Sonatine
Story:
Murakawa (Takeshi Kitano) sollte als erfolgreicher eiskalter Yakuza-Killer mit breiter Brust durchs Leben gehen können. Doch nicht Murakawa. Der Endvierziger ist seines Jobs und eigentlich seines ganzen
restlichen Lebens müde. In sich zurückgezogen, fast depressiv, erlebt er seinen Alltag. Als sein Boss ihm den Auftrag erteilt, in Okinawa zwei verfeindete Gruppierungen zu versöhnen, reist er mit einer
kleinen Gruppe seiner Kollegen dorthin und erlebt eine deftige Überraschung. Von dem angekündigten Bandenkrieg ist nichts festzustellen - stattdessen werden Murakawa und seine Gruppe von Killern überfallen.
Gerade eben können sie in ein Standhaus flüchten. Dort finden sie Unterschlupf und analysieren die Situation. Irgendjemand hat ihnen eine Falle gestellt und etwas undurchsichtiges geht hinter den Kulissen vor.
Murakawa versucht, in seiner typischen stoischen Gelassenheit, an die Lösung dieser Fragen zu kommen.
Meinung und Hintergründe zum Film: Takeshi Kitano ("Hana-Bi") ist gleichzeitig Regisseur und Hauptdarsteller dieses eigentümlichen Yakuza-Krimis. Er spielt in "Sonatine" den scheinbar depressiven, vom Killer-Alltag entnervten Murakawa. Irgendwas will
dieser an seinem eingefahrenen Leben ändern. Obwohl er ein erfolgreicher und angesehener Killer ist, sein Gemüt hellt dies nicht auf. Mitten in diese Phase platzt der Auftrag, im fernen Okinawa zwischen zwei
verfeindeten Banden zu vermitteln. Verwunderlich nur, dass vor Ort kein Konflikt auszumachen ist und Fremde ihn und seine Männer attackieren. Vor dem Ausgangspunkt dieser Plot-Konstellation könnte man von
einem wachechten Mafia-Thriller ausgehen, in dem die Rollen etwas zwielichtig verteilt sind und die Handlungsmotive der Figuren verschleiert erscheinen. Dem muss aber im Falle von "Sonatine" die Figur des
Murakawa hinzuaddiert werden. Kitano fokussiert sich ganz auf ihn, der um Murakawa konstruierte Handlungsrahmen ist zweitrangig. Der Zuschauer erlebt kein spannungsgeladenes Hongkong-Kino oder gar einen
klassischen Actionthriller, sondern einen ruhigen Film, der streckenweise sogar zäh erscheint und sich auf seine Hauptfigur konzentriert.
Da die Hauptfigur meist stoisch gelassen, teilnahmslos und oftmals abwesend erscheint, fehlt dem Film ein wenig an Dynamik. Doch harmlos führt Kitano seinen Film dennoch keinesfalls voran. Markante Gewaltausbrüche,
meistens Schießereien zwischen den sich gegenüberstehenden Charakteren, prägen "Sonatine". So kann es sein, dass über etliche Minuten der Strandalltag im Versteck von Murakawas Leuten gezeigt wird. Schwarzhumorige
Spiele und sinnloser Zeitvertreib stehen auf der Tagesordnung. An dieser Stelle sei das humoristisch inszenierte Stand-Sumo-Ringen angesprochen, das die dem Film eigene Stimmung sehr gut verdeutlicht. Plötzlich
jedoch ist diese Idylle zerstört und zerschossene Körper sinken zu Boden. Dieser krassen Gegensätzlichkeiten treten einige Male auf und charakterisieren auch Kitanos weiteres filmisches Schaffen.
In Murakawas Gruppe findet sich vom trotteligen Heranwachsenden bis zum alten Weisen ein breites Repertoire an Figuren. Die Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein, deren Darsteller überzeugen
weitestgehend in ihren Rollen durch gute Schauspiel-Leistungen. Kitano selbst spielt die Rolle des depressiven Yakuzas überzeugend und eindringlich, er verleiht ihm eine immer währende Unzufriedenheit.
Diese Figur funktioniert sehr gut, wirkt aber auch an einigen Stellen befremdlich. Versucht man sich an einer Definition, handelt es sich bei "Sonatine" am wahrscheinlichsten um einen ruhigen Mafiafilm,
der von exzessiven Gewaltausbrüchen durchzogen ist und meistens den Hauptcharakter fokussiert. Gerade beim Arthouse-Publikum fand Kintano mit seinem untypischen Stil anklang, beim Mainstream-Publikum
jedoch (vor allem in Japan), stiess "Sonatine" auf weniger positive Reaktionen. Der Film lief erfolgreich beim Filmfestival in Cannes. Bei dieser Disc gibt es eine Besonderheit anzumerken. Der "Sonatine"
liegt ausschließlich im japanischen Original vor. Deutsche Untertitel sind zwar vorhanden, doch muss auf eine Synchronisationsfassung verzichtet werden. Liebhaber von Originalversionen werden sich hieran
natürlich nicht stören, für andere mag diese Information die Kaufentscheidung beeinflussen.
DVD Aufarbeitung:
Wenn man das Alter des Films berücksichtigt, kann dieser DVD-Version eine gute Bildqualität attestiert werden. Kontrast und Helligkeit sind im grünen Bereich und das wenige Bildrauschen trübt den Sehgenuss
kaum. Ob man das Fehlen einer deutschen Synchronisation bemängeln muss, sein dahingestellt. Vorhanden ist in jedem Fall die japanische Originalfassung im Format Dolby Digital 2.0 inklusive deutschen Untertitel.
Diese Disc wurde mit keinen erwähnenswerten Extras ausgestattet. Außer dem Kinotrailer fehlt weiterführendes Material.
Fazit:
"Sonatine" ist ein ruhiger Yakuza-Film, der von heftigen Gewaltpassagen durchkreuzt wird. Gerade die unaufgeregte Inszenierung und Kitanos Fokussierung auf den Hauptcharakter wird ein Arthouse-Publikum ansprechen,
Actionfans aber sicher nicht begeistern. Leider fehlen der Disc weiterführende Extras.
Daten zur DVD:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
93:42 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Japanisch: Dolby Digital 2.0
|
|
Untertitel:
|
|
Deutsch
|
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|
|
Sonatine
Sonachine
Japanisches Arthouse-Yakuza-Kino
Autor der Besprechung: Marcus Offermanns
Filmdaten: Produktionsland,-jahr: Japan, 1993
Regie: Takeshi Kitano
Drehbuch: Takeshi Kitano
Darsteller: Takeshi Kitano, Aya Kokumai, Tetsu Watanabe, Tonbo Zushi, Eiji Minakata
Label : rapid eye movies DVD-Verleihstart : 25.09.2009
DVD-Verkaufsstart : 25.09.2009
Vertrieb : Kein Vertrieb bekannt DVD-Verleihstart : Kein Termin bekannt
DVD-Verkaufsstart : Kein Termin bekannt
|