AM RED CARPET VOR DEM ARENA FILMCITY IN ZÜRICH
Es gibt Ereignisse, die so schnell an einem vorbei ziehen, dass man sie kaum wahrnimmt. Irgendwie so ist es auch den Fotografen ergangen, als Katie Leung aus der schwarzen Limousine ausstieg, kurz stehen blieb und dann zu den Interviews weiter schlenderte. Mehr als ein paar wenige Fotos der zierlichen Asiatin waren da kaum möglich.
Doch beginnen wir am Anfang. Es wäre sicher angenehm gewesen, wenn man hätte schreiben können, dass die Anwesenden unter der enormen Hitze der nachmittäglichen Sonne im schweizerischen Zürich stöhnen mussten. Zu Stöhnen gab es etwas, aber eher über die wechselhaften Bedingungen, die zwischen Regenguss und Sonnenschein schwankten. Keine guten Bedingungen für die Technik der Presse und sicher auch nicht für die Darsteller und die Zuschauer. Irgendwie versuchte man dann schon das Beste daraus zu machen.
Immerhin meinte es Petrus gut, als die Darsteller, allen voran Katie Leung aus den Limousinen stiegen. Hunderte Fans scharten sich da schon dicht gedrängt rund um den roten Teppich, der vor dem Arena-Kino beim Sihlcity in Zürich ausgebreitet war. Wie erwähnt nahm sich Katie Leung nur wenig Zeit für die Fotografen, etwas mehr Zeit für die Interviews und dann wirklich sehr, sehr viel Zeit für die Fans. Es wird wohl kein Autogramm-Wunsch unerfüllt geblieben sein und der Zeitplan war spätestens nach Eintreffen eines wolkenbruchartigen Regens sowieso nur noch Makulatur. Pünktliche Schweiz? Mit diesem Vorurteil wurde gründlich aufgeräumt, denn anstatt um 18:00 Uhr, wurde der Film erst gegen 19:00 Uhr gestartet.
Doch man muss auch einmal zur Ehrenrettung heran treten. Katie Leung war sichtlich schüchtern und musste erst durch die Phelps-Brüder in die Mitte genommen werden, um der Fotografenschar einige sehr schöne Motive zu bieten. Es wird sicher nicht einfach sein mit 20 Jahren einem Hype wie dem um Harry Potter ausgesetzt zu sein. Da hatten die Phelps-Brüder, die schon ihren 5. Potterfilm hinter sich haben, deutlich mehr Medienerfahrung und präsentierten etliche schöne Gesten für die Reporterschar.
Dank des Regens war der knapp bemessene Vorraum des Kinos sehr schnell sehr voll mit Premierengästen. Es ging kaum noch ein Apfel zu Boden und so gesehen war es sicher nicht schlecht, dass „nur“ drei Säle belegt waren. Was wäre wohl gewesen, wenn gleich alle neun Säle belegt worden wären? Man hätte sich sicher tot getrampelt. Ob diese Location für eine Premiere wirklich ideal ist, ist sicher eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Aber das Kino dürfte wohl dennoch eines der Größten in Zürich sein.
Ungewöhnlich auch die Darreichung an Essen zur Premiere. Zu Hot Dogs gab es kleine und sehr wohlschmeckende Cannapes, sowie kostenfreies Popcorn. Es sind weniger die Einzelkomponenten, als die Gesamtmischung, die nicht gerade alltäglich war. Wer wollte, konnte sich außerdem Flaschen mit Eistee aus Kühltruhen angeln oder Sekt genießen. So war also sowohl für das leibliche Wohl der einfacheren, wie auch der gehobeneren Gesellschaft gesorgt.
Mit ein paar Gästen konnte man trotz Gedränge ins Gespräch kommen. Da war zum Beispiel Sebastian Holzheu, ein zehnjähriger Junge, der zwar an den Rollstuhl gefesselt ist, aber durch Harry Potter das Fliegen gelernt hat. Er hat alle Bücher gelesen, alle Filme gesehen und kommt extra aus der Nähe von Stuttgart mit seiner Familie, um seinen Stars ganz nahe zu sein. Er war dann auch begeistert von dem fünften Film und wird sicher in dieser Nacht auf der Rückfahrt nach Hause von Harry Potter und der Armee von Dumbledore geträumt haben. Seine Mutter gab zwar zu, dass manche Szenen Zehnjährige auch überfordern könnten, aber hatte bei ihrem Sohn da keine Bedenken, da er die Bücher sowieso in- und auswendig kennt.
Oliver Knick, der bei Rignier im Fernsehbereich arbeitet, ist unterdessen überhaupt erst über die Filme auf Harry Potter gekommen. Während seine Frau die Bücher geradezu verschlingt, ist es nicht unbedingt sein Ding solch dicke Wälzer zu lesen. Da schaut er sich doch lieber inzwischen zum sicher 30. oder 40. Mal die bisherigen Filme an oder genießt die Schweizer Premiere des fünften Films – zu der er im Übrigen die Karten gewonnen hatte.
Insgesamt kam der Film bei allen Gästen sehr gut an. Interessanterweise war bei den jüngeren Gästen der Kuss zwischen Cho und Harry gar nicht so entscheidend, da gefielen doch schon ganz andere Szenen. Und das obwohl ja so ein großer Hype rund um diesen Kuss gemacht wurde, den Katie Leung übrigens als wunderschön bezeichnete und Daniel Radcliffe als sehr guten Küsser lobte. Es scheint wohl eher die Erwachsenen aufzuwühlen, dass der kleine Harry erwachsen wird. Ein Mädchen meinte noch auf die Frage, ob sie lieber an Katies Stelle gewesen wäre: „Nein, Danke!“
„Nein, Danke“ sollte man indes nicht zu Harry Potter 5 sagen. Der Film hat für alle Zuschauer etwas zu bieten. Für die kleineren Zuschauer herrlich lockere Szenen, bei denen man schmunzeln kann, sowie einige herrlich verschrobene Charaktere, für die Teenager die kleine Liebesaffäre zwischen Harry und Cho und für die älteren Zuschauer fantastische Special Effects und einen detailreichen Sound. Speziell bei den Special Effects ist eine deutliche Steigerung festzustellen, insbesondere dann, wenn man einmal einen Vergleich zwischen Film 1 und Film 5 zieht. Wie weit hier die Computeranimationen in den vergangenen Jahren fortgeschritten sind, ist schon erstaunlich.
Inhaltlich hält sich der Film freilich sehr eng an die Vorgaben des Buches. Alleine es fehlt eine klärende Szene zwischen Harry und Cho, was sehr schade ist, denn sie ist im Buch enthalten. So hat Katie Leung letztendlich im zweiten Teil des Films nichts mehr zu sagen und taucht nur noch in der Abschlussszene im Hintergrund auf. Bei 138 Minuten Film wären zwei Minuten für diese Szene doch sicher noch machbar gewesen.
Insgesamt ist „Harry Potter und der Orden des Phönix“ ein kurzweiliger und sehr gut gemachter Film, der der Buchvorlage gerecht wird und bei dem die Zuschauer sicher allesamt ihre helle Freude haben werden.
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