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EXTRA Lünen-Premieren: Die Eisbombe


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19. Kinofest Lünen - Die Eisbombe



Am frühen Abend des ersten Festival-Tages gab es mit "Die Eisbombe" eine positive Überraschung im Bereich Tragikomödie. Schon nach wenigen Filmsequenzen war dem zahlreichen Publikum klar, dass da unterhaltsame 90 Minuten anstehen.




Es geht um die Familie Schuhmann-Weil, mit den Eltern Beate (Karoline Eichhorn) und Jörg (Peer Martiny), sowie den Söhnen Günter (Leon Wessels) und Tom (Eike Weinreich). Letzterer ist 19 Jahre alt und möchte so schnell wie es geht aus seinem Elternhaus ausziehen. Dafür hat er gute Gründe, denn die Familie wird von Mutter Beate völlig beherrscht. Sie hat einen kranken Gesundheitswahn und einen auf Keimfreiheit bedachten Sauberkeitsfimmel. Erst kürzlich hatte sie die Ernährung ihrer Familie auf Tiefkühlkost umgestellt, doch eine Rückrufaktion bei einem Tiefkühl-Produkt einer bestimmten Firma reichte für sie aus, alle Waren aus der häuslichen Kühltruhe wieder in den Müll zu verbannen. Eines schönen Tages kracht ein gut 20 Kg großer Eisblock in den Dachboden des Einfamilienhauses, der eigentlich für Sohn Tom ausgebaut werden sollte. Beate gerät in Panik und beschließt, dass das Schmelzwasser das Haus verseucht hat und zieht mit ihren Lieben in einen kleinen Bunker im Garten. Tom leidet an Allergien und hat panische Angst vor Regen, weswegen er zumeist mit einem durchsichtigen Regencape und einem kleinen Regenschirm durch die Gegend läuft. Kein Wunder, dass seine Umwelt ihn als Spinner wahrnimmt. Im örtlichen Krankenhaus hat Tom nun als Zivi die Möglichkeit sich von seiner Familie, aber insbesondere von seiner Mutter zu lösen, indem er dort ein Zimmer bezieht. Einzig die Hauswirtschafterin des Hospitals erkennt Toms Probleme und mit ihrer hausbackenen Art beginnt sie den jungen Mann für das Leben zu öffnen.



Die vielen schrägen Ideen und witzigen Dialoge haben beim Publikum die gewünschte Wirkung erzielt und Lacher produziert. Aber es gibt auch nachdenkliche, traurige Momente in dem Film, der den Ausbildungsabschluss seines Regisseurs und Drehbuchautoren Oliver Jahn darstellt. Bis zur Fertigstellung hat es fast sieben Jahre gedauert, vor allem die Beschaffung finanzieller Mittel hat die Zeit gnadenlos aufgefressen. Sein Werk kann sich sehen lassen und wirkt in seiner Konzeption frisch und auch provokant durch die sehr stark überzeichneten Charaktere und Situationen. Oliver Jahn und Schauspieler Peer Martiny standen im Anschluss an den Film dem Publikum für Fragen zur Verfügung, von denen es auch einige zum Inhalt gab. Besondere Aufmerksamkeit schenkte der Regisseur dabei dem recht drastischen Ende des Filmes. Er stellte die Frage in den Raum, ob das Publikum damit einverstanden sei und verknüpfte gleich die Frage damit, wie man es vielleicht hätte besser machen können. In Gesprächen wurde noch darauf eingegangen, ob das Ende hinsichtlich von Nebencharakteren nicht zu offen gewesen sei und ob die Überzeichnung vor allem der Mutter nicht auch störende Auswirkungen auf den Film hatte. Oliver Jahn und Peer Martiny plauderten zudem ein wenig aus dem Nähkästchen und so fand ein bemerkenswerter Film ein würdiges Ende.



Special vom: 15.11.2008
Autor dieses Specials: Jörg Hesse
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