INSPIRATION
Die Entstehung von „Hairspray“ geht bis ins Jahr 1988 zurück: Damals brachten Filmemacher John Waters und New Line Cinema den Originalfilm „Hairspray“ (Hairspray) ins Kino. Wie seine früheren Filme „Pink Flamingos“ (Pink Flamingos) und „Polyester“ (Polyester) inszenierte und produzierte Waters „Hairspray“ selbst und schuf damit einen weiteren Comedy-Kultklassiker. Newcomerin Ricki Lake spielte Tracy Turnblad, Divine (bürgerlich: Glen Milstead) stellte ihre liebevolle Mutter Edna dar, und der altgediente Jerry Stiller ihren Vater Wilbur. Eine solche Story konnte wirklich nur John Waters auf seine unverwechselbare Art erzählen (und besetzen).
„Ich schrieb das Skript im Bett in meinem ziemlich schäbigen Apartment in Baltimore“, sagt Waters. „Vieles aus diesem Film habe ich als Jugendlicher Anfang der 60er-Jahre in Baltimore selbst erlebt. Jedes Mal schaute ich mir die Fernsehtanzshow ,The Buddy Dean Show‘ an, und ich bin sogar mal darin aufgetreten. Wie alle weißen Kids habe ich damals schwarze Musik gehört – es gab drei schwarze Musiksender in der Stadt.“
„John hat das Zusammenwachsen der beiden Kulturen in Baltimore selbst erlebt“, sagt Jerry Stiller, der im neuen Film Mr. Pinky spielt, den Besitzer des Textilgeschäfts Hefty Hideaway, wo „Qualitätskleidung für Quantitätsdamen“ angeboten wird.
„So entstand eine Geschichte, die nur seinem total verrückten Kopf und seinen Lebensumständen entspringen konnte“, sagt Stiller, dessen Kinder Amy und Ben ihn 1988 drängten, die Rolle des Wilbur Turnblad unbedingt anzunehmen. „Was Johns Humor angeht, kennt er keine Tabus – das macht ihn zu einem hervorragenden Filmemacher. Seine Sicht der Stadt Baltimore im Jahr 1962 wirkt zwar reichlich abgedreht, aber niemand kann leugnen, dass sie unglaublich lustig ist.“

Waters erklärt, dass er seinen Film aus der Sicht eines weißen Mitglieds der Rassenintegrationsbewegung schildert – in diesem Fall mit den Augen der jungen Tracy Turnblad: „Offenbar kam mein Film bei den Zuschauern an, weil er nicht nur witzig ist, sondern auch eine soziale Botschaft vermittelt, ohne zur Predigt auszuarten. Der größte Unterschied zur Realität besteht darin, dass in Buddy Deans Show nie ein fettes Mädchen aufgetreten ist. Ich habe die fette Tracy also als Vertreterin aller Außenseiter erfunden. Und ihr Traum vom Tanzauftritt in der ,Corny Collins Show‘ symbolisiert die Träume all jener, die unter Diskriminierungen unterschiedlichster Art zu leiden haben.“
Doch Tracy Turnblads Träume endeten durchaus nicht, als John Waters’ Film dann eines Tages aus den Kinos verschwand. Denn 2002 brachte New Line eine Bühnenfassung von Waters’ Kultfilm an den Broadway und landete mit „Hairspray: The Musical“ einen Riesenhit. Das Buch schrieben Mark O’Donnell und Thomas Meehan, die Musik komponierte Marc Shaiman, der mit Scott Wittman auch die Songtexte lieferte. „Hairspray: The Musical“ wurde in 13 Kategorien für den Tony nominiert und gewann acht der begehrten Broadway-Preise, darunter für das Beste Musical, das Beste Buch zu einem Musical, die Beste Originalmusik (Musik und Texte), den Besten Hauptdarsteller in einem Musical (Harvey Fierstein), die Beste Hauptdarstellerin in einem Musical (Marissa Jaret Winokur), den Besten Nebendarsteller in einem Musical (Dick Latessa), die Besten Kostüme (William Ivey Long) und die Beste Regie eines Musicals (Jack O’Brien).

Nach wie vor läuft das Stück am Broadway im Neil Simon Theatre sowie in zahlreichen Tournee-Inszenierungen in ganz Nordamerika, denn es begeistert das Publikum aller Altersstufen mit eingängigen Songs, sympathischen Figuren, dem Underdog/Außenseiter-Thema und dem grandiosen Humor. Im Juli 2007 läuft das Musical zwei Wochen in Japan, Premiere in London ist im Oktober 2007.
Die originale Tracy Turnblad, Ricki Lake (die wie Waters und Jerry Stiller einen Gastauftritt im neuen Film absolviert), bezeichnet John Waters’ Film als Cinderella-Story – nicht nur in Bezug auf das Thema, sondern auch auf ihre ganz persönliche Karriere.
„Ich war richtig überwältigt, als ich für meinen Gastauftritt zum Dreh nach Toronto kam“, erinnert sich Lake. „Immerhin entstand der Originalfilm vor 19 Jahren. Einfach surreal, wenn man sich klar macht, dass ich heute Tracys Mutter sein könnte! Aber im Ernst – ich halte die Story nach wie vor für aktuell, ihren Appell an Toleranz, Akzeptanz und Integration. Und ich finde es einfach toll, dass die Außenseiterin triumphiert. Die Story baut richtig auf, sie fordert, dass man sich selbst treu bleiben soll, denn wenn man das schafft, dann werden Träume wahr. Meine sind wahr geworden: Nachdem ich im Originalfilm mitgewirkt hatte, standen mir plötzlich alle Türen offen, und ich bin John Waters ewig dankbar dafür, dass er mich entdeckt und der Anonymität entrissen hat, um mich zum Star aufzubauen. In mancher Hinsicht zieht sich Nikki Blonsky heute die Schuhe an, die ich damals getragen habe – ich wünsche ihr eine ebenso lange und fantastische Karriere, wie ich sie erleben durfte.“
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