Splashpages  Home Movies  Specials  I am Legend  Über Viren und eine menschenleere Stadt
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 33 Specials. Alle Specials anzeigen...

Über Viren und eine menschenleere Stadt

Titelschriftzug_02jpeg_700x296.jpg

Jeden Mittag, wenn die Sonne am höchsten steht, bin ich am Anleger in der South Street anzutreffen…

Nevilles Lebensumstände werden von dem genmanipulierten Virus hervorgerufen, der zunächst als revolutionäres Heilmittel gegen den Krebs gefeiert wurde, bis er zu einem unaufhaltsamen ansteckenden Mikroorganismus mutierte. Die Filmemacher informierten sich also über das komplexe Thema Viren und Virologie. Am Anfang ihrer Recherchen standen Einführungskurse bei den bekanntesten Dozenten auf diesem Gebiet, und den Höhepunkt bildeten Besuche im Center for Disease Control (Seuchenzentrum). Im CDC bekamen Smith, Lawrence und die Produzenten die seltene Gelegenheit, mit Wissenschaftlern zu sprechen, die im Labor der Biosicherheitsebene 3 arbeiten und mit den gefährlichsten und ansteckendsten Viren der Welt zu tun haben. Dort wurde ihnen allmählich klar, dass ein außer Kontrolle geratenes Retrovirus längst kein Versatzstück für Science-Fiction-Storys mehr ist, sondern durchaus vorstellbar.

Goldsman kommentiert: „Man ist sich darüber im klaren, dass einige Viren tatsächlich ganz oben in der ,Nahrungskette‘ stehen. Man wird sehr kleinlaut und bekommt es wirklich mit der Angst zu tun, wenn man erfährt, wie hartnäckig ein mutierter Virus sein und welche ungeheuren Auswirkungen er haben kann.“ Die Filmemacher sprachen mit einigen der bekanntesten amerikanischen Virologen – von Mikrobiologen, die im Labor der höchsten Sicherheitsstufe arbeiten, bis hin zu den „Virusjägern“, die in den Krisenherden der Welt erforschen, wo sich eine neue potenziell tödliche Pandemie entwickeln könnte. „Das war faszinierend“, sagt Lawrence. „Wir konnten direkt miterleben, wie Virologen Entscheidungen treffen und wie sie die Welt der Viren einschätzen.“ Durch dieses Projekt sammelten die Filmemacher eine Fülle von Informationen, die sie in den Film einbrachten – von Nevilles Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen bis hin zu den Laborprotokollen, die sich an der tatsächlichen Arbeit im CDC orientieren. Besonders Smith war dankbar dafür, derart viel praktische Anleitung für die Gestaltung des Neville zu bekommen. „Ich bereite mich gern möglichst intensiv vor“, stellt er fest. „Denn es ist fast unmöglich, Nevilles Gefühlen gerecht zu werden, wenn man keine Ahnung von der Wissenschaft hat, die sein Leben bestimmt.“

Szenenbild_07jpeg_700x465.jpg

Die Experten des CDC gaben auch unschätzbare Tipps in Bezug auf die Abwicklung und die ethischen Belange von Massenevakuierungen und Quarantäne-Situationen. Auch die Bundes- und Staatsbehörden in New York standen den Filmemachern zur Verfügung, um mit ihrer Erfahrung zur Orchestrierung der explosivsten und dramatischsten Szenen beizutragen: nicht nur beim Chaos in den Straßen, sondern auch bei Nevilles isoliertem Leben in der einst so geschäftigten Stadt.

Das New York des Jahres 2012 bietet ein beeindruckendes Spiegelbild der Metropole, wie wir sie heute kennen. Die Filmemacher wollten das übliche Science-Fiction-Konzept einer völlig zerstörten Stadt vermeiden – vielmehr zeigen sie schreckliche Ansichten des Stillstands – Quarantäne-Gebäude, geplünderte Läden, Warnungen vor Biogefährdung, einen Verkehrsstau mit längst verlassenen Fahrzeugen. Alles wird von Unkraut überwuchert und von Tieren bevölkert. Es war Francis Lawrence, der das unheimliche Konzept eines Manhattan entwickelte, das von der Natur zurückgefordert wird und buchstäblich zu einem Großstadtdschungel mutiert ist.

Produktionsdesignerin Naomi Shohan hatte mit Lawrence bereits „Constantine“ (Constantine) gestaltet – sie half nun auch bei der Entwicklung der Stadt als neuem Garten Eden. „Optisch hat die ursprüngliche Pandemie die Auswirkung, dass die Stadt von den Überbleibseln der militärischen und medizinischen Notmaßnahmen und der Panik unter der Bevölkerung geprägt ist“, berichtet Shohan. „Das sieht so ähnlich aus wie das, was in einem Krieg passieren würde. Wenn man dann zeitlich vorwärts spult, können wir der Stadtlandschaft eine poetische Dimension geben, die einen schönen Kontrast zu Nevilles verzweifelter Lage ergibt. Im Lauf der Zeit verwandelt sich die Stadt durch die implodierende Infrastruktur und die ungezügelte Natur.“

Mit ihrer Ausstattungsabteilung recherchierte Shohan umfassend, wie die Stadt wohl aussehen würde, wenn plötzlich die Wasser- und Stromversorgung ausbleibt, wie sich die Vegetation entwickeln und die Tiere zurückkehren würden. „Wenn die Wasserleitungen undicht werden, entstehen durch die Ausspülung Löcher –Straßen geben nach, Gebäude stürzen teilweise ein“, berichtet sie. „Noch viel mehr wird durch Brände zerstört, die durch Kurzschluss oder Gas entstehen, und die Natur nimmt unaufhaltsam alles wieder in Besitz. Plötzlich sind die Straßen nicht mehr mit medizinischem und militärischem Schrott übersät, vielmehr sehen die gewaltigen Straßenschluchten von New York City eher so aus, wie die romantischen Maler des 19. Jahrhunderts den amerikanischen Westen darstellten. So gestalten wir zeitlose Bilder: Die schnörkellose Härte der Großstadt weicht der Natur und verwandelt sich in eine sinnliche Landschaft.“

Szenenbild_09jpeg_700x295.jpg

Ganz in diesem Sinne kommentiert Lawrence: „Ich wollte den Film sehr realistisch gestalten. Ich wollte bei Tageslicht in den heutigen Straßen von New York drehen, denn das wirkt sich direkt auf unsere Schauplatzwahl und die Leistungen der Darsteller aus.“ Der Regisseur überließ es dem Oscar-preisgekrönten Kameramann Andrew Lesnie („Herr der Ringe“-Trilogie), die elementaren Emotionen zu bebildern, die er sich für Neville und seine Welt vorstellte. „Wir konzentrierten uns auf den Einsatz der Kamera, um Nevilles Gefühle zu vermitteln – ob es um seine Einsamkeit geht, die Finsternis oder auch den Spaß, den er erlebt. Andrew trägt entscheidend dazu bei, mit der Kamera den emotionalen Gehalt jeder Szene besonders zu betonen“, berichtet Lawrence.

Neben den emotionalen Eindrücken fing die Kamera aber auch temporeiche Action-Momente in Nevilles gefährlichem Leben ein, die manchmal durch visuelle Effekte ergänzt werden mussten. Obwohl die Dreharbeiten in verkehrsarmen Stunden an Wochenenden stattfanden, um die für die Stadt üblichen Menschenmassen zu vermeiden, gab es dennoch immer Frühaufsteher, die ihre Kamera-Handys zückten, wenn sie unerwartet das Filmteam bei der Arbeit wahrnahmen. In einer der wichtigsten Szenen rast Neville in seinem umgebauten Mustang Shelby durch ein Labyrinth verlassener Fahrzeuge und Hindernisse auf den Straßen – diese Sequenz wurde einen Monat lang jeweils am Wochenende an Schauplätzen in der ganzen Stadt gedreht.

Es war eine logistische Meisterleistung, die meisten Szenen des Films in einer der am dichtesten bevölkerten Städte der Welt zu drehen und dabei einen Helden zu zeigen, der völlig isoliert in dieser Stadt lebt. „New York kann man durch nichts ersetzen“, weiß der in New York wohnende Executive Producer Michael Tadross. „Die Stadtpanoramen sind unverkennbar, und glücklicherweise konnten wir an Schauplätzen drehen, die noch nie in einem Film zu sehen waren.“ Tadross und Aufnahmeleiter Paul Kramer arbeiteten dabei mit Behörden auf allen Ebenen zusammen, darunter auch mit dem Film- und TV-Büro des Bürgermeisters Michael Bloomberg. Nur so waren Aufnahmen an den bekanntesten und meistfrequentierten Schauplätzen möglich. Nie zuvor bekam ein Filmteam in diesem Umfang Drehgenehmigungen für die berühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Außerdem durfte das Filmteam für kurze Zeitspannen und in verkehrsarmen Stunden ganze Straßenblocks absperren, wenn der Schauplatz für den Film mit verlassenen Fahrzeugen, eingestürzten Häuserfassaden, künstlichen Pflanzen, Büschen und Unkraut in den Spalten des aufgeplatzten Straßenpflasters ausgestattet werden musste. Über all das wurde dann eine Patina aus Dreck und Verwahrlosung gelegt. „Bei diesem Film haben wir uns in keiner Phase mit Halbheiten zufriedengegeben. Jeder Straßenschauplatz erforderte großen Aufwand wegen des postapokalyptischen Umfelds. In keinem Fall konnten wir den Schauplatz so filmen, wie wir ihn vorfanden. Die Situation, die wir erschaffen, hat die Stadt noch nie erlebt. Das war in jedem Fall eine große Herausforderung“, erinnert sich Kramer. Die Liste der New Yorker Schauplätze in „I Am Legend“ umfasst die unterschiedlichsten Locations in drei der fünf Stadtbezirke – darunter der Bahnhof Grand Central, das Flatiron Building am Madison Square Park, der Washington Square Park, die beliebten Straßen im Viertel Tribeca, das Schlachthofviertel, die Kreuzung am Columbus Circle und Chinatown.

Die kompliziertesten Drehtage erstreckten sich über mehrere Wochenenden an der Fifth Avenue mit ihren luxuriösen Geschäften. Hunderte von Produktionsassistenten, Personal zum Regeln des Verkehrs und Polizisten waren im Einsatz, um den Bereich zwischen der Madison Avenue und der Sixth Avenue (den Parallelstraßen der Fifth Avenue) auf der Höhe zwischen der 57th und der 49th Street komplett für Autoverkehr und Fußgänger zu sperren.

Szenenbild_13jpeg_700x464.jpg

Smith zeigte sich von der menschenleeren Straße in dieser sonst so quirligen Gegend schwer beeindruckt: „Da merkt man erst, dass man New York noch nie derart entvölkert gesehen hat“, berichtet er. „Ein echt überwältigendes Bild. Als dieser Abschnitt der Fifth Avenue völlig menschenleer war, wurde uns erstmals wirklich bewusst, dass wir hier etwas noch nie Dagewesenes schaffen.“ Lawrence bestätigt das: „Die Fifth Avenue war eine ganz besondere Erfahrung. Erstaunlicherweise herrschte absolute Stille, als wir drehten. Ich konzentrierte mich auf den Monitor und beobachtete, wie Will die leere Fifth Avenue hinaufwanderte. Als ich dann ,Cut‘ rief, brandete Applaus auf: Tausende von Leuten säumten mehrere Blocks lang die andere Straßenseite. Während der Aufnahmen fotografierte niemand, alle waren mucksmäuschenstill. Einfach unglaublich. So haben wir den ganzen Tag gedreht – es war nicht zu fassen, wie respektvoll wir von den New Yorkern behandelt wurden. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar.“

Diese Rücksicht der vielen Zaungäste zahlte sich aus, als Smith ihnen und dem Filmteam an einem besonders kalten und windigen Tag aus dem Stegreif ein Ständchen gab und „Summertime“ sang.

Copyright (c) 2008 by Warner Bros.


Special vom: 30.12.2007
Autor dieses Specials: Gastautor
Weitere Seiten innerhalb dieses Specials können über das seitliche Menü links oben aufgerufen werden.
Zurück zur Hauptseite des Specials