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Dokumentation: Denn sie kennen kein Erbarmen
Spaghetti-Western

Denn sie kennen kein Erbarmen

Story:
1964: Sergio Leone dreht mit einem geringen Budget „Für eine handvoll Dollar“ mit dem damals unbekannten Clint Eastwood in der Hauptrolle. Dieser Film bedeutete nicht nur den Start von großen Karrieren für den Darsteller, den Regisseur und auch für den Komponisten Ennio Morricone, sondern auch den Beginn eines Genres, das in den nächsten 8-10 Jahren boomen sollte: der Italowestern. Die Dokumentation zeichnet den Weg vom Aufstieg und Fall des Genres nach und interviewt viele Beteiligte der damaligen Zeit.

Meinung zum Film:
"Denn sie kennen kein Erbarmen“ flimmerte erstmals 2006 auf ARTE im Rahmen eines Themenabends über die Bildschirme und wurde von den Genrefans dankbar aufgenommen. Die beiden Regisseure Hans-Jürgen Panitz und Peter Dollinger zeigen einen interessanten Einblick in die Anfänge, Hochzeiten und den Todesstoß des Genres Anfang der 70er Jahre. Panitz hat im Dokubereich bereits einige Erfahrungen gesammelt, so drehte er unter anderem im Jahr 2000 eine Dokumentation über das italienische Kolossal-Kino („Kino Kolossal – Hercules, Maciste & Co“). Dollinger ist eher ein unbeschriebenes Blatt und liefert mit dieser Doku sein Debüt ab.

Positiv zu vermerken ist, dass versucht wurde, in den knapp 90 Minuten Laufzeit so viele Informationen wie möglich unterzubringen und einen nahezu umfassenden Überblick über das Genre zu schaffen. Dabei wird die Kurve von den Kolossalfilmen Ende der fünfziger Jahre zu den ersten italienischen US-Western-Klonen („Keinen Cent für Ringos Kopf“) und den Winnetou-Filmen zu „Für eine handvoll Dollar“ wunderbar gezogen. Es werden später auch die DDR-Western mit Gojko Mitic („Ulzana“) nicht vergessen. Was ein wenig schade ist, dass Sergio Leone und seinen 5 Westernbeiträgen ungewöhnlich viel Zeit eingeräumt wird. Natürlich sind seine Filme wegweisend gewesen und verdienen auch viel Platz, jedoch hätte man gern mehr auf die nur relativ kurz angerissenen unbekannten Perlen des Genres wie z.B. „Friedhof ohne Kreuze“ eingehen können. Sehr schön hingegen, dass herausgearbeitet wurde, dass mit den sehr erfolgreichen Klamotten von Bud Spencer und Terence Hill unter der Regie von Enzo Barboni („Vier Fäuste für ein Halleluja“) das Genre langsam zu Grabe getragen wurde. Auch der Wandel gegen Ende der sechziger Jahre hin zum Revolutionswestern bleibt nicht unerwähnt.

Sehr schön das Wiedersehen mit vielen Heroen des Genres, wie z.B. der bereits erwähnte Sergio Leone, von dem es viele Archivaufnahmen mit älteren Interviews und TV-Auftritten zu sehen gibt. Weiterhin kommen Stars wie Bud Spencer, Franco Nero („Django“) oder Gianni Garko („Sartana“) zu Wort und erinnern sich an die glorreiche Zeit in den sechziger Jahren. Von den Leuten hinter der Kamera sind u.a. Sergio Corbucci („Django“), Ennio Morricone oder Sergio Sollima („Von Angesicht zu Angesicht“) zu sehen. Insgesamt ist diese Doku mit kleinen Abstrichen ein interessanter Rundblick auf das Italowestern-Genre, der für wahre Fans zwar wenig neue Erkenntnisse bietet, für diese Zielgruppe bleibt jedoch ein allemal interessantes Wiedersehen mit ihren Idolen und viel bewegtes Filmmaterial von Dreharbeiten, bzw. Blicken hinter die Kulissen z.B. zu „Leichen pflastern seinen Weg“.

DVD Aufarbeitung:
Das Bild bewegt sich auf einem guten Niveau, wie man es für eine TV-Reportage erwarten darf. Die Ausschnitte aus den Filmen oder ältere Interviews haben naturgemäß eine schlechtere Bildqualität. Eine echte Überraschung ist die Tonspur in Dolby Digital 5.1, die für eine Dokumentation völlig untypisch einen tollen Raumklang bietet, bei der aus den hinteren Lautsprecher Pistolenschüsse knallen und Elemente des Soundtracks erklingen. Eine klasse Abmischung!

Als Extra gibt es die Doku „Auf den Spuren von Wild, Wild, West“, die in rund 10 Minuten einen Rundgang durch die Kulissen Almerias macht und zeigt, wie sie heutzutage aussehen. Der DVD ist noch eine CD mit dem Soundtrack beigelegt.

Fazit:
„Denn sie kennen kein Erbarmen“ ist eine sehr interessante Dokumentation über den Italowestern, der auch Kenner des Genres zu unterhalten weiß. Ein wenig Abstriche gibt es für den Umstand, dass den Leone-Western ungewöhnlich viel Spielzeit eingeräumt wurde, aber das ist zu verschmerzen. Um für einen Eindruck für das Genre zu sorgen, reicht das Gezeigte allemal. Genrefans, zugreifen!

Daten zur DVD:
FSK-Freigabe:
Bildformat:
Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
87:41 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch:
Dolby Digital 2.0 / Mono
Dolby Digital 2.0
Deutsch:
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • "Auf den Spuren von Wild, Wild West"
  • Soundtrack-CD

 

Spaghetti-Western
Denn sie kennen kein Erbarmen
Denn sie kennen kein Erbarmen

Andreas Schultz
Eine Reise zurück nach Almeria
Autor der Besprechung:
Andreas Schultz

Filmdaten:

Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006
Regie:
Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger
Drehbuch:
Hans-Jürgen Panitz
Darsteller:
Gianni Garko, Bud Spencer, Sergio Leone, Tomas Milian, Sergio Corbucci

Vertrieb “Deutschland“ :
Koch Media Entertainment
DVD-Verleihstart “Deutschland“ :
19.10.2007
DVD-Verkaufsstart :
19.10.2007

Vertrieb “Schweiz“ :
Koch Media Entertainment
DVD-Verleihstart “Schweiz“ :
19.10.2007
DVD-Verkaufsstart “Schweiz“ :
19.10.2007


Special vom: 19.10.2007
Autor dieses Specials: Andreas Rummel
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