KIMBA - DER ERFOLG DER SERIE
Auch wenn es vielen nicht bewusst ist - „Kimba“ war der erste große Anime-Export-Schlager nach Deutschland, lange Zeit bevor „Sailor Moon“ oder „Dragonball Z“ auch nur annähernd in die Nähe von deutschsprachigem Gebiet kamen. Erdacht hat sich den kleinen Löwen und seine Abenteuer die Manga-Legende Osamu Tezuka, aus dessen Fantasie auch die heute noch sehr beliebte Figur des „Astro Boy“ entsprang. Sein erstes Abenteuer bestand der weiße Löwe 1950 in dem Manga „Janguru Taitei“, was zu deutsch „König des Dschungels“ heißt. 1961 gründete Osamu Tezuka seine eigene Produktionsfirma, um seinen erfolgreichen Manga-Comic auch als TV-Serie präsentieren zu können. Zum großen, weltweiten Ruhm trug unter anderem bei, dass der amerikanische Fernsehriese NBC fast zeitgleich zur Ausstrahlung im heimischen Japan die Anime-Serie einem großen Publikum verfügbar machte. Die deutschen Zuschauer mussten ein wenig länger warten - bis zum 4. Januar 1977. Auch wurden im ZDF nicht die anfänglich produzierten 52 Episoden ausgestrahlt, sondern lediglich 39 und diese noch nicht einmal chronologisch. Dem Erfolg tat dies jedoch keinen Abbruch. Die Begeisterung des Publikums bescherte Kimba auch im deutschsprachigen Raum einen großen Erfolg.

Ein Grund hierfür dürfte die perfekte Identifikationsfigur Kimba sein, in der sich viele Kinder sehr gut wiederspiegeln konnten. Er war unsicher wie sie selbst, wenn er sich in der Welt der großen zurechtfinden und Probleme lösen musste, die selbst erfahrene Anführer vor eine große Probe gestellt hätten. Doch da Kimba nie vergisst, wer seine Freude sind und auf wen er sich verlassen kann, löst er dank ihrer Unterstützung alle Schwierigkeiten mit Geschick und Pfiff. Auf abenteuerliche Art und Weise stürzte er sich in die größten Gefahren, um für Gerechtigkeit und seine Familie, die Tiere im Dschungel zu kämpfen. Während Figuren wie Winnetou oder Zorro sicherlich auch bestes Heldenmaterial darstellten, das so manche Jungs zu wildem Spiel hinter dem Haus inspirierte, war es der kindliche Kimba, der einer von ihnen war. Hinzu kam Pavian Daniel, der sich stets mit weisen Worten hilfreich an seine Seite stellte und eine Art Ersatz-Vaterfigur für den unerfahrenen Löwen darstellt. Für wilden Slapstick-Humor ist vor allem durch Papagei Pauly gesorgt, der mit losem Mundwerk und undurchdachten Aktionen stets für Chaos und ganz viel Witz sorgt. Die Antilope Bucky stellte so etwas wie die gute Seele dar, die als eine Art Mutterersatz mit ihrer Ruhe und Sanftheit stets für den emotionalen Ausgleich sorgt.

Inhaltlich bietet die Serie einen bunten Mix aus unterschiedlichsten Abenteuern. Es gilt, sture Zeitgenossen von dem rechten Weg zu überzeugen oder sich auch mal gegen Intrigen aus den eigenen Reihen durchzusetzen. Es geht aber auch sehr ernst zur Sache, wenn z.B. eine Heuschreckenplage oder eine große Dürreperiode die Nahrungsversorgung der Tiere in einen bedrohlichen Engpass bringt. Und wie es sich für japanische Wurzeln handelt, darf auch der Monster-Einfluss nicht fehlen, wie z.B. mit einem durch einen verrückten Wissenschaftler geschaffenen fliegenden Tiger oder einer durch radioaktive Ausstrahlung zu enormer Größe angewachsenen Heuschrecke. Am beängstigsten ist es aber, wenn eine Jägerin Jagd auf das Fell von Kimba macht und damit den Höhepunkt in der dramatischen Auseinandersetzung zwischen den Tieren des Dschungels und skrupellosen Jägern darstellt.

Mit dem Erscheinen der DVDs ist man nun endlich nicht mehr auf die Ausstrahlung im TV oder auf abgenutzte VHS-Bänder angewiesen, wenn man wieder einmal für 25 Minuten in das Reich der Dschungel-Tiere abtauchen möchte. Qualitativ hat sicher allerdings nicht sehr viel geändert – das Bild weist einen recht unruhigen Bildstand auf und Verschmutzungen sind genauso zu erkennen wie Defekte an der Vorlage und Rauschen im Bild. Der Ton in Dolby-Digital-2.0-Mono ist zwar stellenweise ein klein wenig dumpf, hat aber ansonsten weniger Probleme aufzuweisen. Aber selbst wenn die bildliche Aufmachung nicht ganz so überzeugend ist, wird es die wahren Kimba-Freunde nicht davon abhalten, sich die DVD für die heimische Sammlung zuzulegen und der Nostalgie freien Lauf zu lassen. Und danach heißt es warten bis Mitte März 2006, wenn die nächsten 16 Episoden erscheinen.
Michael Tomiak |