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Töte Amigo
Spaghetti-Western

Töte Amigo

Story:
Der US-Amerikaner El Nino (Lou Castel) schließt sich in Mexiko El Chuncho (Gian Maria Volonte) an. Dieser ist ein Revolutionär, der unter dem Befehl von General Elias steht und gegen die mexikanischen Machthaber kämpft. Diese schützen ausbeutende Großgrundbesitzer gegen die arme Masse der Bevölkerung. Chuncho möchte andere Verhältnisse in seinem Land schaffen und El Nino bietet seine Hilfe an. Doch irgendwas führt Nino im Schilde.

Meinung zum Film:
"Töte Amigo" ist sowohl formal wie auch inhaltlich ein sehr untypischer Vertreter des Italo-Western. Zum einen sind da die Darsteller, die in diesem Film für sie eher untypische Rollen spielen: Gian Maria Volonte ("Für eine handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr") wurde mal nicht als skrupelloser Oberbösewicht besetzt. Lou Castel ("Requiescant") gibt in "Töte Amigo" zwar den typisch wortkargen, aber sehr undurchsichtigen Nino, aus dem man erst am Ende schlau wird. Klaus Kinski ("Nosferatu") spielt einen Priester mit ganz eigenen Moralvorstellungen - somit ist Kinski auch der einzige Darsteller, der seinem Klischee einigermaßen gerecht wird. Schade nur, dass seine groß angekündigte Rolle in Wahrheit sehr klein ist.

Inhaltlich wird kein typischer 08/15-Stoff geboten. Ganz im Gegenteil, in diesem Film geht es äußerst politisch zu. El Chuncho führt zusammen mit seinem Bruder eine Bande von Revolutionären an, die Regierungssoldaten überfallen, sie töten, und die erbeuteten Waffen anschließend dem Revolutionsführer übergeben. Scheinbar kämpft Chuncho für die Gerechtigkeit, gilt es doch, die arme Masse der Bevölkerung am Reichtum einiger weniger Großgrundbesitzer, die von Regierungstruppen geschützt werden, teilhaben zu lassen. Im Verlauf des Filmes muss Chuncho aber merken, dass er sich ebenfalls vom Geld korrumpieren lässt, gegen Ende führt sein Sinn für Profit sogar zu einem Massaker an der Bevölkerung. Dass seine Bande ähnlich brutal und moralisch fragwürdig wie die verhassten Regierungssoldaten vorgehen, merkt der Zuschauer gleich zu Beginn des Films. Besonders interessant ist auch die Rolle des El Nino geraten. Ein US-Amerikaner, der in ein fremdes Land kommt und das Heft in die eigene Hand nimmt, indem er lenkend in die Geschehnisse eingreift - das lässt Spielraum für reichlich Interpretationen, aber um diese Kritik des Regisseurs an der US-Politik komplett erfassen zu können, sollte man sich "Töte Amigo" selbst ansehen.

Darstellerisch ist der Film sehr gut geworden, alle Personen wurden (trotz oder gerade wegen der Abweichungen vom sonstigen Ruf) hervorragend besetzt. Einzig die deutsche Synchronstimme der schönen Adelita (Martine Beswick) ist ein Ärgernis, klingt sie doch viel zu männlich. "Töte Amigo" bringt es auf eine stolze Laufzeit von 2 Stunden, wobei es trotzdem kaum Hänger gibt. Die Beweggründe, die El Nino für seinen Aufenthalt in Mexiko hat, sind einfach zu interessant und undurchsichtig, als dass man einfach mittendrin abschalten könnte. Die Charakterisierung Chunchos, bzw. seinen Zwiespalt zwischen Profitgier und politischem Auftrag sind ebenfalls vom Drehbuch hervorragend ausgearbeitet und ebenso gut von Volonte dargestellt worden. Insgesamt ist "Töte Amigo" eine Perle, die sich sehr von der sonstigen Western-Stangenware abhebt. Spätestens beim Ende des Films merkt man, dass man gerade einen ganz besonderen Film gesehen hat.

DVD Aufarbeitung:
Gegenüber der Erstauflage ist das Bild deutlich verbessert worden, die alte Auflage hatte etwas mit Nachzieheffekten zu kämpfen, dieses Manko wurde nun beseitigt und man kann mit der Schärfe und den Farben sehr zufrieden sein. Der deutsche Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor und hat eine gute Dialogverständlichkeit. Zahlreiche Passagen, die nie synchronisiert wurden, sind deutsch untertitelt. Des Weiteren gibt es für Interessierte 2 verschiedene englische Sprachfassungen.

An Extras gibt es 3 englische Trailer zum Film, sowie eine Bildergalerie mit seltenen Aushangfotos. Kernstücke der Extras sind zum Einen das Interview mit Regisseur Damiano Damiani, das rund 10 Minuten dauert und in dem er sich unter anderem über seine Ansichten zum Western allgemein auslässt. Zum Anderen darf sich ein leicht heruntergekommen aussehender Lou Castel 20 Minuten lang an die Dreharbeiten zu „Töte Amigo“, „Mögen sie in Frieden ruh’n“ und „Willkommen in der Hölle“ erinnern. Dieses Interview ist im Gegensatz zu dem mit Damiani leider nicht deutsch untertitelt.

Diese DVD ist der 1. Teil einer neuen Collection von Koch Media, im Rahmen dessen die dort stets liebevoll herausgegebenen Italowestern einen neuen äußeren Anstrich bekommen haben. Dies soll für eine Einheitlichkeit im Regal sorgen und den Käufer anspornen, auch die anderen Titel der Reihe zu kaufen, die in Zukunft Neuauflagen bereits erschienener Titel, aber natürlich auch Erstauflagen beinhalten wird. Das neue Design ist ein Digipak ohne Schuber, auf dessen Rücken die fortlaufende Nummer der Collection abgedruckt ist. Im Inlet des Schubers sind Hintergrundinformationen über den Film abgedruckt.

Fazit:
"Töte Amigo" ist ein politisch motivierter Western, der ungeschnitten und erstmals in einer tadellosen Bildqualität vorliegt. Der Film ist erstklassig, die Extras zwar nicht allzu zahlreich, dafür besonders im Falle des Interviews mit Lou Castel aber ein echter Hingucker. Italo-Western-Fans sollten auf alle Fälle zugreifen!

Daten zur DVD:
FSK-Freigabe:
Bildformat:
Laufzeit:
FSK 18
2,35:1
2,35:1
113:01 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch:
Dolby Digital 2.0 / Mono
Dolby Digital 2.0
Englisch:
Dolby Digital 2.0 / Mono
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Interview mit Damiano Damiani
  • Interview mit Lou Castel
  • Original-Trailer
  • Bildergalerie

Spaghetti-Western
Töte Amigo
Quien Sabe?

Andreas Schultz
Wer weiß?
Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:

Produktionsland,-jahr:
Italien, 1967
Regie:
Damiano Damiani
Drehbuch:
Salvatore Laurani
Darsteller:
Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Lou Castel, Martine Beswick, Andrea Checchi

Vertrieb “Deutschland“ :
Koch Media Entertainment
DVD-Verleihstart “Deutschland“ :
19.10.2007
DVD-Verkaufsstart :
19.10.2007

Vertrieb “Schweiz“ :
Koch Media Entertainment
DVD-Verleihstart “Schweiz“ :
19.10.2007
DVD-Verkaufsstart “Schweiz“ :
19.10.2007


Special vom: 19.10.2007
Autor dieses Specials: Andreas Schultz
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