WIE MAN SPARTANER WIRD
Alle Hauptdarsteller informierten sich eingehend über die spartanische Geschichte und Kultur, um sich mental auf ihre Rollen vorzubereiten. Aber Snyder wünschte sich auch, dass sie körperlich als spartanische Leibwache überzeugen und zu einer Art Kampfmaschine zusammenwachsen würden. Um seine Schauspieler auf die harten Kampfszenen vorzubereiten, engagierte Snyder zwei Fachleute, mit denen er schon jahrelang trainiert hatte: Mark Twight, einen professionellen Bergsteiger und Weltrekordler, der die Schauspieler und Stuntleute physisch in Kondition brachte, und den erfahrenen Stunt Coordinator Damon Caro, der sie auf die Kampfsequenzen vorbereitete.
Twight bringt Erfahrung in der Ausbildung von Elitesoldaten, Cage Fighters, Feuerwehrleuten, Krankenwagen-Besatzungen und Bergsteigern mit. Er stellte einen rigorosen Diätplan für die Darsteller auf und unterzog sie einem extrem harten Körpertraining. „Das kann man mit einem Sprint vergleichen – der dauert nur sehr kurz, ist aber äußerst intensiv und muss durch eine entsprechende Ernährung untermauert werden“, berichtet Twight.
Acht Wochen vor Drehstart forderte Twight die Männer auf, ihre Grenzen auszuloten und zu überwinden. Als Vorbereitung der Kämpfe konzentrierte sich das Training auf sportliche Übungen mit vielfältigen Bewegungsabläufen, Gewichtheben und Wurfübungen. Primitiven Geräten wie Medizinbällen, Eisenkugeln und Ringen gab er den Vorzug vor Maschinen. Jede Trainingsstunde war als Wettbewerb mit einem Punktesystem aufgezogen, dessen Stand jeden Tag für alle sichtbar aufgelistet wurde. „Dadurch dass sie eine Zeit lang gemeinsam durch dick und dünn gehen und im Team gegeneinander antreten, werden sie als Kampftruppe zusammengeschmiedet, die auch auf der Leinwand überzeugt. Dadurch verändern sich ihre Bewegungen und ihr Verhalten als Einheit“, berichtet Twight.

Einige der Männer mussten abnehmen, andere zunehmen – für jeden wurde ein individueller Diätplan erstellt. Fassbender gehört zu denen, die besser dran waren: „Glücklicherweise musste ich mich nicht mit Quark und Weintrauben begnügen. Denn es stand meiner Rolle gut an, dass ich ein paar Pfunde zulegte.“
Vincent Regan machte die wohl auffälligste Verwandlung durch: „Mark schickte mir eine Übungs-DVD und ich dachte gleich: ,Das schaffe ich nie – das ist einfach unmöglich.‘“ Doch unter Anleitung eines Trainers boxte er und rannte bald auch die steilsten Abhänge hinauf. Weil alle zusammen trainierten, fielen ihnen die Strapazen deutlich leichter. „Weil alle Schauspieler das gleiche Ziel hatten, spürten wir bald, dass wir wirklich an einem Strang zogen“, erinnert sich Regan.
Mit zehn Schauspielern sowie Stuntleuten aus Los Angeles, Vancouver, Toronto und Montreal begannen Damon Caro und sein Stunt-Assistent Chad Stahelski gleichzeitig die Kampfausbildung in Absprache mit Twights Fitnesstraining. „Das hilft ungeheuer in Bezug auf Vorbeugemaßnahmen gegen Verletzungen, stärkt das Durchhaltevermögen und die allgemeine Konzentration“, sagt Caro. „Bei der Kampfchoreografie hat man nur eine bestimmte Vorbereitungszeit, weil sie manchmal mit den funktionalen Übungen nicht kompatibel ist. Doch Mark sorgte bei diesem Projekt auch für die funktionale Kraft, nicht nur für schwellende Bizepse und Waschbrettbäuche.“
Caro und Stahelski choreografierten die beeindruckenden Schwert- und Formationskämpfe. Jeffrey Silver berichtet, wie Snyder für die Kampfsequenzen ganz spezifische Vorstellungen entwickelte. „Als wir uns anfangs über das Kampfkonzept unterhielten, meinte er: ,Also, an Chaos-Bildern in Totalen bin ich nicht interessiert. Ich möchte, dass das wie ein Ballett aussieht.‘ Er wollte, dass wir jede Kampfhandlung im Sinne der Martial Arts sorgfältig choreografierten.“
In diesem Sinne integrierte der Martial-Arts-Fachmann Caro verschiedenste Martial-Arts-Einflüsse in die Kampfchoreografie.
Caro and Stahelski achteten auf jede Kleinigkeit und machten es so den Schauspielern leicht, ihr Ziel zu erreichen. „Damon und Chad sind unglaublich begabt“, sagt Butler. „Wir alle haben eine Menge dazugelernt – bis wir zu einer Truppe wie aus einem Guss zusammenwuchsen. Dass die Action in dem Film so atemberaubend ist, haben wir vor allem den beiden zu verdanken.“
„Sie haben uns praktisch alles von der Pike auf beigebracht“, fügt David Wenham hinzu. „Beim täglichen Drill lernten wir, wie man kämpft – dabei ging es nicht nur um das Einstudieren der Bewegungsabläufe, sondern wir reagierten schließlich ganz instinktiv.“
Das Kampftraining umfasste die acht Wochen vor Drehbeginn und wurde auch während der Dreharbeiten bis zu den eigentlichen Kampfaufnahmen fortgesetzt. Das ständige Training und die Proben zahlten sich aus. „Als die Action dann wirklich losging, haben sich die Jungs hervorragend geschlagen“, bestätigt Caro. „Viele Kampfszenen werden von einer sehr komplexen Choreografie bestimmt, doch nach den vielen gemeinsamen Trainings- und Arbeitswochen ergab sich zwischen den Schauspielern und Stuntleuten eine telepathisch funktionierende Übereinstimmung.“
Weil sich die Trainer und Schauspieler so kompromisslos für ihre Aufgabe einsetzten, funktionierten die Aufnahmen der Action-Sequenzen mit Abstand am wirkungsvollsten. „Man würde meinen, dass die Kampfszenen mehr Zeit in Anspruch nehmen“, bestätigt Silver. „Aber jede Bewegung war so präzise und zielgerichtet vorgegeben, dass wir an jenen Tagen schon vorzeitig Drehschluss hatten.“
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