Haze
Story: Erschrocken erwacht ein Mann (Shin’ya Tsukamoto) aus tiefer Bewusstlosigkeit. Er befindet sich inmitten eines dunklen und engen Betonbunkers. Der Mann weiß weder, was mit ihm passiert ist, noch wo er
sich befindet oder was er in dieser Situation machen soll. Panisch und voller Angst robbt er durch den niedrigen Gang und verletzt sich mehrmals an scharfen Gegenständen. Mit blutenden Wunden bewegt
er sich immer weiter durch den klaustrophobischen Raum bis durch ein Spalt im Beton, Licht auf ihn fällt. Beim Blick hindurch erkennt er menschliche Körper, denen die Extremitäten abgetrennt werden.
Dem Zusammenbruch nahe irrt der Gefangene weiter durch das unbekannte Labyrinth, bis er eine Frau (Kaori Fujii) trifft. Nun versuchen sie gemeinsam, den erlösenden Ausgang zu finden...
Meinung und Hintergründe zum Film:
Regisseur und Hauptdarsteller Shin’ya Tsukamoto gelingt es in seinem nur knapp 49 Minuten andauernden Werk "Haze", beim Zuschauer beängstigende Klaustrophobie auszulösen. Sein Protagonist erwacht
inmitten eines unbekannten, dunklen und engen Gebäudes, durch das er sich aufgrund der geringen Größe windend und kriechend bewegen muss. Dabei ritzen scharfe Gegenstände tiefe Wunden in sein
Fleisch, so dass er bald stark blutend und vor Panik schwitzend mehrfach dem Zusammenbruch nahe ist. Tsukamoto gelingt der Transfer der Emotionen seiner namenlosen Figur auf das Publikum vorzüglich.
Dazu nutzt er kompakte digitale Kameras, mit denen er sich innerhalb der Kulissen frei bewegen kann. Durch Schwenks, Fahrten und andere Kamera-Bewegungen entstehen dynamische Bilder, welche die Enge
des Raumes fast physisch spürbar machen. Close-Ups der weit aufgerissenen Augen, das Funkeln des Schweißes sowie des strömenden Blutes verleiht der ganzen Szenerie zusätzlich Authentizität und
beschwört das Gefühl des Unwohlseins hervor. Hinzu kommt, dass die Tonebene unterstützend eingesetzt wird. Auf der einen Seite verdeutlicht schweres Atmen den Verletzungsschmerz und der Anstieg
der Atemstöße vermittelt die immer heftiger werdende Panik des Mannes. Hinzu kommen verstörende Elektro-Klänge, die das ohnehin schon beängstigende Visuelle zusätzlich unterstützen. Dieser Mix
aus audiovisuellen Elementen, der alleine durch das Hinsehen zu einem hohen Grad an Unwohlsein beim Betrachter führt, ist mit den Werken der Regiegrößen David Lynch ("Inland Empire") oder David
Cronenberg ("eXistenZ") vergleichbar, die sich mit ähnlichen Szenarien bestens auskennen.
"Haze" ist in erster Linie ein Experimentalfilm, der sehr eindringlich zeigt, mit welchen Tricks ein Film es schafft, den Zuschauer zu fesseln, Schmerzen mitfühlen zu lassen und dabei eine stetiges Gefühl
der Unsicherheit und Panik zu inszenieren. Dunkle Bilder, verstörende Geräusche, die authentische Atmosphäre des Unwohlseins, die Beklemmung und Enge funktionieren zumindest in der ersten Filmhälfte
gänzlich. Nachdem der Mann einige Zeit durch sein Gefängnis geirrt ist, trifft er auf eine Frau, die gleichermaßen versucht, in die Freiheit zu entkommen. Von diesem Moment an verändert sich die
Wirkung des Films. Nun wird sich weniger auf die Vermittlung der Empfindungen konzentriert, sondern nun gelangt das Narrative in den Vordergrund. Nun bestimmt die inhaltliche Frage, wie man denn
nun den Ausgang findet, das zentrale Geschehen. Damit verliert der Film auf der einen Seite etwas von der brachialen Wirkung, das notwendige Voranschreiten der Story macht aber diesen Schritt
umumgänglich. Dennoch bleibt das Ganze äußerst surreal und schwächt die Wirkung dieses Alptraum-Szenarios kaum ab. Der Zuschauer legt lediglich die Konzentration auf das "Herauskommen" und weniger
auf das "Wo ist der Mann", wie es zu Beginn von "Haze" der Fall ist.
Eine Eigenschaft des Experimentalfilms, die grenzenlose Freiheiten mit sich bringt, ist es, zu keiner Zeit erklären zu müssen. Demnach klärt auch "Haze" letztendlich nicht auf, was tatsächlich Sache ist.
Hinweise werden dem Zuschauer durch die ausgesprochenen Gedankenspiele des eingeschlossenen Mannes gegeben. So lautet eine Vermutung, es handle sich um einen vernichtenden Krieg und er wäre als
Gefangener eingesperrt oder als Überlebender in einer zerstörten Welt aufgewacht. Eine andere Vermutung bezieht sich auf wissenschaftliche Versuche, bei denen die Figuren die Versuchsobjekte darstellen.
Der Ansatz, man befände sich in einer perversen Game-Show, lässt dem erfahren Horrorfilm-Zuschauer schnell eine Parallele zur "SAW"-Reihe in den Kopf schießen. All dies sind Methoden, die Gedanken zu
Zuschauers kreisen zu lassen und dies ist Shin’ya Tsukamoto mit "Haze" gelungen.
Doch bei allem Lob muss an dieser Stelle einschränkend erwähnt werden, dass die Sichtung des Films sehr anstrengend ist. Zum großen Teil spielt sich das Geschehen im dunklen Raum ab.
Es überwiegt ein tiefes Schwarz, welches das Zusehen unheimlich erschwert. Zudem arbeitet der Regisseur häufig mit der modernen dynamischen Wackelkamera, die zwar den Effekt der
Authentizitätsförderung hat, aber gerade auf Dauer recht anstrengend wird. Ein mit dem "Blair Witch Project" vergleichbarer visueller Eindruck entsteht. Interessant aber keinesfalls ein Film,
der zwischendurch laufen kann. Konzentration und Durchhaltevermögen sind ab einem bestimmten Punkt die Voraussetzung. Der Zuschauer muss aktiv mitdenken, ansonsten geht der Film vorbei
und kann seine Wirkung nicht entfalten. Wenn die Inhaltsebene kritisch betrachtet wird, findet sich dort ein recht simpler Plot: Gefangener will raus. Viel gibt eine solche Story nicht
her und eine zusätzliche Komponente hätte dem Film keinesfalls geschadet. "Haze" wirkt auf der Inhaltsebne minimalistisch und versucht diese Defizite durch die formale Gestaltung auszugleichen.
DVD Aufarbeitung:
Unter dem Aspekt des Einsatzes der digitalen Aufnahmetechnik kann das Bild nicht mit dem üblichen Standard bewertet werden. Unschärfen und Kontrastschwächen dienen der Filmwirkung.
Der Raum sollte zur Sichtung abgedunkelt werden, damit keine Reflektionen störend einwirken. Der Ton liegt auf Deutsch in Dolby Digital 5.1 sowie im DTS-Format vor, während die
Originalsprache Japanisch als Dolby Digital 2.0-Spur enthalten ist. Zudem gibt es deutsche Untertitel.
Die Extras umfassen ein Making of, ein Interview mit Hauptdarsteller und Regisseur Shin’ya Tsukamoto, den Kinotrailer sowie eine Featurette über das Screening von "Haze" auf dem
Internationalen Filmfestival von Locarno im Jahr 2005.
Fazit:
"Haze" ist ein beeindruckender Experimentalfilm. Ein Mann erwacht gefangen in einem engen Betonbunker und versucht einen Ausgang zu finden. Anhaltende klaustrophobische Gefühle ähnlicher
Intensität beim Zuschauer, haben wenige Filme zuvor heraufbeschworen. "Haze" zeichnet eben dieses Vermitteln der Ängste und die Empfindungen der Hauptfigur aus, weniger die Ausbreitung einer
interessanten Rahmenhandlung. Inhaltlich etwas schwach, ist "Haze" als experimenteller Film besonders wirkungsvoll und überzeugt durch die atmosphärische Kraft.
Daten zur DVD:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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48:14 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Japanisch: 
Dolby Digital 2.0
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Deutsch: Dolby Digital 5.1
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Deutsch: dts
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Untertitel:
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Deutsch
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Bonusmaterial:
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- Kinotrailer
- Making of
- Interview mit dem Regisseur & Hauptdarsteller
- Featurette vom Screening beim Internationalen Filmfestival von Locarno 2005
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Haze
Haze
Atmosphärischer Experimentalfilm, der beklemmend auf den Zuschauer wirkt
Autor der Besprechung: Marcus Offermanns
Filmdaten: Produktionsland,-jahr: Japan, 2005
Regie: Shin'ya Tsukamoto
Drehbuch: Shin'ya Tsukamoto
Darsteller: Shin'ya Tsukamoto, Kaori Fujii
Label : rapid eye movies DVD-Verleihstart : 24.07.2009
DVD-Verkaufsstart : 24.07.2009
Vertrieb : Kein Vertrieb bekannt DVD-Verleihstart : Kein Termin bekannt
DVD-Verkaufsstart : Kein Termin bekannt
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