ML: 6 Jahre MADDRAX, was bedeutet dies für euch vom Bastei Verlag und für dich als Schöpfer und Redakteur dieser Romanserie?
MS: Was das für den Verlag bedeutet, ist schnell beantwortet: eine erfolgreiche Objektnummer, die ihren Leserstamm gefunden hat und damit die Werbekosten niedrig hält. Der zuständige Redakteur hat dagegen einen ganz anderen Bezug zum "Objekt". Ich habe MX damals gegen den gelinden Widerstand und das Argument durchsetzen können, SF von Bastei habe sich zuletzt mit den TERRANAUTEN verkauft, und selbst da habe man mit Band 99 Schluss machen müssen. Ich dagegen war vom Konzept des "Genre-Mix" überzeugt: nicht pure SF, sondern vermischt mit einer gehörigen Portion Grusel und Fantasy. Das hat glücklicherweise funktioniert. Ich bin mir fast sicher, dass MX es ohne die Phantastik-Fans der anderen Genres nicht geschafft hätte.
ML: Wie erklärst du dir den Erfolg von MADDRAX? Liegt es nur am gelungenen Genre-Mix, oder gibt es noch andere Gründe?
MS: Wie gesagt – die Grusel- und Fantasy-Fans haben uns beim Start sehr geholfen. Aber das war's natürlich nicht allein. Der "Rest-Erfolg" ergab und ergibt sich schlicht aus der Klasse der Autoren, den ungewöhnlichen Themen und den großartigen Titelbildern; die meisten davon vom spanischen Maler Koveck.
Bei der Auswahl der Autoren war ich von Anfang an sehr anspruchsvoll; nur jene, die mich in Stil und Ideenreichtum wirklich überzeugen konnten, bekamen eine Chance. Leider bedeutet dies aber auch, dass sie bei anderen Verlagen so heiß begehrt sind, dass einige von ihnen MX verlassen haben (Timothy Stahl, Michael J. Parrish) oder nur noch selten schreiben (Claudia Kern, z.Zt. Bernd Frenz und Michael M. Thurner), eben weil sie anderweitig eingespannt sind. Es freut mich sehr, dass Jo Zybell – alias Thomas Ziebula – und Ronald M. Hahn schon seit Anfang an dabei sind und der Serie trotz anderer Termine ohne Unterbrechung die Treue halten. Und ohne Susan Schwartz, den letzten Neuzugang in der Autorenriege, würde es momentan sogar kritsch werden. Auch hoffe ich, dass Stephanie Seidel, die einzige nebenberufliche Autorin, in Zukunft mehr Zeit hat, ihre tollen Romane für MX zu schreiben. Bernd und "MMT" sind nach einer kreativen Auszeit ab Mitte des Jahres wieder verstärkt dabei.

ML: Gerade in den letzten fünfzig Bänden hat sich MADDRAX von der reinen postapokalyptischen Serie immer mehr auch Richtung SF verschoben. Dies zeigt nicht zuletzt die 12-teilige Spin-Off-Serie MISSION MARS und die Handlungsebene mit Matthew Drax auf dem Mars. Wo liegen die Gründe für diese Richtung?
MS: MM haben wir ja gemacht, um auch die reinen SF-Fans anzusprechen und aufmerksam zu machen – obwohl es, wie ich zugebe, eine kleine Mogelpackung war: Die Handlung der vier Trilogien hatte sich von der anfänglichen SF doch wieder zunehmend der Fantasy zugeneigt. Warum? Weil wir die SF-Fans natürlich zu MADDRAX hinüberleiten wollten, und da wird es auch nach Band 150 keine "Hardcore-SF" geben, sondern weiterhin den Mix, den die MX-Leser kennen und lieben. Dass die Handlung momentan zu 50% auf dem Mars spielt, bedeutet dabei keine Überlast der Technik; auch auf dem roten Planeten gibt es Rätsel, Naturkinder und gruselige Begebenheiten. Um Band 180 herum wird Matthew Drax ja auch wieder auf die Erde gelangen, wo seine Gefährtin Aruula, eine telepathisch begabte Barbarin, inzwischen auf ein gewaltiges Geheimnis gestoßen ist, das die MX-Bände ab 180 bestimmen wird.
Grundsätzlich möchte ich zur zeitweisen Einbringung von Technik ins MX-Universum sagen, dass Abwechslung wichtig ist. Die ersten 100 Hefte spielten vorwiegend in einer postapokalyptischen Welt, dann kamen die Technos (Bunkermenschen) und deren Kampf gegen außerirdische Invasoren stärker ins Spiel, mit 150 verschwand dann durch einen permanenten EMP die Technik wieder von der Erde, und ab 200 gehen wir einen Weg, der wieder mehr an die Anfänge anknüpft. Dass Matt zum Mars gelangt ist, bedeutet noch lange nicht, dass wir PERRY RHODAN oder STERNENFAUST nacheifern wollen! MX bleibt der Genre-Mix, der er war.
ML: Mit Band 149 habt ihr den technischen Fortschritt auf der Erde im wahrsten Sinne des Wortes zurück gebombt. „Back to the Roots“ lautet die Devise. Ist dieser Einschnitt nicht ein wenig krass ausgefallen?
MS: Für die Erde war das natürlich volle Kanne krass, ey, aber dafür haben wir ja die Matt-Schiene auf dem Mars, die das Gleichgewicht hält. Der EMP ist auch nicht von Dauer, da er vom Wandler (der Komet, mit dem die Aliens hier ankamen und der sich als Transportschiff entpuppte) ausgeht, mit dem wir noch einiges vorhaben. Wer also der Erd-Technik nachtrauert, darf guter Hoffnung sein. Außerdem – ich gebe es zu – lieben die Autoren und ich krasse Einschnitte, die den Leser ruhig auch mal treffen sollen. Wäre doch langweilig, wenn man ab und zu nicht geschockt würde, so wie vom Tod vieler Protagonisten, als der Kampf gegen die Daa'muren (besagte Aliens) verloren ging, bzw. in einem verlustreichen Patt endete.
ML: Gerade zum Ende des letzten Zyklus hin setzte dieses große Figurensterben ein. Wie haben die Leser auf diese Veränderungen reagiert und nützt ihr gleichzeitig die Chance den Cast wieder etwas übersichtlicher zu gestalten?
MS: Das war der Hauptgrund für die tabula rasa. Wir hatten einen viel zu großen Figurenstamm aufgebaut und konnten uns gar nicht mehr auf den wesentlichen Handlungsstrang – Matts und Aruulas Reise – konzentrieren, weil dauernd irgendein Schicksal aufgegriffen werden musste. Das ging schon so weit, dass von Leserseite nach bestimmten Figuren gerufen wurde. Also: weg damit! Die Explosion von 150 Atombomben in Asien, um den Wandler zu reaktivieren, kam da wie gerufen. :-) Okay, es war geplant. Im Effekt haben wir nun wieder unsere beiden Helden, die momentan getrennte Handlungen bestreiten, und einige Überlebende, deren Schicksal noch ungewiss ist, die aber wieder auftauchen können, wenn die Zeit reif ist.
ML: Was dürfen die Alt- und Neuleser der Serie in nächster Zukunft erwarten? Die Mars-Thematik soll ja um Band 180 herum abgeschlossen werden, und dann ist mit einer Rückkehr von Matt auf die gute alte Erde zu rechnen, oder?
MS: Wie schon erwähnt: Jep, Matt kommt auf die Erde zurück. Und findet dort eine Situation vor, die hammerhart für ihn und seine Psyche sein wird. Auch die Daa'muren sind ja noch nicht ganz "abgefrühstückt"; deren Schicksal wird sich um Band 200 erfüllen. Der Mars, der ja nun "offizieller Bestandteil des MX-Universums" ist, spielt in der Folge keine allzu große Rolle mehr; aber da verweise ich auf die letzte Mars-Trilogie von Susan Schwartz, bevor ich zu viel verrate. Auf der Erde werden Afrika und die (größtenteils eisfreie) Antarktis ein Thema sein, ein neuer Gegner tritt auf und ein weiterer, der alles in den Schatten stellen wird, kündigt sich ganz allmählich an. Eine ganz grobe Planung, von der wir glauben, dass sie die Leser begeistern wird, steht bis Band 300.
Das muss sich jetzt für Neuleser – bzw. jene, die mit dem Gedanken spielen, es zu werden – ziemlich komplex anhören. Ist es aber nicht. Wir haben bei MX immer darauf geachtet, dass man relativ leicht in die laufende Handlung einsteigen kann. Z.B. sind die momentanen Aruula-Abenteuer auf der Erde abgeschlossene Einzelromane, und Matts Mars-Trilogien (jeweils vom selben Autor) kann man ab Band 150 ohne jedes Vorwissen verfolgen, da sie ja nicht direkt an die Geschehnisse auf der Erde anknüpfen. So hoffen wir noch ein paar zusätzliche Leser für MADDRAX zu gewinnen – denn ehrlich gesagt ist der Heftroman von der neuen, multimedialen Zeit, in der immer weniger gelesen wird, arg bedroht und jeder Leser kostbar.
In diesem Sinne hoffe ich auf die nächsten 6 Jahre – schon allein damit wir das schicksalhafte Datum des 8. Februar 2012 erreichen, an dem die Serie mit einem Kometeneinschlag auf der Erde damals begonnen hat...
Das Interview führte
Marcel Lanthemann.