Level, macht es gefühlvoller und intensiviert die Beziehungen zwischen den Figuren,“ so Hugh Jackman.
Auch von Halle Berry bekommen Ratner und die Drehbuchautoren großes Lob, besonders deshalb, weil sie Storms Figur noch weiter ausgebaut haben, ihre Verantwortung, ihren Standpunkt und auch ihr Potenzial deutlich machen. „Ich wusste, dass Brett das alles verwirklichen konnte. Er hat es von Anfang an befürwortet, Storm eine größere Rolle zuzuschreiben. Es ging nicht darum, mir mehr Dialoge zu geben. Aber wenn ich auf der Leinwand zu sehen bin, möchte ich, dass mein Auftritt etwas bewirkt und Spuren bei den Zuschauern hinterlässt,“ so Berry.

„In den ersten beiden Filmen denkt Wolverine darüber nach, ob er den X-Men beitreten oder sich selbst treu bleiben und als Einzelgänger weiter machen soll. In X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND dreht es sich mehr darum, ob Wolverine bei den X-Men den Posten eines Anführers übernehmen soll. Das hebt die Story auf ein ganz neues Level, was für mich sehr wichtig war, denn wenn ich zum wiederholten Mal in dieselbe Rolle schlüpfe, dann möchte ich meine Arbeit stets noch besser machen und die Figur weiterentwickeln. Dieser Film hat mir das ermöglicht,“ so Jackman.
Wie man den Aussagen von Jackman, Berry, ihren Filmkollegen und Brett Ratner bereits entnehmen kann, handelt es sich bei X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND um einen Film im großen Hollywoodstil. Eine Idee, die Stan Lee und Jack Kirby nie in den Sinn kam, als sie vor über 40 Jahren die X-Men erschufen. Lee und Kirby kreierten Figuren und eine Geschichte, die reich an Dramatik, Gefühlen und Konflikten ist. Die X-Men waren, wie viele ihrer Marvel-Comics-Vorgänger, eine Heldentruppe. Manchmal sarkastisch, unsozial und sicherlich auch mit Fehlern, aber dennoch sympathisch, besonders wenn sie wieder einmal mit ihrem Liebesleben zu kämpfen hatten, sich mit ihrem Selbstwertgefühl auseinandersetzen mussten oder mit ihren Superkräften mächtige Bösewichte bekämpften.
„Ich wollte den X-Men interessante Persönlichkeiten verleihen und sie einfühlsam und glaubwürdig zeichnen. Als wir mit Marvel anfingen, lag uns immer sehr viel daran, Figuren zu schaffen, zu denen man eine Beziehung aufbauen konnte; sie mussten wie echte Menschen wirken, auch wenn sie übernatürliche Fähigkeiten besaßen. Diese Tiefe der Figuren fanden wir sehr wichtig,“ so Lee.
Nach all diesen Jahren bleibt der Stil von Lee und seinen Nachfolgern immer noch ein wichtiger Teil des X-Men-Universums - etwas, dass sich selbst Lee mit seiner großen Phantasie nicht hatte vorstellen können. „Ich hätte mir nie erträumen können, dass diese kleinen Geschichten, die wir da erfunden haben, irgendwann einmal zu solch grandiosen Filmen werden würden,“ so Lee.
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