Story:
Brad (Johnny Halliday) reitet nach Blackstone, um den Tod seines Bruder Charlie aufzuklären. Es stellt sich heraus, dass Charlie bei einem Postkutschenüberfall involviert war, im Rahmen dessen er verstarb. Leider ist vollkommen unklar, wer den Überfall begangen hat und auch, wo das erbeutete Geld abgeblieben ist. Brad ermittelt in Blackstone, kommt aber nicht richtig voran. Sein alter Kumpel, der mexikanische Bandenboss El Diablo (Mario Adorf) weiß aber mehr und gibt den entscheidenden Tipp.
Meinung zum Film:
Regisseur Sergio Corbucci war in den 60er-Jahren des letzten Jahrzehnts für einige Italowestern-Klassiker verantwortlich, allen voran „Django“ mit Franco Nero und „Leichen pflastern seinen Weg“ mit Jean-Louis Trintingnant in den Hauptrollen. Auch in „Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ sehen wir einen französischen Musik-Star in der Hauptrolle, nämlich den zu der damaligen Zeit in seiner Heimat Frankreich äußerst populären Johnny Halliday, der in Deutschland nie nachhaltig Fuß fassen konnte. Da Meister Corbucci außerdem noch selbst am Drehbuch mitgefeilt hat, könnte man der Meinung sein, dass bei diesem Film gar nichts mehr schiefgehen könnte – auf die Höhepunkte muss man dennoch leider bis zum Finale warten, wird dann aber reich belohnt.
In der ersten Stunde passiert zwar viel auf dem Bildschirm, die Handlung an sich wird aber nicht recht vorangetrieben. Brad kommt nach Blackstone und versucht dort herauszufinden, was mit seinem Bruder und dem schönen Geld aus der Blackstonschen Bank passiert ist. Wir lernen im Rahmen der Ermittlungen den örtlichen Sheriff kennen, der keine Waffen in seiner Stadt duldet, es sei denn, es sind seine eigenen. Des Weiteren scheint Bankchefin Virginia Pollywood (Françoise Fabian) mehr zu wissen, als sie vorgibt und dann gibt es noch den einarmigen mexikanischen Bandenchef El Diablo (Mario Adorf, „Milano Kaliber 9“), der Brad den entscheidenden Tipp gibt. Und als ob mit Virginia eine Frau noch nicht genug sei, lernt Brad auch noch Sheba (Sylvie Fennec) kennen, Stieftochter eines Schurken, den unser Held zwischendurch schnell erledigt. Viel interessanter ist da schon die Tatsache, dass Corbucci mit einer Truppe junger Hippies, die ebenfalls hinter dem Geld her ist, den damaligen Zeitgeist einfing und in die gebirgige Landschaft seines Westerns einbaute. Die 4 jungen Leute, bestehend aus 3 Männern und einer Frau kommen aber erst in der vorliegenden DVD, die dem deutschen Zuschauer die zum Kinostart geschnittene Fassung dieses Westerns erstmals uncut zur Verfügung stellt, richtig zu Geltung. In den vormals geschnittenen Szenen werden fröhlich Joints geraucht und die freie Liebe propagiert, notfalls auch mit etwas Überredungskunst, als z.B. Sheba keine Lust auf Gruppensex hat und die Blumenfreunde ein wenig nachhelfen wollen. Zum Glück kommt Brad rechtzeitig vorbei und zeigt den Jugendlichen, was ein echter Revolverschwinger von solchen unzüchtigen Umtrieben hält.
Läuft es bis dahin mit durchschnittlicher Unterhaltsamkeit (was bei dem hohen unterdurchschnittlichen Output dieses Genres aber schon ein Qualitätsmerkmal ist) weiter, bekommt man in der letzten halben Stunde das Gefühl, dass Corbucci beim Drehen den einen oder anderen Joint der Hippies selbst aufgeraucht hat: es gibt ein recht bleihaltiges und blutiges Finale, bei der auch die Kamera eine hervorragende Arbeit leistet, und als man denkt, nun sei der Film vorbei, drehen unsere Hippies nochmal auf und liefern einen Showdown nach dem eigentlichen Showdown, der sich sehen lassen kann und „Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ im Nachhinein und im Gesamtüberblick doch noch zu einem tollen Vertreter des Genres macht. Aber das sollte sich jeder Interessierte selbst ansehen. Der Cast macht seine Arbeit sehr gut, ein Augenschmaus ist natürlich Mario Adorf als im wahrsten Sinne des Wortes einarmiger Bandit und Sänger Johnny Hallyday kann bei seinem Ausflug ins Westerngenre ebenfalls überzeugen. Der Soundtrack von Angelo Francesco Lavagnino („Heute ich, morgen Du“) geht ebenfalls ins Ohr, und so ist Corbuccis 9. Beitrag zum Italowestern ein in der ersten Stunde grundsolider Durchschnittswestern, der im letzten Drittel dann nochmal gehörig aufdreht.
DVD Aufarbeitung:
Das Bild des französischen Masters hat leider keine Restauration erhalten, wie sie beim Platzhirsche des Genres, Koch Media, Standard ist. Der Zuschauer muss also mit einigen Bildverschmutzungen rechnen, die insgesamt aber nicht stören. Auch bei Bewegungen wird das Bild schwächer, dies ist aber ebenfalls zu verschmerzen. Gut wirken die Farben, bei denen die Sättigung nachträglich nicht über Gebühr hochgedreht wurden. Der Ton liegt wahlweise auf deutsch oder auf französisch in Mono vor und verfügt über eine gute Dialogverständlichkeit. Zahlreiche Dialogszenen, die vor dem deutschen Kinostart entfernt wurden, sind wieder in den Film integriert worden und liegen auf französisch mit deutschen Untertiteln vor – in diesen Szenen heißt der Held übrigens Hud und nicht Brad.
An Extras gibt es Texttafeln mit einer Biographie über Mario Adorf, eine Fotogalerie mit Aushangfotos und den deutschen Trailer.
Fazit:
„Fahrt zur Hölle, ihr Halunken“ ist Corbuccis 9. Beitrag zum Italowesterngenre und läuft in der ersten Stunde bis auf ein paar Ausnahmen sehr routiniert und überraschungsarm ab. Bis dahin wird der Film durch gelegentliche Action und dem guten Cast gerettet. In der letzten halben Stunde dreht der Film richtig auf und macht ihn insgesamt zu einem Tipp mit leichten Einschränkungen. Die DVD-Qualität ist noch als gut zu bezeichnen, kann die Messlatte, die von anderen deutschen Labels auf diesem Sektor gesetzt wurde, aber nicht erreichen.
Daten zur DVD:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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99:02 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch: Dolby Digital 1.0
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Französisch: Dolby Digital 1.0
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Untertitel:
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Deutsch
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Bonusmaterial:
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- Fotogalerie
- Biographie Mario Adorf (Texttafeln)
- Trailer
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Fahrt zur Hölle, ihr Halunken
Gli Specialisti
Ein durchschnittswestern, der erst gegen Ende gehörig aufdreht
Autor der Besprechung: Andreas Schultz
Filmdaten: Produktionsland,-jahr: Italien / Frankreich / Deutschland, 1969
Regie: Sergio Corbucci
Drehbuch: Sergio Corbucci, Sabatino Ciuffini
Darsteller: Johnny Hallyday, Sylvie Fennec, Mario Adorf, Françoise Fabian, Gastone Moschin
Vertrieb : Kinowelt Home Entertainment DVD-Verleihstart : 07.03.2008
DVD-Verkaufsstart : 07.03.2008
Vertrieb : Impuls Home Entertainment
DVD-Verleihstart : 07.03.2008
DVD-Verkaufsstart : 07.03.2008
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