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EXTREM NAH - Wiedergeboren in Westfalen |
20. Kinofest Lünen - Wiedergeboren in Westfalen
Am frühen Donnerstagnachmittag stand mit "Wiedergeboren in Westfalen" einer der ersten Filme des 20. Kinofest Lünen auf dem Zeitplan. Melanie Liebheits Dokumentarfilm lief in der Kategorie EXTREM NAH, die Filmen aus der Region ein Forum bietet. Das Publikum hat dabei die Möglichkeit, durch den Kauf von Stimmkarten ihren Favoriten zu unterstützen - der gesamte Erlös geht an den Gewinnerfilm. Die in Münster geborene Regisseurin hat ihre Dokumentation über Europas größten Hindu-Tempel in Hamm-Uentrop bereits in ihrer Studienzeit geplant und die Dreharbeiten organisiert. Als der WDR von dem ungewöhnlichen Projekt erfahren hat, stieg der Sender kurzerhand ein und ermöglichte die Umsetzung in einem größeren Rahmen. Somit begannen im Frühjahr 2006 die sechsmonatigen Dreharbeiten, in deren fünf Phasen mit jeweils circa zehn Drehtagen die Aufnahmen entstanden.
Liebheit stellt während der 88 Filmminuten die Hindu-Gemeinde in der westfälischen Vorort-Provinz vor und beleuchtet die Arbeit des Priesters Sri Paskaran. Das Filmteam begleitete Paskaran bei den Vorbereitungen zum jährlichen Tempelfest, bei dem rund 30.000 Gläubige ihre Gottheiten mit einem riesigen Umzug preisen. Die Filmemacherin verliert jedoch nie die Perspektive der Einwohner aus den Augen. So werden Gemeinsamkeiten aber auch Differenzen offensichtlich, die beim engen Nebeneinander der Kulturen entstehen. Während die Hindus ihren Glauben preisen, findet in unmittelbarer Nähe das Schützenfest statt. Die Überwindung der vorherrschenden Gegensätzlichkeit kann erreicht werden, wenn alle Beteiligten dies anstreben. Das zeigt der Film nachhaltig, denn Paskaran geht offen auf die Einwohner zu und diese stehen zur Hilfe bereit. Die Dokumentation zeigt Völkerverständigung, wie sie in der Praxis funktioniert. Ein ortsansässiger Bauer verleiht seine Kuh für ein Ritual - seitdem steht ein geheiligtes Tier in seinem Stall.
"Wiedergeboren in Westfalen" arbeitet mit ungewöhnlichen Bildern, die den Hindu-Tempel inmitten deutscher Industriebauten zeigen. Die Stadt hat dem 2002 fertiggestellten Bauwerk einen Platz innerhalb eines Gewerbegebietes zugeteilt und so hebt das mit zwei Türmen besetzte Bauwerk von der Einheitskulisse deutlich ab. Dieser optische Gegensatz wird im Film mehrfach gezeigt und dient als Symbolik für das Nebeneinander der kontrastreichen Kulturen. Der Film verdeutlicht, wie aus einem behutsamen kennen lernen Gemeinsamkeiten werden und beiderseitige Akzeptanz ganz automatisch entsteht. So kann es sein, dass 30.000 Hindus durch die Wohngebiete einer ländlichen Stadt ziehen - ohne Zwischenfälle. Eine minimale Parallele zu "Full Metal Village" ist hier nicht zu übersehen. Der Grundtenor ist sogar gleich: Die Tatsache, dass es sich in dem einen Film um gläubige Hindus handelt, während im Zweiten Heavy-Metal-Fans ihre Leidenschaft feiern, verfälscht keineswegs.
Thematik, Aussage und Wirkung bringt "Wiedergeboren in Westfalen" treffend rüber. Strukturell springt die Regisseurin zwischen Abschnitten über den Priester, die Dorfbewohner oder dem Umzug des Öfteren hin und her, so dass ein roter Faden vermisst wird. Dennoch verfehlt der Film seine dokumentarische Absicht nicht und zeigt wie ertragreich gesellschaftliche und kulturelle Kontraste für alle sein können.
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