DIE BESPRECHUNG VON "X-MEN - THE OFFICIAL GAME"
Story:
Gerade erst haben die X-Men den Tod ihres Mitgliedes Jean Grey beklagen müssen, als sie schon wieder in ein neues Abenteuer verwickelt werden. Die Mutanten Wolverine, Iceman und Nightcrawler begeben sich unter dem Alkalisee auf die Suche nach Teilen einer Cerebro-Kopie. Dabei sind sie nicht alleine, denn sie müssen sich gegen eine große Schar Gegner zur Wehr setzen.
Hintergründe und Meinung zum Game:
Filmlizenzen bei Videospielen haben oftmals das Problem, dass sie mit großem Zeitdruck entstehen müssen, um rechtzeitig zum Start des Filmes in den Regalen stehen zu können. Nicht selten ist das Ergebnis dann dermaßen plump, fehlerverseucht oder schlichtweg langweilig, dass trotz teurer Lizenz, und damit auch entsprechenden Verkaufspreisen kein rechter Spielspaß aufkommen möchte. Zu diesen Rohrkrepierern gehört „X-Men: The Official Game“ allerdings nicht. Die Steuerung ist ganz ordentlich gelungen und die Spiel-Charaktere kommen mit ihren typischen Mutantenkräften auch ganz gut herüber. Durch Zwischensequenzen wird die Story stetig vorangetrieben und einige Gastauftritte anderer Charaktere aus den X-Men-Filmen sorgen zusätzlich für freundliche Abwechslungen. Doch für mehr als ein durchschnittliches Actiongame reicht es am Ende dann auch hier leider nicht.

Es beginnt bei den Zwischensequenzen, die ein klein wenig lieblos erscheinen und meist nur aus statischen Zeichnungen bestehen, die miteinander vermischt werden und ineinander überblenden. Wenn ein Charakter spricht, gibt es noch nicht einmal eine Lippenbewegung. Das ganz große Manko bei den Sequenzen ist dann aber, dass sämtliche gesprochenen Dialoge und selbst die optionalen Untertitel nur in englischer Sprache vorliegen. Für eine deutsche Lokalisierung hat die Zeit offensichtlich nicht gereicht, wodurch der englischen Sprache nicht mächtige Spieler große Probleme haben werden, der Handlung richtig zu folgen. Hinzu kommt, dass im deutschen Handbuch zum Spiel nur deutsche Begriffe Verwendung finden, während im Spiel logischerweise nur die englischen Pendants zum Einsatz kommen. Dies sorgt zusätzlich für leichte Verwirrung, die man durch zusätzliche Nennung der englischen Begriffe hinter den deutschen leicht hätte verhindern können.

Ein kleine Enttäuschung ist es auch, dass man nur 3 X-Men selbst spielen kann. Aber immerhin kommen diese mit komplett unterschiedlichen Fähigkeiten daher. So stehen Wolverine eine ganze Menge an Schlagkombinationen zum Aufmischen der Gegner zur Verfügung, nebst der legendären Heilungskräfte. Iceman fliegt auf seinem Eisstrahl durch die Lüfte und kann Gegner mittels Hagelschauer dezimieren oder einen Kältestrahl durch die Lüfte schießen. Als letzter im Bunde agiert Nightcrawler, der ebenfalls ein Nahkämpfer ist, sich durch seine Teleportationskräfte jedoch deutlich anders steuert als Wolverine. Es gibt noch weitere Mitglieder der Mutanten-Fraktion, die an der Action beteiligt sind, deren Steuerung aber die Konsole übernimmt. Für Abwechslung im Spiel sorgen die drei vom Gameplay gesehen völlig unterschiedlichen Helden jedoch allemal.

Insgesamt muss man sich mit ihnen in 28 Missionen beweisen, die in 3 Akten unterteilt sind. Gespeichert werden kann nur am Ende einer jeden Mission, wo man seinem Helden auch zusätzlich noch Fähigkeitspunkte auf eine seiner speziellen Fähigkeiten verteilen kann. Je nach Erreichtem gibt es zusätzlich noch extra Kostüme für den Helden oder eine spezielle Trainingsmission. Vor jeder Mission ist es überdies auch möglich, den Schwierigkeitsgrad neu zu bestimmen, was vor allem hinsichtlich der deutlich unterschiedlichen Spielarten der drei Helden von großem Vorteil ist. Die unterschiedliche Steuerung, das unterschiedliche Handling und die andersgelagerten Schwerpunkte der jeweiligen Missionen von Wolverine, Iceman und Nightcrawler können somit durch Variieren der Schwierigkeitsstufe an die eigenen Fähigkeiten angepasst werden.

Die Missionen selbst finden die große Abwechslung in der Regel daraus, dass es einen steten Wechsel zwischen den drei Helden gibt. Doch Wolverine hat sich in der Regel stets mit einer schieren Übermacht an Gegnern zu prügeln, Iceman muss sich schnell durch die Lüfte schwingen, um seinen wendigen Verfolgern ausweichen zu können und Nightcrawler teleportiert sich durch unübersichtliche Labyrinthe, die durch den nicht immer ganz optimalen Blickwinkel oftmals unfair erscheinen. Die Umgebung, in der die Abenteuer stattfinden, sind nicht unbedingt als detailliert und abwechslungsreich anzusehen, im Gegensatz zu den gut dargestellten Helden wirken sie relativ karg, langweilig und eintönig.
Fazit:
Seinen Reiz bekommt „X-Men: The official Game“ ohne jeden Zweifel durch den Wiedererkennungswert der Charaktere. Die Missionen wissen stellenweise zu gefallen und durch die unterschiedliche Spielweise der drei verfügbaren Helden ist auch für Abwechslung gesorgt. Doch fehlende deutsche Sprache, eintöniges Leveldesign, nervende Perspektiven und das Nichtvorhandensein der Möglichkeit, frei zu speichern, drücken den Spielspaß dann doch nach unten. Es gibt ohne jeden Zweifel eine ganze Reihe Spiele zu Filmen, die deutlich schlechter sind. Aber auch ebenso viele, die es besser machen.
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
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