TRADITION – MIT DEM GEWISSEN KNIFF
Diese neue Version von „Hairspray“ hält sich an mindestens zwei Traditionen, die durch diesen Stoff entstanden sind: Immer wurde Tracy Turnblad von einer unbekannten Schauspielerin verkörpert, und die Rolle der Edna Turnblad wurde immer von einem männlichen Darsteller gespielt. Im ersten Fall waren es Ricki Lake und Divine, dann Marissa Winokur und Harvey Fierstein, und jetzt spielt Nikki Blonsky die Tracy und John Travolta die Edna.
„Komm zu Mama.“ Das ist der erste Satz, den John Travolta zu seiner Filmpartnerin Nikki Blonsky sagte, als sie sich im August 2006 kennen lernten. Alle Beteiligten, die die beiden zusammen erlebten, spürten, dass hier etwas Außergewöhnliches vor sich ging.
„Sie verstanden sich auf Anhieb“, erinnert sich Produzent Neil Meron. „Das erste Treffen ist ein gutes Beispiel für die Beziehung der beiden. Das hat uns richtig überwältigt, denn irgendwie schienen diese beiden Menschen füreinander bestimmt zu sein. Wir alle traten einen Schritt zurück, denn wir merkten, dass wir Zeugen der vielleicht wunderbarsten ,Mutter-Tochter‘-Beziehung aller Zeiten waren.“
„Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich John Travolta kennen lernte“, sagt Blonsky, die noch zur Schule geht und nachmittags in einer Eisdiele auf Long Island jobbte, als sie die Hauptrolle neben einem der größten Filmstars aller Zeiten ergatterte. „Als wir uns in die Arme fielen, kam es mir vor, als ob ich meine echte Mom umarmte. Er sorgte dafür, dass ich mich sofort geliebt, beschützt und willkommen fühlte – genau dafür sind Mütter ja auch zuständig.“
„Da wird eindeutig ein Star geboren“, sagt Travolta über Blonskys Darstellung. „Ich glaube nicht, dass ich diesen Satz jemals revidieren muss. Wenn man Nikki auf der Leinwand erlebt, wird sofort deutlich, welche Präsenz, Begabung, welches Charisma sie mitbringt – darin ähnelt sie durchaus der jungen Barbra Streisand oder Bette Midler. Sie bringt auf ihre Art ebenso einzigartige Fähigkeiten mit wie die anderen beiden in ihrem Bereich.“

Die Chemie zwischen Travolta und Blonsky stimmte also auf Anhieb. Doch die Besetzung von Edna und Tracy Turnblad ging durchaus nicht ebenso schnell vonstatten – im Gegenteil: Die Produzenten Zadan und Meron brauchten über ein Jahr, um Travolta dazu zu bringen, die Hauptrolle zu übernehmen.
„Obwohl John der größte Film-Musical-Star dieser Generation ist, reagierte er lange sehr zurückhaltend, weil er nicht in das Genre zurückkehren wollte, mit dem er berühmt geworden ist“, sagt Meron. „Immer wieder betonte er, dass er nur in einem Musical mitwirken würde, wenn es sich dabei um ein absolut ungewöhnliches Projekt handelt. Als Antwort haben wir ihn immer wieder darauf hingewiesen, dass John Travolta als Edna Turnblad nun wirklich nichts mit einer normalen Rolle gemein hat.“
Dazu Zadan: „Verständlicherweise hatte John etliche Vorbehalte, aber wir insistierten, dass er die Rolle unbedingt spielen musste, weil sie sich mit nichts in seiner bisherigen Karriere vergleichen lässt. John hat sein Publikum immer wieder in Erstaunen versetzt, und wir pochten darauf, dass diese neuerliche Überraschung alles Bisherige in den Schatten stellt.“
Dabei war es nicht das erste Mal, dass Meron und Zadan Travolta eine Musical-Rolle anboten: Ursprünglich hatten sie gehofft, er würde den Billy Flynn in „Chicago“ spielen, aber er lehnte ab, und schließlich übernahm Richard Gere den Part.
„Ehrlich gesagt war ,Chicago‘ das erste Film-Musical-Projekt, bei dem ich fast schwach geworden wäre – und heute bedauere ich, dass ich nicht mitgemacht habe“, sagt Travolta. „Also ließen mich Craig und Neil diesmal nicht vom Haken. Sie haben mir ihr Konzept des Projekts in allen Einzelheiten erläutert und begründeten ausführlich, warum gerade ich diese Rolle übernehmen sollte. Doch lange Zeit konnte ich mir einfach nicht vorstellen, warum ich nach 30 Jahren Leinwanderfahrung als Herzensbrecher nun unbedingt eine fette Frau aus Baltimore spielen soll. Viele Monate lang blieb ich unschlüssig, doch dann schafften sie es tatsächlich und überredeten mich, noch einmal mit dem Hintern zu wackeln – diesmal als Edna.“
Travoltas Verwandlung in Edna gelang mithilfe des Maskenexperten Tony Gardner und seines fähigen Teams von Make-up-Fachleuten und Maskenspezialisten. Es dauerte tagtäglich vier bis fünf Stunden, bis Travolta fertig „geschminkt“ war – ein Ganzkörpertrikot machte ihn „übergewichtig“. Tatsächlich wog allein dieser Anzug 15 Kilogramm. Außerdem brachte man fünf verschiedene mit flüssigem Silikon gefüllte Maskenteile auf seinem Körper an: auf Kinn/Unterlippe, Oberlippe, auf beiden Wangen, um den Hals und in Ednas BH. Insgesamt standen ihm drei Ganzkörpertrikots zur Verfügung, außerdem ein Halbkörper-Silikonanzug mit einem Gewicht von 35 Kilogramm. Zusätzlich fertigten die Experten elf Paar Beinteile, neun Paar Arme und über 40 Gesichtsteile, die alle bei der Verwandlung zum Einsatz kamen.

In Bezug auf die tägliche Make-up-Prozedur entwickelte Travolta eine Hassliebe zu Edna.
„Ich würde es so sagen: Edna spielen hat Spaß gemacht, Edna werden aber nicht“, sagt Travolta. „Ich fand es toll zu erleben, wie die Leute reagierten, wenn sie mich als Edna sahen, aber das ganze Drumherum mit den Maskenteilen und dem Schwabbelanzug hat mich nicht begeistert. Ich fühlte mich sehr unwohl und kam richtig ins Schwitzen – als ob man sieben sehr unbequeme Kleidungsstücke übereinander ziehen würde. Mein Gedanke dabei: Wenn das so läuft, möchte ich nie eine Frau sein.“
„Doch als ich mich erstmals als Edna sah, war ich begeistert – ich habe mich selbst überzeugt“, sagt er. „Sie tauchte einfach aus dem Nichts auf, und es machte richtig Spaß, über das Set zu stapfen – alle begrüßten mich als Edna, denn die Leute vergaßen schnell, dass ich irgendwo in diesem Kostüm steckte. Das war echt komisch. Mit dem alten Witz vom Mann im Kostüm einer fetten Frau wollte ich nichts zu tun haben. Stattdessen kreierte ich einen neuen Witz: Ich wurde eine Arbeiterfrau aus Baltimore.“
So schwierig es für die Produzenten schon war, Travolta zur Edna-Rolle zu überreden, so war es in jeder Hinsicht mindestens genauso kompliziert für Adam Shankman, ein geeignetes Mädchen für die Tracy zu entdecken.
„Von vornherein wollte ich unbedingt eine Unbekannte als Tracy besetzen, und sowohl Neil und Craig als auch das Studio haben mich dabei hundertprozentig unterstützt“, sagt Shankman. „Ganz entscheidend für den Film und die Rolle selbst ist, dass die Darstellerin der Tracy nicht schon durch andere Rollen bekannt war. Ich wollte die Figur aber nicht nur durch eine Unbekannte besetzen, sondern bestand auch darauf, dass sie wirklich so alt ist wie Tracy. Aus meiner Sicht ist das für die Figur unabdingbar. Wenn die Zuschauer die pummelige Tracy erstmals zu Gesicht bekommen, müssen sie sich auf der Stelle in sie verlieben.“
„Doch die Rolle stellt eine Menge ganz klarer Anforderungen an die Darstellerin“, sagt Shankman. „Uns allen war klar, welche immensen Schwierigkeiten bei der Suche nach einer unwiderstehlich sympathischen, übergewichtigen 17-Jährigen auf uns warteten – denn sie musste zusätzlich auch noch singen, tanzen, schauspielern und sich vor der Kamera in Gesellschaft von Stars wie John Travolta, Queen Latifah, Christopher Walken und Michelle Pfeiffer behaupten. Doch wir haben es geschafft – und wie!“

Weltweit luden die Filmemacher zu endlosen Vorsprechterminen ein: in Kanada, Großbritannien, Australien und den USA. Außerdem wurde im Internet eine Website eingerichtet, auf die hoffnungsvolle Kandidatinnen eigene Videos uploaden konnten. Die Filmemacher testeten 1000 Girls, bevor Nikki Blonsky die Spitze der Favoritenliste erreichte.
„Als ich Nikkis Video sah, setzte ich sie sofort auf meine Liste“, erinnert sich Shankman. „Sie hat das richtige Alter, sieht auf jeden Fall angemessen aus, sie kann sehr gut singen und brachte mich zum Lachen. Sie ist unglaublich selbstbewusst und liebenswert sexy – genau wie Tracy. Während der Besetzungsphase erlebte ich dann viele andere Mädchen und schaute mir eine Menge Videos an. Aber immer wieder kam ich auf Nikki zurück. Ich schaute mir ein paar andere an, dann wieder ihr Video, dann wieder ein paar andere, dann wieder ihres. Endlich wurde mir klar, dass ich diesen molligen Teenager aus der Arbeiterklasse von Long Island einfach nicht ignorieren konnte, denn sie träumt ebenso leidenschaftlich vom Rampenlicht wie der mollige Teenager aus der Arbeiterklasse in Baltimore. Die Parallelen dieser beiden Schicksale waren derart offensichtlich, dass wir sie fast zwangsläufig besetzen mussten. Schließlich haben wir alle begriffen, dass Nikki Tracy ist. Sie musste nur noch ins Studio kommen, die Perücke aufsetzen, und die Sache war gelaufen.“
Immer wieder wurde Blonsky zu neuen Tests und zu Treffen mit den Filmemachern eingeladen, bis die Probeaufnahmen in Los Angeles schließlich alle Beteiligten überzeugten. Etliche Monate später erschien Blonsky am Set und begann mit den Proben. Der erste Eindruck, den sie gemacht hatte, bestätigte sich überdeutlich.
„Nikki arbeitet wie eine Maschine“, lacht Shankman. „Sie saugt alles auf wie ein Schwamm. Sie ist einfach unermüdlich, speichert jede einzelne Anweisung, die ich ihr gebe. Nikki hatte keine Tanzausbildung, war nur in Schul-Musicals aufgetreten, stürzte sich aber mit Feuereifer in die Arbeit. Es war fast unheimlich, wie schnell sie die Tänze lernte und wie man auf den Markierungen zu stehen kommt und was im Sinne der Kamera ,links‘ und ,rechts‘ bedeutet. Tatsächlich bewährte sie sich so gut, dass sich all die anderen Tänzer und Schauspieler ins Zeug legen mussten, um mit ihr Schritt zu halten.“
„Nur einmal, im August, schafften wir es, alle Darsteller für eine Lese- und Singprobe zu versammeln“, sagt Komponist/Texter und Co-Executive Producer Marc Shaiman. „Man konnte die Begeisterung und Energie in diesem Raum förmlich mit Händen greifen, das wirkte ansteckend. Es war unglaublich spannend und inspirierend, diese so unterschiedlichen Darsteller aus drei Generationen in einem Raum versammelt zu erleben. Und wir wurden Zeugen, wie Nikki sich mitten in dieser Gruppe in Tracy verwandelte. Ein sehr bewegender Moment, den wir nie vergessen werden.“

„Als ich diese Leseprobe miterlebte, standen mir wahrhaftig die Tränen in den Augen“, sagt Texter und Co-Executive Producer Scott Wittman. „Es war toll, Nikki in der Runde all dieser hervorragenden Schauspieler zu erleben – seitdem bin ich ihr größter Fan.“
„Ich bin Adam unendlich dankbar“, sagt Nikki Blonsky. „Ich weiß, dass er mein Schutzengel war, der die ganze Zeit über mich gewacht hat, seit ich meinen Traum ausleben darf. Oft hat er mich zu Tränen gerührt. Nie habe ich etwas Schöneres erlebt als jene Momente, in denen er mir sagte, wie zufrieden er mit mir ist. Er hat mich zum glücklichsten Mädchen der Welt gemacht, und er behält ewig einen Platz in meinem Herzen – immer und ewig.“
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