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Inhalt
“Für ein paar Leichen mehr” von Ulrich P. Bruckner führt den Leser auf eine Rundreise durch den Italowestern, der von 1964 bis ungefähr Anfang der 70er Jahre seinen Siegeszug durch die Welt führte. Das Buch widmet sich in seinem Hauptteil den besten Vertretern dieses Genres und bespricht sie ausführlich. Im sehr umfangreichen Anhang gibt es dann reichlich Informationen und Fakten zu allem, was das Genre hergibt und das Herz begehrt: eine lexikalische Auflistung aller Italowestern mit allen wichtigen Infos, weitere Register zu den Darstellern, Regisseuren und Komponisten, aufgelockert mit Interviews und vielem mehr.
Meinung:
Von Italowesternfans heiss erwartet, ist nach ein paar Verschiebungen nun endlich die zweite, überarbeitete Neuauflage von Ulrich P. Bruckners Standard-Werk „Für
ein paar Leichen mehr“ erschienen. Die Erstauflage ist schon lange ausverkauft und zunächst schien es so, dass diese Neuauflage nur ein reiner Nachdruck der ersten Ausgabe werden würde, wie der Autor in einem Interview, das Splashmovies im April 2005 mit ihm geführt hat, befürchtete. Zum Glück entschied sich der Verlag nochmal anders, und so hat die erweiterte Neuauflage einiges an Ergänzungen, Korrekturen, neuen Bildern und nicht zuletzt einen alphabetischen Index der deutschen Verleihtitel mit Referenz zur jeweiligen Seite im Lexikon-Part zu bieten, der der alten Auflage fehlte. Diese Neuerung im Anhang ist eine enorme Hilfe, da die lexikalische Auflistung aller Western im Buch (versehen mit Informationen u.a. zum Stab, Besetzung, Produktionsjahr, Länge, Uraufführungsdatum, Soundtrack und Kurzinhalt) den italienischen Originaltitel als Sortier-Index hat.
Doch von Anfang an: das Buch eröffnet locker mit einer kleinen Einführung zum Italowestern, in dem auch Motive und Strickmuster des Genres kurz thematisiert
werden. Der Hauptteil besteht dann aus ausführlichen Besprechungen zu den besten Vertretern des Genres, jeweils eingeordnet in den Jahrgang des deutschen
Kinostarts. Neben ausführlichen Inhaltsangaben gibt es jeweils eine kurze Kritik des Autors selbst, sowie zeitgenössische Pressestimmen, die besonders interessant sind, weil nicht immer Freunde des Genres zu Wort kommen und diese Rezensionen außerdem teilweise einen interessanten, (film-)historischen Blick auf die Zeit bieten, in denen sie entstanden sind. Vereinzelt fragt man sich auch, ob der zitierte Presse-Rezensent den jeweiligen Film überhaupt wirklich gesehen hat, weil die Angaben zum Inhalt schlicht falsch sind (z.B. bei „Friedhof ohne Kreuze“) – hier hat Herr Bruckner einige interessante Perlen für sein Buch zusammengestellt. Aufgelockert werden die Besprechungen mit Szenen- oder seltenen Setfotos, die gern auch mal mit launigen Bildunterschriften versehen sind. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass den Inhaltsangaben zu den 3 „Dollar“-Filmen von Sergio Leone vergleichsweise viel Raum zugesprochen wurde. Gerade bei diesen Filmen ist das eigentlich unnötig, denn jeder Fan dürfte die Dialoge ohnehin auswendig mitsprechen können. Aufgefangen wird dies durch ausführliche, wirklich interessante Hintergrundinfos zu diesen für den damaligen Erfolg dieses Genres so wichtigen Filmen. Schön wäre es dann noch gewesen, wenn der Autor seinen ganz natürlichen, inneren Widerstand besiegt hätte und als Kontrast (und natürlich außer Konkurrenz zum Thema „Die besten Italowestern“) zumindest an einem Beispiel einen Ausflug in den Bodensatz des Genres unternommen und exemplarisch einen Film z.B. vom berüchtigten Trash-„König“ Demofilo Fidani ("Adios Companeros") fachgerecht auseinandergepflückt hätte. Dessen Verschwendungen von kostbarem Filmmaterial sind zwar extrem billig produziert und durch Fidanis dilletantischem Stil ein Schlag ins Gesicht eines jeden Westernfan, bieten aber gelegentlich auch Ansätze für belustigtes, zumindest aber peinlich berührtes Kopfschütteln. Und ob man will oder nicht, auch diese Machwerke sind Teil des Genres, die man nicht wegschweigen kann, auch wenn man hofft, dass es doch funktioniert. Wer einige der aus dem „Die besten Italo-Western aller Zeiten“ betitelten Part des Buches besprochenen Filme noch nicht kennt, sei übrigens gewarnt: die Inhaltsangaben verraten stets das Ende des Films. Dies sind jedoch nur kleine Kritikpunkte, die den sehr guten Gesamteindruck des Buches nicht im geringsten schmälern können. Fast zwangsläufig gut herausgearbeitet ist in diesem Teil die Anfang der siebziger Jahre einsetzende Wende in der Thematik der Western: nehmen Ende der sechziger die Revolutionswestern zu, sind es Anfang der siebziger dann die Komödien und die
Genremischungen mit den zu der Zeit populär werdenden asiatischen Kampfsport-Filmen. Das Buch zollt diesen Wandlungen und Kehrtwendungen Tribut, indem die Besprechungen dieser Filme in der zeitlichen Schiene auch zunehmen.
Der fast ein Drittel des Gesamtwerkes einnehmende Anhang hat es dann ebenfalls in sich: Regisseure, Komponisten und Darsteller werden jeweils in ihren eigenen Rubriken alphabetisch aufgelistet, dazu gibt es teilweise Kurzbiografien und immer eine Auflistung der jeweiligen Filme. Aufgelockert werden diese Rubriken
mit einigen Interviews, die mittendrin eingestreut wurden und bei denen Künstler wie Enzo Castellari, Franco Nero, Sergio Sollima, Giuliano Gemma, George
Hilton und viele andere zu Wort kommen. Interessanter und trauriger Fakt dabei ist, dass alle Interviewpartner, die nach ihren Erfahrungen mit Lee van Cleef
befragt wurden, immer erst auf den enormen Alkoholkonsum dieser Italowestern-Ikone zu sprechen kommen (mussten). Kernstück des Anhangs ist sicherlich die weiter oben bereits erwähnte Auflistung aller Italowestern, die nach dem italienischen Original-Titel sortiert ist. Weiter hinten im Buch sind die deutschen Verleihtitel jedoch nochmal alphabetisch mit Seitenverweis aufgeführt, so dass es hier zu keinen Problemen kommt, den gewünschten Titel zu finden. Die Angaben zu den Filmen sind weitgehend identisch zu denen im „kleinen Bruckner“ („Leichen pflastern ihren Weg“), der als Extra in der Sergio Sollima Italo-Western-Box enthalten ist. Zusätzlich gibt es hier aber noch weitere Daten zum englischen und französischen Verleihtitel, zum Datum der deutschen und italienischen Uraufführung und ggfs. zum Soundtrack. Besitzer der Sollima-Box können das dort enthaltene Lexikon also weiterhin zum „täglichen Nachschlagen“ verwenden, während das vorliegende Buch dann auf Wunsch noch weitere Informationen bereithält.
Für Locationfans gibt es noch einen Vergleich von bekannten, damaligen Sets, und wie diese heute aussehen – manche Drehorte würde man ohne den direkten Screenshot aus dem jeweiligen Film, den das Buch gleich mitliefert, gar nicht wiedererkennen. Es gibt aber immer noch mehr zu entdecken, wie z.B. einen recht großen Mittelteil mit Farbfotos von Kinoplakaten und Aushangfotos, ausgewählte Texte von Titelliedern wie z.B. „Trinity stand tall“ (aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“) oder "Django", einen weiteren Lexikonpart mit Euro-Western ohne italienische Beteiligung oder das Ergebnis einer Internetumfrage unter Fans über die beliebtesten Titel des Genres, dessen Ergebnis wenig überraschend ausfällt. Immer merkt man diesem fast 2 kg schweren „Schinken“ an, wieviel Arbeit, Liebe und Fachkompetenz hinter diesem Werk steckt und man ist beim ersten Öffnen des Buches schlichtweg erschlagen von der Fülle an nackten Informationen, ausführlichen Texten und schönen Bildern, die dieses Buch zu bieten hat. Ins Auge stechende Fehler bei der Erstellung des Buches an sich sind auch so gut wie nicht zu entdecken, außer bei einer Interviewantwort von George Hilton, bei der offensichtlich die Frage fehlt (die man sich aus der Antwort heraus aber denken kann), hier stimmt also auch die Qualität des Buches selbst, das sehr ordentlich zusammengestellt wurde. Insgesamt kann man dieses mit dem Begriff „Lexikon“ nur unzureichend beschriebene Werk sowohl Erstkäufern als auch Besitzern der Erstauflage empfehlen und einen klaren Kauftip aussprechen. Die Besitzer des „kleinen Bruckners“ aus der Sollima-Box verpassen auch
einiges, wenn sie meinen, mit diesem Büchlein, das natürlich ebenfalls seine Existenzberechtigung hat, bereits ausreichend gut bedient zu sein.
Fazit:
Die Zweitauflage von “Für ein paar Leichen mehr” ist sowohl für den interessierten Neueinsteiger im Italobereich, als auch für den schon erfahreneren Fan auf diesem Sektor ein unverzichtbarer Helfer dabei, filmrelevante Informationen zu finden und nicht zuletzt dazu einladend, einfach mal dieses Werk in die Hand zu nehmen und ein wenig zu schmökern. In der Rubrik „Die besten Italowestern“ hätten die “Dollar”-Filme bezüglich der Inhaltsangabe etwas weniger Platz gebraucht und man sollte zumindest ein wenig im Hinterkopf behalten, dass in diesem Part des Buches stets das Ende des Films verraten wird. Mehr zumindest einigermaßen berechtigte Kritikpunkte sind hier selbst beim böswilligsten Suchen einfach nicht zu finden und so gibt es für dieses beeindruckende Werk eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!
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Für ein paar Leichen mehr
Eine gelungene Rundreise durch den Italowestern
Autor der Besprechung: Andreas Schultz
Buchdaten: Autor: Ulrich P. Bruckner Verlag:
Schwarzkopf & Schwarzkopf Seiten:
730 Preis:
29,90 € ISBN:
3896027050 |