19. Kinofest Lünen - Der Brief für den König
Im Rahmen des Kinderfilmwettbewerbes Rakete wurde am dritten Tag des Lüner Kinofestes „Der Brief für den König“ als NRW-Premiere präsentiert. Im Mittelpunkt der Kindergeschichte des niederländischen Autoren Tonk Dragt steht der junge Knappe Tiuri (Yannick van de Velde), der eigentlich nur noch eine Prüfung ablegen muss, um den Ritterschlag zu erhalten. Dazu muss er mit anderen Anwärtern in einer Kapelle Nachtwache halten, mit der Bedingung nicht zu schlafen, nicht zu reden oder gar die Tür der Kapelle zu öffnen. Doch mitten in der Nacht hören die angehenden Ritter von draußen einen Hilferuf und Tiuri öffnet nach langem Zögern die Tür. Ein verletzter Mann übergibt ihm einen Brief für den befreundeten König Unauwen, mit dem Auftrag dieses Schreiben zu schützen und vor dem Zugriff der roten Ritter und deren Herrscher zu bewahren. Tiuri will so viel Vertrauen nicht enttäuschen und macht sich auf den Eremiten Menaures (Rüdiger Vogler) zu finden, der ihm den kürzesten Weg ins Reich des Königs Unauwen zeigen soll. Es beginnt eine abenteuerliche und gefährliche Reise, denn die Häscher suchen überall nach dem jungen Knappen.
Dieser mittelalterliche Road-Movie in zwei fiktiven Ländern funktioniert sehr gut als Kinderfilm, in dem sich die Geschichte permanent um die Erlebnisse des jugendlichen Helden dreht. Es gibt keine Nebenhandlungen und die kleinen Zuschauer können sich voll auf die Haupthandlung konzentrieren. Ein Problem bei der Verfilmung eines Abenteuerstoffes mit Kampfeinlagen ist natürlich das Thema Gewalt, welches aber vollkommen souverän gelöst wurde indem diese auf das notwendige Minimum reduziert wurde. Gleichzeitig werden tödliche Schwerthiebe nur angedeutet und nicht explizit gezeigt. „Der Brief für den König“ ist ein schöner Film geworden, der mit rund 110 Minuten Laufzeit lediglich für Teile der jungen Zuschauer ein wenig zu lang sein könnte, was man an der aufkeimenden Unruhe bei den Kindern während der Vorstellung erkennen konnte. In der Tat hätte Regisseur Piet Verhoeff manche Reitszene im Wald zu Beginn des Filmes kürzer halten können.
Wie auch bei den anderen Filmen des Kinofestes waren auch hier die Filmschaffenden bei der Vorstellung zugegen, gaben gerne Interviews und stellten sich den Fragen des Publikums. So erfuhren die Zuschauer von Hauptdarsteller Yannick van de Velde, dass die Rolle gar nicht so einfach für ihn war, da er Angst vor Pferden hat und dass er auch das Reiten noch extra erlernen musste. Gedreht wurde in Deutschland, Belgien und Luxemburg und für die tollen Aufnahmen der Gebirge wurden die schottischen Berge mit der Kamera eingefangen. Ein schöner Kommentar kam von einem ca. 7 jährigen Steppke während des Abspanns: „Das war der tollste Film, den ich in meinem Leben gesehen habe!“. Ein schöneres Kompliment kann ein Film von seinem Zielpublikum wohl nicht bekommen.
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